Hunderte Bürger feiern bei der Proklamation der Rottweiler Fasnet die Narren, die das Stadtregiment übernommen haben – und möglicherweise besser wissen als die unterjährige Verwaltung wie nachhaltiges Wirken geht.
Jetzt wird zur Kasse gebeten. Und zwar unerbittlich, wie auch die Narrenzunft feststellen musste. Was die kann, hat die Stadt inzwischen nämlich auch gelernt.
Und so knöpfte der da gerade noch amtende Oberbürgermeister dem „größten Käpsele der Zunft“, Narrenmeister Christoph Bechtold für die Sonntagsfasnet einfach schon mal Kohle ab. Und es gab den Hinweis, so berichtet der Herold im Schatten des Alten Rathauses weiter, dass die Stadt kein Geld mehr hat!
Zahlen statt kassieren
Wer hätte das gedacht? Ist just dies nicht immer just an diesem Tag ruchbar geworden, wenn rechtschaffene Narren versuchen, zu retten, was zu retten ist? Was keiner ahnen konnte – da braucht es eben diese Eine-in-einer-Amtszeit-Eingebung eines Stadtrats: „Wa haltet ihr davu, wenn mir it nu da Verein in Rottweil koa Geld meh gebet, sondern an Schritt weiter ganget und mir vu deana Geld verlanget?“ – der in nichtöffentlicher Sitzung eingebrachte Vorschlag fand im Gemeinderat prompt Zustimmung. Damit ist endlich eine strukturelle Änderung des Haushalts gelungen.
Das macht alles nicht einfacher. Auch das Narren nicht. Denn jedes Kleid hat seine Plagen, wie die Menge erfährt. Vom Schweißausbruch unter den Fransen und Bollen über das Schicksal nach verunglücktem Hannessprungversuch, Gschell und Biss werden zu Dauerkandidaten bei der Physiotherapie und wegen überschwerer Körbe würden Schantlearme nachhaltig geschädigt, deshalb: „Bekannt gmacht sei au, dass it bloß narra, sondern au zuagucka sche sai ka!“, verspricht der Herold.
Nachhaltigkeit neu denken
Aber was bedeutet das insgesamt? Bei der Stadt und im Gemeinderat rolle der Stein den Hügel der Unvernunft hinauf. Wer zu solcher Feststellung fähig ist, kann auch noch mehr. Und so wird das Thema Nachhaltigkeit mit scharfem Messer seziert. Statt aufwändiger Klimatagung hätte es auch eine Ideensammlung in der Bevölkerung getan.
Denn dort schlummern Ressourcen etwa für beschattete Sommerradwege oder perfekt gefüllte Schlaglöcher. Gar an eine alternative Biomüllverwendung ist gedacht – olfaktorische Erinnerung an glorreiche Reichsstadtzeiten inklusive.
Und ein Prozent habe ja schon bei der Online-Abstimmung für die Zukunft der künftigen Gaswerk-Brache in der Au für eine nachhaltige Lösung gesorgt. Von wegen Naturbühne und so. Noch besser, wer hätte das gedacht, wäre da die Narrenzunft aufgestellt. Hat sie halt mal wieder keiner gefragt. Dabei gibt es jede Menge Idee und Fachkompetenz. Sogar für ein eigenes Kulturprogramm mit besonderem kulinarischen Akzent wäre gesorgt.
Stanniolpapier reicht auch
Für die nächsten Tage dürfen sich die Bürger also glückseliger Zeiten gewiss sein. Da helfen vielleicht auch die letzten paar Kröten, die die neuen Herren aus der Stadtkasse unters Volk warfen, mit. Da hat’s übrigens nicht mal mehr für alle für Schokolade in den Schokotalern gereicht. Bei manchen kam einfach nur Katzengoldpapier an. Egal. Wenn die Zeiten mager anfangen, kann es nur noch besser werden!