Der bürgermeisterliche Ritter Frank Schroft (links) musste am Schmotzigen Donnerstag seine Rathaus-Burg verlassen; in ihr regieren nun die Meßstetter Narren, vertreten durch Stefanie Bodmer-Mrasek von den Boscha-Hexa Heinstetten und Michael Falkenburger von der Michelezunft Hartheim. Foto: Dunja Kuster

Zahlreich waren die Narren und Besucher zum Sturm auf die Ritterburg – sprich: das Rathaus Meßstetten – gekommen. Burgherr Frank Schroft nahm unter anderem die Ampel-Regierung auf die Schippe, während die Narren das „gierige Treiben der Raubritter“ beklagten.

Landauf, landab ziehen Raubritter durch die Lande und greifen mit Steuern den Leuten immer tiefer in die Tasche – das beklagen auch die Meßstetter Narren am Schmotzigen Donnerstag.

 

Mit der Bürokratie ist nun aber vorerst Schluss: Denn die Narren haben die Ritterburg – sprich das Rathaus – gestürmt und das Zepter von Bürgermeister Frank Schroft, gewandet als edler Ritter, an sich gerissen. Für die passende Musik sorgten die Nota-Kratzer aus Hartheim.

Ampel-Koalition, Parteien und Vertreter kritisierte Schroft mit spitzer Feder

Vorher aber durfte der Edelmann eine letzte Rede halten, in der er die jüngsten Ereignisse auf die Schippe nahm. „Es war schon fast zum Sich-Genieren, wie die Ampel sich bemühte, zu regieren“, resümierte Schroft etwa das Jahr 2024.

Die Opferrolle von Christian Lindners „Ef De Pe“ sei plump und schmerzhaft gewesen; Robert Habeck habe die Ökonomie nie wirklich begriffen und Noch-Kanzler Olaf Scholz bleibe weiterhin „ohne jedes rhetorische Format“.

Von deutscher Leitkultur „fasele“ zwar die AfD, „doch von Bildung ist bei denen keine Spur“, kommentierte Schroft. Und „Friedrich aus dem Sauerland“ schieße gerne mal über das Ziel hinaus, was so manchen Parteifreund verärgere.

Zudem warf Schroft einen Blick nach vorne: Landesvater Winfried Kretschmann gehe bald in Rente – aber „wer folgt ihm nach als erster Mann“? Ernährungs- und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir etwa dürfte schweres Spiel haben, habe er doch „seine Bauern durch Nichtstun arg verprellt“.

Den „Raubritter von heute“ giert es nach immer fetterer Beute, kritisieren die Narren

„Schnell ist man in unsrer Welt vergessen, wenn man dem Ruhme war versessen“, resümierte Schroft. „Drum ist es guter Brauch seit Altem, wenn uns die Narren den Spiegel vorhalten.“

Das ließen sich Michael Falkenburger und Stefanie Bodmer-Mrasek, Zunftmeister der Michelezunft Hartheim respektive der Boscha-Hexa Heinstetten, nicht zweimal sagen. „Die alten Ritter, die waren edel; wollten Steuern nur ein Zehntel“, sagte Falkenburger.

Indes giere es die „Raubritter von heute“ nach immer fetterer Beute – die sie sich in Form höherer Grund- und Gewerbesteuern, Wasserzinsen und vielem mehr zu eigen machen. „Immer bloß zahlen muss der brave Mann“, beklagte er.

Stefanie Bodmer-Mrasek indes ist die vorgezogene Bundestagswahl eher wie „Schrottwichteln“ vorgekommen; gewählt wurde trotzdem. „Hoffentlich haben wir alle richtig gewählt und nicht wieder auf so einen Hofnarren gezählt“, lautete ihr Resümée.

Vor dem Sturm auf die Ritterburg werden die Narren in den Adelsstand erhoben

Aber auch in der Heimat gebe es angesichts der gestiegenen Kosten und Steuern wenig zu lachen. Und bei der Vereinbarung in den Meßstetter Hallen mussten die Ritter der Rathaus-Burg noch mal so manchen Punkt überdenken.

Vorerst aber ist Schluss mit Trübsal und Grübelei, denn „von heute bis Aschermittwoch entheben wir Ritter Schroft und ziehen ein in sein Ritterburg-Loft“, verkündete sie. Vorher aber erhob der Schultes die Narren in den Ritterstand, denn nur als solche „kommt ihr durch unser Torgitter“.

Danach überreichte Schroft den Schlüssel zur Burg, die kurz darauf von den Narren und Besuchern gestürmt wurde. Im Inneren sorgte die Lumpenkapelle aus Burladingen für die musikalische Unterhaltung.