Beim traditionellen Fasnetsausrufen und Schultesabsetzen am Abend des Auselige in Haigerloch herrschte beste Stimmung – trotz Regens.
Nach dem Zug der Dominos mit den Schulkindern durchs Städtle und einer bunten Kinderfasnet in der Schulturnhalle gehörte der Abend des Auseliga bei der Bürgermeister-Entmachtung auf dem Haigerlocher Marktplatz in der Unterstadt traditionell den erwachsenen Närrinnen und Narren.
Das Zeremoniell begann mit dem Einmarsch der Narrenzunft zu den Klängen des von der Stadtkapelle intonierten Bräutelmarsches.
Der bestens gelaunte Stadtschultes Heiko Lebherz absolvierte zu den vom Narrenvolk vielstimmig gerufenen „Narri-Narro“ und „Rutsch naa“ souverän seinen dreimaligen Ritt auf der Bräutelstange um den Marktplatzbrunnen herum.
Viel Lob von Lebherz
Danach nahm Tim Weimann von der Bräutelgesellschaft seine Pergamentrolle in die Hand und tat kund, dass in Haigerloch die Fasnet angebrochen ist. Er ließ den Schultes auf die Masken der Haigerlocher Zunft den närrischen Eid schwören: „Sich fortan allen sich in letzter Zeit breit gemachtem närrischen Tun auf dem Rathaus zu entsagen.“ Als Zeichen dafür, dass die Narren jetzt die Gewalt übers Städtle haben, richteten die Dominos unter lautem Rufen der Haigerlocher Narrensprüche den kleinen Narrenbaum mit Strohpuppe auf; allerdings hatten sie in diesem Jahr etwas Probleme bis dieser in dem kleinen Loch in der Senkrechte stand.
In Versform stellte Stadtschultes Heiko Lebherz fest: „Die Haushaltslage bleibt noch schief, doch ich bin sicher: Wir kommen raus aus diesem Tief.“ Nicht zuletzt dank der Hilfe von Privatinitiativen wie beim Blumenschmuck, hier galt das bürgermeisterliche Lob ausdrücklich der Projektgruppe „Blumen gießen“, die „Haigerloch Aktiv“ recht spontan auf die Beine gestellt hatte. Und weiter ging das Lob des Schultes: „Dann dacht ich weiter ganz geschickt: Aus zwei Weihnachtsbäumen wird künftig einer gestrickt. Das kam bei Manchem nicht so gut an, drum spenden nun Private die zweite Tann.“
Das Beste für Haigerloch
Aller Sparzwänge zum Trotz hat sich aus Lebherz Sicht aber doch einiges getan im Städtle. „Für Kindergärten ist gesorgt, das sind nämlich die künftigen Bürgersleut. Die Witthauhalle wird saniert und erstrahlt bald in neuem Glanz, dann kann wieder geschwungen werden das Bein zum Tanz.“ Auch die Schulversorgung und die Feuerwehr seien eine Priorität, denn wird jetzt nichts gemacht, ist es irgendwann zu spät. Mit einem Tipp an die Narren beendete Lebherz seine launige Rede: „So, nun geb‘ ich feierlich das Zepter ab, nachdem ich berichtetet hab‘ von unser liebenswürdigen Stadt. Doch eine Bitte hätt‘ ich noch: Tut stets nur das Beste für mein Haigerloch!“
Trotz des Regens war zwischendurch noch Zeit für Schunkelrunden im Walzertakt, intoniert durch die Stadtkapelle unter Sarah Frick, was die quirligen Fledermäuse zu einem Tänzchen mit dem abgesetzten Stadtschultes nutzten.
Ein dringender Wunsch
Auch Mitzunftmeisterin Miryem Heller ging gnädig mit dem Stadtoberhaupt um: „Ob aller Narretei im Rathaus droben, wir können im Großen und Ganzen schon auch loben. Für uns Narren hat unser Schultes stets ein offenes Ohr, einer halt mit viel Humor. Er lädt die Dominos und die Kinder ins Rathaus ein zu Fasnetskiachle und Brezeln, das ist fein.“
Eine Hausaufgabe wollte sie ihm aber unbedingt mitgeben: „Guck, dass die Witthauhalle bis zur nächsten Fasnet fertig wird. Nochmal wollen wir nicht in die alte Sporthalle gehen, da kann einem das Lachen ja total vergehen. Drei Tage vor der Fasnet ziehen Menschen Vorschriften aus dem Köcher und kommen Probleme auf uns zu noch und nöcher.“ Dies wurde mit lautem Karpatschenschnellen, kräftigen „Narri-Narro“ und „Rutsch-naa-Rufen“ sowie dem Rätschen der Maskenträger bekräftigt.
Zum Schluss wurde Mitzunftmeister Frank Graf auf die Bräutelstange gesetzt, dreimal um den Brunnen getragen und ab ging es durch Städtle hoch in Richtung „Krone“ zum beschwingten Zunftabend.