Die Bahn fährt am Sonntag nur nach dem normalen Feiertags-Fahrplan. Die Rottenburger Narrenzunft hat vergessen, Sonderfahrten für die Strecke Tübingen-Horb zu bestellen.
Nein, diesmal kann die Deutsche Bahn nichts dafür. Aber die Rottenburger Narrenzunft. Ausgerechnet. Eigentlich ist das Organisationstalent der Zunft legendär. Zuletzt hat sie es in ihrem Jubiläumsjahr 2025 bewiesen.
Der Rottenburger Zunftmeister Andreas Kersting redet nicht groß drumherum: „Wir haben es versäumt. Das ist uns diesmal rausgegangen.“ Für die vielen Besucher beim großen Sonntags-Ommzug hat die Zunft sonst immer frühzeitig Sonderfahrten beantragt. Die Bahn bastelte dann einen Sonderfahrplan für die Strecke Tübingen-Rottenburg-Horb. „Das hat immer super funktioniert“, sagt Kersting.
Die Zusatzzüge waren vor allem am Mittag wichtig: Ommzug und Ahland-Hoppa starten traditionell um 13.30 Uhr. Vorher strömen innerhalb kurzer Zeit Zehntausende in die Altstadt. Die meisten Einheimischen kommen zu Fuß, die meisten Auswärtigen mit dem Auto (und müssen weit außerhalb parken). Aber viele verlassen sich auch auf den öffentlichen Nahverkehr. Schon am Tübinger Bahnhof herrscht am Ommzugsmittag immer dichtes Gedrängel, und die Züge nach Rottenburg sind heillos überfüllt.
Auch keine Zusatz-Waggons
Diesmal wird das Chaos noch schlimmer werden. Denn es werden nur die normalen Züge fahren, nach Sonntagsfahrplan und mit jeweils 160 Sitzplätzen (laut Verkehrsministerium). Geplante Abfahrten in Tübingen: 12.34 Uhr, 13.03 Uhr, 13.39 Uhr. Von Horb her fährt am Sonntagmittag sogar nur ein einziger Zug: Abfahrt um 12.52 Uhr. Laut Auskunft der Bahn ist es auch nicht möglich, die fahrplanmäßigen Züge kurzfristig um zusätzliche Waggons zu verlängern. Die DB-Auskunft hat die Rottenburger Fasnet überhaupt nicht auf dem Schirm. Sie verspricht für Sonntag: „Geringe Auslastung erwartet.“ Narri!
Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (beim Verkehrsministerium angesiedelt) hat jedes Jahr ein bestimmtes Budget für Sonderfahrten, erklärt Pressesprecher Benjamin Hechler: für Großveranstaltungen wie bestimmte Weihnachtsmärkte, Sport-Ereignisse oder eben Fasnetsumzüge. Der Rottenburger Ommzug gehört da zweifellos dazu, auch wegen seiner überregionalen Ausstrahlung.
Sonderfahrten beantragen
Die jeweiligen Veranstalter müssen die Sonderfahrten beantragen. Die Nahverkehrsgesellschaft prüft die Anfragen und bestellt dann die Züge bei der DB Regio (oder je nach Strecke bei einem anderen Betreiber). Die Veranstalter müssen dafür nichts bezahlen. Doch aus Rottenburg ist diesmal in Stuttgart eben keine Bestellung eingegangen. Auch die Stadtverwaltung kann nichts dafür. „Wir sind nicht der Veranstalter“, teilt die städtische Pressestelle mit.
Bleibt nur: Am Sonntag den Rottenburger Narrenrat ordentlich verblodern.