Karl-Heinz Melchinger hat diese Larven selbst gefasst. Foto: Cools

Ohne den Oberndorfer Maler Karl-Heinz Melchinger wären viele der Larven und Narrenkleider an der Fasnet ziemlich farblos.

„Zum Larvenfassen und Kleidlemalen braucht man Laune und Liebe“, sagt Karl-Heinz Melchinger. Das hat er von seinem Vater Franz gelernt. Der pflegte zu sagen, dass man in der richtigen Stimmung sein müsse, um beim Larvenfassen erfolgreich zu sein. „Er meinte immer, das ist sonst, als würde man an Ostern einen Weihnachtsbaum aufstellen. Das passt nicht“, sagt Karl-Heinz Melchinger.

 

Der 73-Jährige ist in Oberndorf und folglich mit der Fasnet groß geworden. Schon als kleiner Bub war er Teil des Spektakels – erst als Bajass, später als Narro. Vater Franz war ein paar Jahre lang Kinderumzugsleiter, machte sich aber vor allem mit dem Larvenfassen einen Namen, das er neben seiner Arbeit als Malermeister im eigenen Geschäft vornahm.

Warzen weggeschliffen

Mit 14 Jahren assistierte Karl-Heinz Melchinger ihm und lernte, wie man die Larven mit weißer Ölfarbe grundierte, wie man schliff, spachtelte und dem Narr schließlich Leben einhauchte. Er oder die Lehrlinge des Vaters übernahmen meist die Vorarbeit.

Mancher meinte es da zu gut. „Einer hat mal die ganzen Warzen bei der Schantlelarve weggeschliffen“, erinnert sich Melchinger schmunzelnd. Und dann gab es ja da noch die Narrenkleider, denen sich Vater Franz mit Vorliebe in der Nacht widmete. „Daran saß er oft bis nachts um 3 Uhr“, erinnert sich der Sohn.

Als der Vater starb, erbte Melchinger nicht nur das Malergeschäft, sondern auch die Aufträge zum Larvenfassen und Kleidlemalen. Nicht leicht, hatte er doch zu Lebzeiten des Vaters nie ein ganzes Projekt allein übernommen. Die erste komplett selbst gefasste Larve, einen Schantle, musste er dreimal überarbeiten, bis er zufrieden war, doch er lernte schnell.

Viele Arbeitsschritte

Inzwischen hat Melchinger schon rund 300 Larven gefasst. Das könne man sich wie Schminken vorstellen. Erst würden die großen Flächen bemalt, dann die Details eingefügt, erklärt er. Grundieren, zweimal weiß und einmal farbig vorlackieren, mit Ölfarben bemalen, farblose Schicht drüber und zwischendrin immer gut trocknen lassen – die vielen Arbeitsschritte benötigen einiges an Zeit. Beim Fassen schwört Melchinger dabei auf einen Pinsel mit weichem Marderhaar.

Anders beim Narrenkleid: Da ist ein Schweineborsten-Pinsel das Mittel der Wahl. Das erste Narrenkleid, das er bemalte – rund 120 Stunden benötigte er dafür – bekam seine Tochter. Eigentlich hatte Vater Franz dies noch für seine Enkelin machen wollen, war aber nicht mehr dazu gekommen.

Hier hat Melchinger beispielsweise den Türkenbau verewigt. Foto: Melchinger

Um die acht Wochen dauert es, bis das bemalte Kleid einsatzfähig ist. „Mit dem ersten Mal waschen sollte man aber mindestens acht Jahre warten“, rät Melchinger. Danach könne man es aber auch in die Waschmaschine stecken. 2022 hat der Oberndorfer drei Narrenkleider bemalt.

Immer wieder spannend sei, welches Motiv sich die Besitzer wünschen. Mal sei es der Türkenbau in Oberndorf, ein anderes Mal die Ruine Waseneck, dann mal die Musikschule. Dabei achtet Melchinger aber immer darauf, dass die ausgewählten Motive zeitlich und optisch zusammenpassen.

40 Jahre lang sprang Karl-Heinz Melchinger übrigens auch selbst als Narr am Fasnetsdienstag mit – erst als Narro, dann als Schantle. Inzwischen ist er Zuschauer. „Dieses Jahr mache ich den Brezelbua für meine Kinder und Enkel“, sagt er lachend.