Die Leinstetter Bären Foto: Gukelberger

"A bissle goht was": Die Leinstetter Bären und ihre Treiber können ihr Häs aus der Kiste holen.

Dornhan-Leinstetten - So lange man sich denken kann, wird in Leinstetten Fasnet gefeiert, es gab Umzüge und auch Fasnetsbälle in verschiedenen Wirtschaften. Damals war der Strohbär die Hauptfigur. Bis in die 60er-Jahre zogen unter Leitung von Gerhard Bronner Männer als echte Strohbären verkleidet durch die Gasthäuser.

Den Überlieferungen ist auch zu entnehmen, dass "Fasnachtstänze von der öffentlichen Behörde abgeschafft wurden, sind aber auf andere Weise wieder eingeführt, indem sie sich selber Musik machten (Katzenmusik)". Dieser Brauch der Katzenmusik ist bis heute Bestandteil der Leinstetter Fasnet. Am Rosenmontag in aller Frühe zieht die Katzenmusik durch den Flecken.

Alter Brauch wird ersetzt

Nach der Gemeindereform im Jahre 1973 wurde versucht, eine organisierte Fasnet in Leinstetten aufzubauen. Fritz Peter, späterer Zunftmeister, scharte einige interessierte junge Leute um sich, um etwas "Handfestes" auf die Beine zu stellen. Der alte Brauch des Strohbären wurde ersetzt durch einen Fellbären mit Maske – und dazu gehörten auch richtige Treiber.

Am 10. November 1974 fand im Gasthaus "Zum Adler" die Gründungsversammlung statt. Fritz Peter wurde Vorsitzender, die Architekten Bernd Glück und Georg Hettich gleichberechtigte Stellvertreter. In den Vorstand wurden Peter Saile, Franz Günthner und Benedikt Bronner aufgenommen. Schriftführer wurde damals Lothar Bronner und Kassenführerin Erika Kipp. Am 19. März 1975 wurde der Verein ins Vereinsregister beim Amtsgericht Oberndorf eingetragen.

Ihren ersten Auftritt hatten die neu gestalteten Bären und Treiber bei der Fasnet 1974. Der Treiber allerdings hatte ein einfaches Häs, eine dunkle Hose und einen Bauernkittel mit Hut. Nach einem Entwurf von Fritz Peter war auf dem Rücken die Ruine Lichtenfels, am Ärmel das alte Leinstetter Wappen mit drei Sternen sowie das aktuelle Ortswappen mit drei Leinblüten und auf rotem Grund ein Zickzackbalken aus dem Wappen von Bubenhofen aufgedruckt.

Sensation im Bereich der Weißnarren

Nicht ganz einfach war es für den neuen Verein, einen Elferrat mit elf Personen zusammenzubekommen. Aber auch diese Hürde wurde überwunden. Elf grüne Samtumhänge mit Narrenmützen nach rheinischer Art wurden angeschafft.

Nach einem erfolgreichen Start der Bären und Treiber wurde eine aus Lindenholz geschnitzte Bärenmaske sowie eine Treibermaske bei Holzschnitzer Helmut Schneider aus Schiltach in Auftrag gegeben. Über die Firma Steiff (Gingen/Brenz) wurde ein hervorragendes Fell für die Bären erworben.

Schon bei der Fasnet 1975 waren die ersten 24 Maskenträger der Bären- und Treibergruppe unterwegs und eine Sensation im Bereich der Weißnarren. Der junge Verein gestaltete in den Jahren darauf, zusammen mit dem Musikverein Leinstetten, den beliebten Bürgerball, der zum Zunftball wurde und so gefragt war, dass er zweimal aufgeführt wurde.

Der erste Ball stand unter dem Motto "Die Zeitungsredaktion des Glatteratatsch". Auch diese Zeitung erscheint seit damals jedes Jahr mit Beiträgen aus lustigen und skurrilen Geschehnissen im Dorf. Der Verein wurde 1977 in Narrenzunft Leinstetten umbenannt, die seit 1982 Mitglied in der Freien Narrenvereinigung Waldgau ist.

Häs auch für Kinder

Die rührigen Vereinsmitglieder haben im Lauf der Jahre das Häs verfeinert und weiterentwickelt. Auch die Kinder bekamen ein Bären- und Treiberhäs, jedoch ohne Maske. Die Narrenzunft Leinstetten mit ihren Bären und Treibern ist eine Besonderheit, die sich in unserem Raum sehen lassen kann.

Trotz der Pandemie ist auch dieses Jahr einiges geboten. Am Donnerstag, 24. Februar, findet ab 19 Uhr Proklamation mit Narrenbaumstellen und Bewirtung auf dem Wöhrd statt – zusammen mit den Schnecken Bettenhausen. Am Sonntag, 27. Februar, ist um 9 Uhr Wortgottesdienst mit Narrenmesse in der Kirche St. Stephanus. Am 1. März ist ab 19 Uhr Fasnetsverbrennen auf dem Wöhrd.