Hurra – wir haben die Schlüsselgewalt. Hüfingens Zunftmeister Christoph Köhler (Mitte) streckt den Rathausschlüssel in die Höhe, nachdem er ihn von Bürgermeister Patrick Haas (links) ergattert hat. Rechts Baptistle Daniel Bucher. Foto: Roland Sigwart Foto:  

Neubürgermeister Patrick Haas wehrt sich tapfer. Ein Fasnet-Malbuch soll dem Stadtoberhaupt die Hüfinger Bräuche näherbringen. Und dann gab es da noch eine kleine „emanzipatorische Sensation“.

Kaum gewählt – schon wieder abgesetzt. Die Narren übernahmen am Schmutzige Dunnschtig in Hüfingen die Macht und setzten am Vormittag Hüfingens Neubürgermeister Patrick Haas und die gesamte Stadtverwaltung gnadenlos ab. Auf dem Rathausbalkon ließ sich Hüfingens Zunftmeister Christoph Köhler von Haas den überdimensionalen Rathauschlüssel und damit die „Regierungsmacht“ aushändigen.

 
Von einer Traktorschaufel aus erstürmen (von links) Baptistle Daniel Bucher, Zunftmeister Christoph Köhler und eine Schächerkatze das Hüfinger Rathaus. Foto: Roland Sigwart

Ganz im Gegensatz zu seinem Zunftballauftritt zeigte sich Patrick Haas recht offensiv. Er konterte die Anschuldigungen der Hüfinger Narren, sich mit den fastnächtlichen Gepflogenheiten und Narrensprüchen in der Bregstadt nicht auszukennen. Von Köhler erhielt Haas ein Fasnet-Malbuch, mit dessen Hilfe er sich bis zur nächsten Fasnet mit den einheimischen Bräuchen vertraut machen soll. Patrick Haas wiederum entschärfte die Anklagepunkte der Narren mit spitzfindigen Begebenheiten, die ihm zu Fasnet aufgefallen waren.

Als „Lahme Schnecken“ bereicherte der St. Verena Kindergarten den Hüfinger Kinderumzug.

So seien die Narrenräte beim Zunftball „sehr nervös“ aufgetreten und Köhler hätte total vergessen, die Hüfinger Fasnet 2025 offiziell zu eröffnen. Um die Vereidigung neuer Zunfträte künftig „weniger holprig“ wirken zu lassen, bot Haas vom „bestens digitalisierten Rathaus“ Audio-Lerndateien an. Und auch die Zahl der Narrenräte könne er problemlos erhöhen: Durch die „Leihgabe“ von „G-Räten“, die an Fasnet amtlich ohnehin nicht eingespannt seien.

Mit dem Fasnet-Küchle in der Hand beim „Dante-Mine-Lied“ schunkeln – das ist Hüfinger Fasnet in ihrer schönsten Form – fotografiert am Schmutzige Dunnschtig bei der Rathausabsetzung. Foto: Roland Sigwart

Für die Kinder gab es traditionell schließlich von den Berghexen die Fasnetküchle, während sich die gesamte Narrenschar zur „Hüfinger Fasnethymne“, dem „Dante-Mine-Lied“, beim Nachbarn zum Schunkeln unterhakte.

Im Bürgerhaus „Krone“ versammelte sich um die Mittagszeit dann die gesamte abgesetzte Stadtverwaltung, um bei einem improvisierten Unterhaltungsprogramm zusammen mit der ebenfalls „befreiten“ Lehrerschaft der Lucian-Reich-Schule die Fasnet zu zelebrieren und sich bei Kaltgetränken und Imbiss-Spezialitäten zu stärken.

„Langsamfahri“ heißt es auch beim evangelischen Luise-Scheppler-Kindergarten. Foto: Roland Sigwart

Begonnen hatte der Schmutzige Dunnschtig für die Hüfinger Narren schon am frühen Morgen: Von der Erziehungshilfeeinrichung Mariahof aus zog der Narrenlindwurm unter den Klängen des Stadtmusik-Narrenmarsches zuerst in die Wessenberg- und dann in die Lucian-Reich-Schule, wo die Schüler von der Lehrerschaft befreit worden wurde.

Richtig schön kunterbunt-quirlig, ganz zum Hüfinger Fasnetmotto „Langsamfahri“ passend, gestaltete sich am Nachmittag dann der Kinderumzug durch Hüfingens Hauptstraße. In Massen auftretende 30er-Zonen-Schilder wurden dabei ebenso gesichtet, wie Verkehrspolizisten oder lahme Schnecken, die den Verkehr ausbremsten.

30er-Zone wohin man blickt - die Drittklässler der Hüfinger Lucian-Reich-Schule beteiligten sich gestern Nachmittag beim Kinderumzug als lebende 30er-Schilder. Foto: Roland Sigwart

Die beteiligten Kinder der beiden Hüfinger Kindergärten und die Schüler der Lucian-Reich-Schule zeigten sich kostümmäßig rundum närrisch-bunt-kreativ und hatten sichtlich ihren Spaß beim „Narri-Narro“-Rufen entlang des dicht gesäumten Umzugsweges.

Einen ganz besonderen „Täfele-Bub“ hatten sich beim Umzug die Drittklässler geangelt, die als „Hüfinger 30er-Schilder“ den Zug bereicherten. Bürgermeister Patrick Haas höchstpersönlich hielt an der Gruppenspitze die entsprechende Hinweistafel. Eine kleine „emanzipatorische Sensation“ zeichnete sich indes bei den Hüfinger Narrenräten ab.

Die Erstklässler der Lucian-Reich-Schule regelten als „Langsamfahri“-Polizei den Verkehr beim Hüfinger Kinderumzug. Foto: Roland

Als Premiere lief als Narrenratsanwärterin Roxanna Daubenton beim Umzug mit. Sie könnte 2026 erstmals überhaupt die erste weibliche Narrenrätin in Hüfingen werden. Der kunterbunte Kinderumzug endete schließlich vor dem Rathaus, wo die Zimmermannen unterstützt durch die Bärcheappeli souverän den knapp 21 Meter hohen Narrenbaum aufstellten. Als der Tusch der Stadtmusik nach dem erfolgreichen Stellen des Baums schließlich verstummt war, ging’s für die jungen Narrenschar in die Festhalle, wo kostenlos Wurst- und Wecken warteten. Für die Erwachsenen war den ganzen restlichen Schmutzige Dunnschtig Nachmittag und Abend ein buntes Treiben im ganzen Hüfinger Städtle mit Open End angesagt.