In Ketten gefangen zogen die Schurkenfänger den ehemaligen Pfarrer Dornstettens Timo Stahl durchs Städtle zum Narrengericht. Foto: Ade

Mit Timo Stahl hatte sich am Sonntag der ehemaligen Stadtpfarrer Dornstettens vor dem Narrengericht zu verantworten.

Timo Stahl wurde vom Narrengericht auf dem Kirchplatz vor allem zur Last gelegt, Dornstetten verlassen zu haben. Er war von 2016 für neun Jahre in Dornstetten Pfarrer und wechselte Mitte Januar als Klinikseelsorger ans Klinikum Böblingen. Erst kürzlich fand die große Verabschiedung in der Martinskirche statt. Jetzt wurde Stahl von den Schurkenfängern beim großen Umzug durchs ganze Städtle und vors Narrengericht gezerrt.

 

„Beliebt und hochgeschätzt versah er allhier brav, arbeits- und seegensreich seine Pfarrdienste, bis uns die traurige Nachricht ereilte, dass er sich aus dem Staube mache …Flucht aus Dornstetten… Richtung seiner alten Heimat um dort Hospitalpfarrer zu werden“, informierte der Schreiber des hohen Gerichts, Christian Felchle.

Als Advokat stand Helmut Michels dem Delinquenten zur Seite. Als Vogt fungierte Gerhard Rummel, Kronzeuge war Stadtschultheiß Bernhard Haas. Den König Rudolf von Habsburg mimte Martin Kroll, und Schreiber war Christian Felchle. Mit auf der Bühne auch eine ganze Reihe von Schöffen.

„Dann holen wir ihn uns wieder“

Der Schreiber lobte die Schurkenfänger, dass sie den Pfarrer brachten: „Weil, wenn die Böblinger und Sindelfinger uns unseren Pfarrer nehmeat, dann holen wir ihn uns wieder – denn, was glaubet denn die Waidäg aus dem Stuttgarter Speckgürtel.“

Schwere Vorwürfe werden gegen Timo Stahl erhoben. Foto: Uwe Ade

Und als Anklagepunkte verlas der Schreiber, dass dem Delinquenten, Timo Stahl, Stadtpfarrer außer Dienst vorgeworfen werde, seine treue Anhängerschaft, seine Dornstetter schutzlos und ganz und gar ohne eine hoffentlich einigermaßen ebenbürtige Nachfolge zurückgelassen habe.

Advokat Michels verteidigte: „Timo Stahl brachte sich in aufopferungsvoller Weise ein, kannte keinen Feirabend, war da, wenn man ihn brauchte, fand stets die richtigen Worte – und das muss man anderen auch mal gönnen und eben auch mal loslassen können.“

„Erregung öffentlichen Ärgernisses“ als Anklage

Als weiteren Anklagepunkt listete der Schreiber „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ auf und wies darauf hin, dass der Angeklagte doch tatsächlich vor sämtlichen Leut im Kirchplatzbrunnen gebadet habe „und des auch noch mit dem Schultes zusammen“.

Der Fanfarenzug Aach begleitete den Delinquenten. Foto: Uwe Ade

„Hohes Gericht, ja, was hätte er anderes tun sollen, wenn unser Hallenbad leider ständig wegen Reparaturen zu isch“ verteidigte Helmut Michels.

Die Dornstetter halten zu ihrem ehemaligen Pfarrer. Foto: Uwe Ade

Als Zeuge kam für den erkrankten Bürgermeister Bernhard Haas seine Ehefrau Daniela auf die Bühne und sprach auch vehement zur Verteidigung von Timo Stahl.

„Lassen wir Timo Stahl ziehen“

Im Weiteren wies der Verteidiger darauf hin, dass seinem Mandanten ein Hauptgrund beim Wechsel besonders die künftig größere Nähe zu seiner betagten und alleine lebenden Mutter sei. Er habe nicht erst wechseln wollen. wenn es zu spät sei und finde es wichtig, dass Kirche in gesellschaftlich relevanten Bereichen präsent sei – „Lassen wir Timo Stahl ziehen – ich beantrage Freispruch“ schloss der Verteidiger.

Die Urteilsverkündung

Und nach Beratung des hohen Gerichts kam der Vogt zur Urteilsverkündung. Das Gericht beschloss, dass man Timo Stahl, so schmerzlich es auch sei, ziehen lassen werde. „Unser Verlust ist ein Gewinn für die Kranken im Spital, die zukünftig auf einen Seelsorger mit Herz treffen.“ Der Beschuldigte habe aber regelmäßig hier im Städtle zu erscheinen, besonders an hohen Festtagen, und wenn was los sei hier. Weiter wurde dem Angeklagten als kleine Sühnemaßnahme auferlegt, die nächste Dornstetter Narrenmesse abzuhalten.

Timo Stahl wird zum Narrenritter geschlagen. Klaus Mack (rechts) hält die Laudatio. Foto: Uwe Ade

Anschließend hielt als letzter Delinquent vor zwei Jahren Klaus Mack – extra aus Berlin angereist – die Laudatio, und Pfarrer Timo Stahl wurde zum Narrenritter geschlagen.