Bei der Straßenfasnet kann es ganz schön eng werden auf dem Rottenburger Marktplatz – aber auf jeden Fall knallbunt. Foto: Ulrich Metz

Die 2026er-Fasnet ist kurz: In der kommenden Woche ist schon Schmotziger Donnerstag. Dann schwelgt Rottenburg sechs Tage lang im ausgelassenen Ausnahmezustand. Eine Übersicht.

Es war eine weise Entscheidung der Altvorderen, die Rottenburger Narrenzunft im Jahr 1925 zu gründen. Denn so fiel das Fest zum Hundertjährigen auf eine relativ lange Fasnetssaison 2025, und es war genug Zeit für ein überregionales Landschaftstreffen samt großem Extra-Umzug, für eine historische Ausstellung und vielerlei weitere Jubiläumsaktivitäten.

 

In diesem Jahr ist die Saison nur kurz 2026 hätte man all dies wohl kaum in den Kalender quetschen können. Denn in diesem Jahr ist die Saison nur kurz. Die Hauptfasnet beginnt bereits in der kommenden Woche, mit dem „Schmotzigen“ Donnerstag am 12. Februar.

Am Donnerstagmorgen geht es los mit der Schülerbefreiung Los geht’s traditionell am Donnerstagmorgen mit der Schülerbefreiung (auch viele Kindergartenkinder werden vorübergehend aus ihrem Elend erlöst). Üblicherweise ziehen schon vormittags verschiedene Laufgruppen und Kapellen durch die Gassen, um die Stadt allmählich auf Betriebstemperatur zu bringen. Etwa um 10 Uhr beginnt die Schülerfasnet auf dem Marktplatz (für Achtklässler aufwärts). Diesmal auf Wunsch der Jugendlichen mit „weniger Programm, aber mehr Party“, sagt die städtische Pressesprecherin Birgit Reinke, also ohne Showtanz-Vorführungen und Kostümwettbewerb, weil sich daran zuletzt immer weniger Gruppen beteiligten.

Noch haben Ahland und Gräfin Mechthild nicht die Macht im Rottenburger Rathaus übernommen. Aber den Eingang kontrollieren sie schon mal. Foto: Michael Hahn

Die Institutionen kapitulieren Ab 13.30 Uhr (diese Uhrzeit hat sich landauf, landab als närrischer Tagesanfang etabliert) geht es dann über in die allgemeine Straßenfasnet: Je nach Wetterlage füllen sich Rathausfoyer, Marktplatz und Altstadtgassen mit buntem Treiben. Organisierte Zünfte, aber vor allem freie Gruppen und fantasievoll verkleidete Cliquen und Familien bevölkern die Stadt: eine Augenweide! Stadtverwaltung, Banken und andere Institutionen kapitulieren.

Gräfin Mechthild proklamiert die Narrenfreiheit

Buntes Treiben bei der Straßenfasnet

Wie in jedem Jahr wird „Gräfin Mechthild“ am Donnerstag um 19 Uhr die „Narrenfreiheit“ proklamieren: „Narri, Narro: Jetzt isch’s halt so.“ Diese Freiheit ist allerdings ihrerseits wieder strengen Ritualen unterworfen: Pompele-Kellerspuk, Hexentanz und Ahlandtanz auf dem Marktplatz, anschließend geht’s hinauf zur Festhalle. Die dortige Hallenfasnet steht ganz im Zeichen der Stadthexen, die in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen feiern. DJ Dangel legt auf. Oder man verzieht sich zu einer der vielen anderen Fasnetspartys in der Stadt, beispielsweise zum Elfmeterball des FC Rottenburg in der Zehntscheuer.

Bändel vor dem Rottenburger Zunfthaus. Foto: Michael Hahn

Nur eine Veranstaltung am Freitag Am Freitag, 13. Februar, schaltet die Raudeburger Fasnet nochmal einen Gang runter, und man hat notfalls kurz Zeit, das Kostüm zu optimieren und die Vorräte aufzufüllen. Im offiziellen Programm der Narrenzunft steht für Freitag nur eine einzige Veranstaltung: die Seniorenfasnet ab 14 Uhr in der Festhalle, mit Beteiligung aller Zunftgruppen und der Stadtkapelle.

Narrenmesse in der Morizkirche Am Fasnetssamstag um 13.30 Uhr beginnt das närrische Treiben mit einer Narrenmesse in der Morizkirche, zelebriert vom fasnetsgestählten Dompfarrer Klaus Rennemann. Von dort zieht ein improvisierter Straßenumzug hinüber zum Marktplatz: Für viele Einheimische ist das der Höhepunkt der Raudeburger Fasnet. Den ganzen Nachmittag über ist buntes Treiben in der Stadt. Ab 20 Uhr lädt die Narrenzunft zur großen Party in der Festhalle (ausnahmsweise mit Eintritt: 8 Euro im Vorverkauf, 10 Euro an der Abendkasse). In den vergangenen Jahren hieß es „Ü 30“, aber davon sei man nun wieder abgekommen, sagt Zunftmeister Kersting. Unter dem Motto „Schlager meets Rockabilly“ ist nun wieder eine Live-Band am Start: Das Quartett Rebel Tell live verspricht eine wilde Bühnenshow. Anschließend legt noch ein DJ auf.

