Es ist geschafft! Der Narrenpräsident hat bis Aschermittwoch das sagen. Foto: Holzer-Rohrer

Bei der Übernahme der Ortsgewalt in dem Oberndorfer Stadtteil greifen die Narren tief in die Kiste ihrer Heimatgeschichte.

In Bochingen hielt sich die Obrigkeit bis in die Abendstunden des Schmotzigen noch fest an der Macht, bis „Graf Bocho“ – Ortsvorsteher Thorsten Ade – seine Amtsgeschäfte für die kommenden Tage an Narrenpräsident Oliver Essel abgab.

 

Kurz zuvor hatte Herold David Simon im Burghof auf die Bedeutung der ehemaligen Villa Rustica und des heutigen Dorfes Bochingen hingewiesen. Die Narrenfahne wehte bereits im Wind, die Hofmusik – unterjährig die Kapelle „Trotzdem“ – wartete auf ihren Einsatz, und die Garde flankierte die Akteure in diesem liebgewonnenen Spektakel auf dem Kronevorplatz.

Das Burgfräulein kämpft

Wären da nicht die historischen Kostüme gewesen, man hätte tatsächlich den Eindruck gewinnen können, dass man sich nicht im Jahre 1094 befand, sondern in der politischen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts.

Denn da war die Rede von denen, die das Sagen haben, die in Saus und Braus leben, und deren Untertanen, die durch Abgaben und Steuerlast ganz schön gebeutelt sind. Diesen – zumindest für ein paar tolle Tage – die Freude und Fröhlichkeit zurückzugeben, dafür kämpfte das Burgfräulein wortgewaltig, wobei Saskia Fitschulke-Leucht in dieser Rolle zur Hochform auflief.

Erst als der Narrenpräsident versprach, dass man Tradition, Sitte und Brauchtum in Ehren halten werde, wurde mit der Intonation des Narrenmarschs der Funke für den Start des närrischen Lebens gezündet.

Dass das Bochinger Volk für die Narretei brennt, bewies sich in der Anzahl der Schaulustigen, die unter den Regenschirmen zusammenrückten, sich mit Klatschen und Bewegen im Takt der Musik warm hielten. Und sie harrten auch aus, bis Glücksfee Amelie Ruggaber den Gewinner des Narrenkleides gezogen hatte. Groß war die Freude, dass es mit Bernd Ruggaber in diesem Jahr ein Bochinger war und der Narro endlich auf die Straße darf.