Mit Circus im Musical-Format bezaubern die Jüngsten, die traditionell den sportlichen Teil des Bochinger Turnerballs eröffnen. Foto: Holzer-Rohrer

In dem Oberndorfer Höhenstadtteil spielt auch sportliche Leistung eine wichtige Rolle in der Saalfastnacht – Szenen aus den 80ern und eine Hommage ans Olympia-Gastgeberland

Die Mischung macht’s – denn von Jung bis Alt brachte der Bochinger Turnerball alles auf die Bühne, und so konnte der Vorsitzende und Moderator des Abends, Volker Ruggaber, feststellen, dass der TV Bochingen jung geblieben ist, es ununterbrochen versteht, am Puls der Zeit und am Geschmack des Publikums zu agieren. Einen tollen Job machten auch die „Schwarzwald Buam“, die in Bochingen Premiere feierten, und dafür sorgten, dass es „Atemlos“ durch die Turnerball-Nacht ging.

 

Fulminant der Auftakt der TV-Garde, die durch Exaktheit und Ausdrucksstärke ihrer Trainerin Saskia Fitschule-Leucht ihrem Ruf alle Ehre machte. In Mailand und Cortina brennt das Olympische Feuer, in Bochingen erklingen die „Glocken von Rom“: Ob Zufall oder Verneigung vor dem Gastgeberland– der Beitrag des Bochinger Elferrats heizte die Feierlaune der Gäste weiter an.

Circus mit Musical-Qualitäten

Das turnerisch-sportliche Programm eröffnen traditionell die Jüngsten im Verein, und dem, was Brigitte Zündel dann mit ihren „Honeys“ auf die Bühne zauberte, zollte ihr das Publikum allerhöchsten Respekt. Was sie mit 21 Akteuren von sechs bis 15 Jahren als „Circus“ kreiert hatte, bewies schon Musical-Qualitäten. In einem bunten, schnellen Wechsel der Formationen und Figuren mit unzähligen unterschiedlichen Elementen, liefen die kleinen Löwen, die Akrobaten, Clowns, Dompteure und Zirkusdirektoren zur absoluten Hochform auf. Der gesamte Auftritt wurde von Klatschen und Zurufen begleitet.

Zeitreise in die 80er

Als „Reloaded“ unter der Regie von Heidi Kopp mit „Indian Breeze“, in authentischem Kostüm und voll asiatischer Anmut, die Blicke auf sich zog, stellte man fest, dass diese Gruppe weder neu auf- noch nachgeladen werden muss, denn ihr sportlicher Akku hat sich in rund 30 Jahren nie wirklich entladen. Milena Kalkbrenner brachte den energiegeladenen Fitnesstrend der 1980er-Jahre mit Kultmusik und neonfarbenen Leggings, Gürtel und Haarbändern zurück. Inspiriert von Jane Fonda, zeigten die „Dancing Queens“ dass sie den Workouts und der Dance-Fitness der einstigen Aerobic-Ikone noch eins draufzusetzen vermögen.

Immer für eine Überraschung gut ist Annette Wingerath, deren Indiaca-Abteilung stets mit Spannung erwartet wird, weiß man doch bei diesem Multitalent nie, was so auf die Gäste zukommt. Diesmal stellte sie mit „Mädchenturnen Jahrg. 79 – 89“ unmissverständlich klar, dass Strenge, Disziplin und Trillerpfeife durchaus adäquate Mittel für Leistungsstärke sind. Ob im Galopp, beim Springen, Reiten in Formationen oder Dressur im Takt der Musik, die „Jedermänner“ zeigten, dass sie ihre Pferde im Griff und der Bochinger Vereinsreitschule alle Ehre gemacht hatten.

Nochmal Italien

Und wer die olympische Eröffnungsfeier verpasst hatte, der kam mit der „Tarantella Italiana“ voll auf seine Kosten, denn die Garde bewies mit dem so schnellen, lebhaften süditalienischen Volkstanz einmal mehr, dass sie die Show-Bühne exzellent beherrscht. Das atemberaubende Tempo, die schwindelerregenden Drehungen wurden durch das Tamburin zur echten Herausforderung und waren Ausdruck des Anspruchs, den Saskia Fitschulke-Leucht an die Mädchen stellt.

Der letzte Vorhang war wie immer den Volleyballern vorbehalten, die sich trotz ihrer Vorliebe für „Italiana Tortellini“ im hautengen, glitzernden, sexy Outfit präsentierten. Wie sie sich in Form halten, und welche Fähigkeiten sie außer dem Netzspiel beherrschen, davon gaben sie dann eine für Männer erstaunliche Kostprobe.

Die übliche Polonaise aller Akteure beendete das tolle Programm, bevor die „Schwarzwald Buam“ der weiteren Ballnacht ihren musikalischen Stempel aufdrückten.