Ommzug am Sonntag

Großer Umzug ist eine überregionale Attraktion Eine überregionale Attraktion ist der Große Ommzug am Fasnetssonntag. Er ist traditionell die größte Fasnetsveranstaltung im Kreis Tübingen, mit mehreren tausend Narren und Guggenmusikern aus ganz Südwestdeutschland und mit mehreren zehntausend Zuschauern. Um 13.30 Uhr flutet das „weiße Meer“ aus Hunderten Ahlanden vom Kalkweiler Tor hinunter zum Marktplatz und weiter zur Sprollstraße, wo der Ommzug seinen Lauf nimmt.

Verkauf eines Umzugs-Pins zur Finanzierung Die Narrenzunft finanziert ihre Unkosten mit dem Verkauf eines Umzugs-Pins für 3,50 Euro im Vorverkauf und 4 Euro an den Zugängen zur Umzugsstrecke. Der 2026er-Pin zeigt einen Hexenbesen. Ob die Deutsche Bahn auf der Strecke Tübingen-Rottenburg-Horb wieder Sonderfahrten zum Ommzug anbieten wird, ließ sich nicht in Erfahrung bringen.

Narrensamen-Umzug am Rosenmontag Eine kleinere, lokalere Version des sonntäglichen Ommzugs startet am Rosenmontag um 13.30 Uhr in der Tübinger Straße (beim Kaufland): der Narrensamen-Umzug. Auch da kann man nochmal den kompletten Hofstaat und die übrigen Rottenburger Narrengruppen bejubeln und kräftig Süßigkeiten abgreifen. Via Obere Brücke geht es zum Marktplatz und weiter hinauf zur Festhalle zum Kinderball. Anschließend wird umgebaut für die „Nacht der Narren“, ein buntes Spektakel ab 20 Uhr.

Ahland-Taufe auf dem Marktplatz Am Fasnetsdienstag um 14 Uhr (nicht 13.30 Uhr!) beginnt die alljährliche Ahland-Taufe auf dem Marktplatz. Die neu aufgenommenen Mitglieder ziehen sich erstmals offiziell ihre Häser an und werden „gewässert und verblodert“. Um 20 Uhr schließlich wird die Fasnet verbrannt.

Zunfthaus ist die gesamte Hauptfasnet über geöffnet Das Zunfthaus (Sülchenstraße 3) ist die gesamte Hauptfasnet über geöffnet, zeitweise auch auf allen drei Ebenen gleichzeitig, mit Live-Musik und Party. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen, abends (bis 1 Uhr) dann warme Küche. Und: „Ab 1.00 Uhr kleine Karte.“ Die Sperrstunde ist aufgehoben. Vorglühen, absacken und aufdrehen gehen nahtlos ineinander über.

Die Narrenzunft ist seit 1930 ein eingetragener Verein 2027 wird die Fasnet dann übrigens noch kompakter. Da ist der Schmotzige noch eine Woche früher (4. Februar). Besonders lang zieht sich die Saison dann im Jahr 2030 hin (Schmotziger ist erst am 28. Februar). Dann gibt es auch wieder eine Jubiläums-Gelegenheit. Denn die Narrenzunft wurde zwar 1925 gegründet, aber zunächst als informelle Gruppe. Als eingetragener Verein firmiert sie erst seit 1930.

Der Pop-Up-Store der Narrenzunft

In diesem Jahr
hat die Narrenzunft nicht ihr gewohntes Holzhäusle auf dem Marktplatz aufgestellt, sondern vorübergehend ein leerstehendes Ladengeschäft in der Bahnhofstraße 15 bezogen (gegenüber der Zehntscheuer).

Seit Mitte Januar
gibt es dort die einschlägigen Ansteck-Pins zu kaufen sowie „ausgewählte Fasnetsartikel“ (der Narrensamen würde wohl „Narren-Merch“ dazu sagen), und es gibt eine kleine Ausstellung und weitere Informationen über die Raudeburger Fasnet.

Dieser sogenannte Pop-Up-Store
hat „voll eingeschlagen“, sagte Zunftmeister Andreas Kersting. Er habe sich zu einem richtigen „Ort der Begegnung“ entwickelt, vor allem am Samstagvormittag während des Wochenmarkts.

Daher hat die Narrenzunft
die Öffnungszeiten stark erweitert. Geöffnet ist nun am Mittwoch und Freitag, 4. und 6. Februar, von 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 7. Februar, von 9.30 bis 13 Uhr. Und natürlich während der Hauptfasnet.