66 Gruppen und mehr als 3000 Teilnehmer: Der Umzug am Fasnetsamstag hat wohl alle bisherigen Rekorde gebrochen. Rund 4000 Besucher schauten sich den nicht enden wollenden Lindwurm an.
Fasnetshochburgen gibt es im Zollernalbkreis einige – Geislingen gehört zweifelsohne dazu. Die Spandale, wie sie schon seit Generationen genannt werden, haben den anderen aber etwas voraus: Was sie an Aufwand und Kreativität in ihre Umzüge stecken, ist nicht zu toppen.
Weil das Narrenvolk das weiß, strömen jedes Jahr die Massen ins Sonnenstädtle, um zu staunen und mitzufeiern. In der Regel reißt dann, wenn es auch Tage zuvor noch aus Kübeln schüttete oder schneite, der Himmel auf. Und auch heuer herrschte „Geislinger Feschdwetter“. Narrenherz, was willst du mehr?
Obwohl nun schon seit acht Wochen Fasnet gefeiert wird, schien es so, als könnten die Gastgeber und ihre närrischen Freunde gar nicht genug bekommen. Fast zwei Stunden dauerte das Defilee, das mit der traditionellen Polonaise vor dem Schloss begann und erst in der Bachstraße endete.
Hubert Gulde moderierte den Umzug
Ganz im Glück war der Moderator Hubert Gulde, der vor der Kirche die unzähligen Häser und die Leute dahinter vorstellte. Er versicherte, dass man „in diesen unsicheren Zeiten“ alles für die größtmögliche Sicherheit getan habe, die Zuschauer forderte er auf: „Seid nett zueinander, sorgt für Frieden und Zuversicht.“
Den „Juckern“ musste er das nicht zweimal sagen. Nach den schellenden Pelzrutschern, den freigiebigen Schopfweible und den starken Zimmermännern, die immer den Narrenbaum aufstellen – allesamt die Traditionsfiguren der Geislinger Fasnet – bekam das Prinzenpaar Konkurrenz. Die Queen trat wieder in Erscheinung, samt der Royal Guard, die für sie den roten Teppich ausrollte und vor St. Ulrich die englische Nationalhymne spielte.
Mit dem Schützenverein ging es in den Dschungel
Zum 20. Mal waren die „Scherenschleifer“ mit dabei, ihnen folgten „Schräge Vögel“, die Daniela Hatzenbühler um sich geschart hatte, und die Zirkus-Truppe um Nadja Leykam. Mit dem Schützenverein ging es später in den Dschungel – aber nicht lange, denn die Naschkatzen warteten schon darauf, das Publikum mit Süßem zu verköstigen.
Die Bunte-Bauhelm-Band, für die sich Andreas Brobeil verantwortlich zeigte, versprühte ebenso Stimmung wie die Kobolde von Heike Haug. Während ein Freundeskreis aus Ratshausen den Schlagersänger Wolfgang Petry imitierte, gaben die Pfeiffer aus Erlaheim ihr Fasnetsmotto bekannt, das lautet: „Freie Liebe – wilder Spaß“. Die Honig-Bienen mit Andreas Denkinger an der Spitze waren zahlenmäßig am stärksten. Über 50 Insekten schwirrten aus, ihre Stachel kamen aber nicht zum Einsatz.
Narrenvereine aus dem Umland waren zu Gast
Seit über 25 Jahren geht Sybille Frommer mit ihren ehemaligen Fußballspielerinnen zusammen auf die Straße, dieses Jahr als Eskimos. „Wir treffen uns immer im Sommer, um ein Motto festzulegen“ berichtet die Vollblutnärrin. Die Kostüme, und darauf sind die Frauen stolz, nähen sie selber, es werde nichts gekauft. Bevor Hippis, Engele und Teufele, Spielkarten, Christbaum-Lober und Piraten die Gassen unsicher machten, fegte der Geislinger Wischmop – alles Mitglieder der Auenkameradschaft – durch.
Narrenvereine aus der Nachbarschaft waren im Zug ebenfalls vertreten. So unter anderem die Pflommasäck aus Balingen-Erzingen und die Hexsauter aus Erlaheim, aber auch die Gempleswater aus Wessingen und die Hutzlabäuch aus Weilheim. An Musik mangelte es nicht: Sowohl das Dagdiab-Lumpen-Orchester aus Bisingen als auch die Kapelle „Halba Heh“ aus Engstlatt verbreiteten gute Laune.
Nach der Narrenparade war noch lange nicht Schluss. Letztendlich landete fast das ganze Volk in einer der vielen Wirtschaften.