Das Personal für das Oberndorfer Freibad haben die Schmotzigengruppen schonmal rekrutiert. Foto: Wagner

Der Donnerstagabend vor der Fasnet gehört in Oberndorf den Gruppen, die das Stadtgeschehen lustvoll glossieren – und überraschende Lösungsansätze präsentieren.

Es lag nicht am Schmuddelwetter, dass die Straßen im Städtle am Donnerstagabend wie leergefegt waren. Die Menschen zog es in die Lokale, zur Feuerwehr und ins Don-Bosco-Haus, um zu erfahren, was in Oberndorf im vergangenen Jahr passiert war.

 

Tatsächlich waren die Lokalitäten gut besucht – und das fantasievoll kostümierte Publikum kam beim Besuch der Schmotzigen-Gruppen voll auf seine Kosten.

Wie sich Missgeschicke in Windeseile verbreiten, erfuhr der Dirigent der Schantlekapelle am eigenen Leib: Nach den Auftritten am Schantlesonntag wollte er bei seiner Rückkehr der Gattin von seinem Missgeschick erzählen, hatte er doch die liebevoll für seine Musiker gezapften Biere über seinen Frack gekippt. Auf sein „Schatz, mir isch was passiert“ kam kein „Was denn“ oder „Oje“, sondern nur ein kurzes „Ich weiß“.

Die Aufreger wirken nach

Viele Gruppen waren am „Schmotzigen“ unterwegs, um über Missgeschicke von Bürgern zu berichten oder kommunalpolitische Ereignisse aufzuarbeiten. Beispielsweise der geschlossene Adventsweg, die Talplatzsanierung, der Abriss der Härdtner-Villa oder auch die sogenannte „Entrümpelungsaktion“ im Heimatmuseum sind immer noch Themen, die von den närrischen Gruppen gerne unter die Lupe genommen werden.

Soll Oberndorf einen Kulturpreis bekommen? Leider nein, braucht es auch nicht, denn ’s Städtle sei schön, so wie es ist. Mit der künstlichen Intelligenz beschäftigte sich das „Amt für Problembewältigung“, und eine Gruppe stellte fest, dass der Begriff „Sondervermögen“ für die kleinen Leute klinge wie Schulden.

Sorge um den Ehrenplatz

Der Sultan von Konstantinopel, die Bedienung, der Urvater der Oberndorfer Fasnet, der seit 1835 dabei ist, und das „Mädle, des blos schee isch“, beklagten sich bitter, dass ihre Portraits im Heimatmuseum keinen Ehrenplatz erhalten hatten, schalten über den dortigen Kehraus und befürchteten, dass so manches wertvolle alte Stück wohl bei „Bares für Rares“ landen könnte.

Sie berichteten vom Medicus aus der Mauserstraße, der beim Weihnachtsmarkt plötzlich seine beiden Gehstöcke fallen ließ und sich den Bauch hielt– Entwarnung folgte sofort: Es waren keine Bauchschmerzen, die den armen Mann plagten, es rutschte lediglich die Hose. Und mit „Hast du das Gewehr nicht durchgeladen, gibt’s auch keinen Wildschweinbraten“ erinnerten sie an die erste Treibjagd einer neuen Jägerin.

Der eingelaufene Schantle

Die Schantlekapelle vom Lindenhof präsentierte den Vorgänger von Glasfaser und Internet und machte mit dem „Gute Laune“-Lied“ mächtig Stimmung. Der diesjährige Fasnethit zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, wurde immer wieder angestimmt und sorgte für regelmäßige Bewegung der Gäste. Mit der obligatorischen Schunkelrunde und einem „Sauhond“ für den Bürgermeister zog man weiter.

Die Geschichte vom Gatten der Frau mit den orangefarbenen Haaren, der seinen Schantle in die Waschmaschine gesteckt hatte, dass er nicht mal mehr seinem Sohn passte, war den Gruppen ebenso schnell zu Ohren gekommen wie die Befürchtung, dass nach dem Brauereiareal demnächst wohl auch der Schuhmarkt abgerissen werde. Ein Bänkelsänger war unterwegs und sinnierte darüber, was er alles tun würde, „wenn ich einmal reich wär“; auf jeden Fall versprach er ein Dach überm Freibad und ein auf 25 Grad aufgeheiztes Becken übers ganze Jahr.

Die Abordnungen der Stadtkapelle suchten das ideale Geschenk für eine Frau oder waren mit „Major Tom“ in fremden Galaxien unterwegs. „Diretto aus Italia“ war eine Band angereist, um Stimmung in den Lokalen zu machen.

Das Freibad beschäftigte auch die Schantlekapelle Stadt, die mit Schwimmflügeln und zwei Badenixen einmarschierte. Der Vorschlag, statt 17 Millionen in die Freibadsanierung zu stecken im Neckar zu baden, fand sehr schnell den Zuspruch des Publikums, zumal sich die Schantle als Bademeister anboten und die beiden Damen leckere Schleckmuscheln, wie früher, unters närrische Volk verteilten. „Wer Geld hat, fährt nach Westerland, wer keins hat badet am Neckarstrand“ hieß hier die Devise.