In Oberndorf strahlt die Fasnet musikalisch bis in den Kirchenraum hinein. Den Abend mit Michael Link & Co. wollen sich auch Narren am oberen Neckar nicht entgehen lassen.
Als Publikumsmagnet erwies sich die Heitere Orgelmusik zur Fastnacht in der Kirche St. Michael. Als Michael Link zum Auftakt den berühmten „Florentiner Marsch“ des böhmischen Komponisten Julius Fučík aus dem Jahr 1907 intonierte und die Trompetenfanfare zu Beginn, die fröhliche Piccoloflöte und das ganze Orchester gekonnt durch die „Königin der Instrumente“ ersetzte, waren nur noch wenige Plätze frei.
Giuseppe Scherer begrüßte die zahlreichen Besucher im Namen der katholischen Kirchengemeinde, der „Orgelfreunde Stadtkirche“ und von Michael Link mit Freunden, die sich im Laufe des Abends zu erkennen gaben. Auf der Suche nach neuen Stücken für die sechste Auflage der Veranstaltungsreihe, die 2019 zum ersten Mal stattgefunden hatte, war Michael Link auch diesmal fündig geworden. Das spätbarocke Stück Nr. 7 aus „Das Südtiroler Orgelbuch“ enthielt fröhlich-jubilierende Klänge, die Serenade „Fern im weiten Land“ von Enrico Toselli italienischen Charme und liebliche Melodien.
Schunkeln in der Kirche
Scherers Andeutung, Michael Link sei stets für eine Überraschung gut, bewahrheitete sich beim „Wir kommen alle in den Himmel“, der gar nicht im Programm stand. Nur zu gerne nahm das närrisch gestimmte Publikum diese Einladung zum Einhaken, Schunkeln und Mitsingen an. Die wogenden Reihen boten einen herrlichen Anblick.
Auch Kurt Noacks „Heinzelmännchens Wachtparade“, passte vortrefflich ins Konzept „Heiterkeit“. Fortgesetzt wurde das Programm mit einem weiteren Stilwechsel. Beim 1903 in Buenos Aires uraufgeführten Tango „El Choclo“ glänzte Michael Link mit leichter Melancholie und argentinischem Feuer.
Da jubilieren die Viererbund-Narren
Mitten ins Narrenherz traf der mit großer Freude dargebotene „Narren(tag)marsch“, der die Themen der Narrenmärsche aus Oberndorf, Rottweil, Elzach und Überlingen verbindet – und vom Publikum mit „Juhuhu“ und „Oh jerom“ quittiert wurde.
Die berühmten „Erinnerungen an Zirkus Renz“ entpuppten sich als virtuoser Höhepunkt, bei dem die Zuhörer mit dem Klatschen kaum dem atemberaubenden Tempo von Michael Link hinterherkamen. Riesenbeifall war der verdiente Lohn.
Zum Mitsingen
Wieder etwas zum Mitsingen für eingefleischte Viererbund-Fans war das „Elzacher Latscharilied“. Das „Lied der Schlümpfe“ begleitete Angelika Krause auf der Empore mit der Blockflöte, während unten statt „Vadder Abraham“ Gesangssolist Joachim Marx mit einer umgedichteten Oberndorfer-Fasnets-Version aufwartete. Das „Lala lallala“ trällerten die Zuhörer munter mit.
Als Pfarrvikar Rudolf Deiß unter anderem mit „Oh mein Papa“ als Solist am Bariton auftrat, ging ein überraschtes Raunen durch die Menge. Während der Darbietung erschien Michael Link mit einem Koffer auf der Bildfläche. Er ging mit einer geheimnisvollen Mini-Schnupfdose auf Tuchfühlung mit Narrenzunft-Präsident Marco Pfisterer und weiteren Gästen, bevor er mit Stefan Dürr seine spaßige Schlussnummer als Musikclown gab. Kurzerhand wurde auch der evangelische KGR-Vorsitzende Thorsten Sosinski für die Improvisation „Mein Hut, der hat drei Ecken“ Teil des Melodica-Trios und stellte zur Freude aller sein Talent am Instrument unter Beweis.
Bevor man beim Stehempfang miteinander ins Gespräch kam, sprangen drei Kindernarren für ihren großen Auftritt herbei, und Link ließ an der Orgel die Zugabe „Wien bleibt Wien“ ertönen.