Dornhans Bürgermeister Markus Huber (Mitte) muss sich gegen die Anklage von Zunftmeister Björn Burkhardt (rechts daneben) verteidigen. Foto: Stöhr

Auch der Schultes musste am Abend des Schmotzigen seinen Schlüssel abgeben. Die Narrenzunft Dornhaner Lauser übernimmt in den kommenden Tagen das Zepter.

Der Denkmalplatz vor dem Dornhaner Rathaus war wieder Schauplatz für das traditionelle Stellen des Narrenbaums und die anschließende Schlüsselübergabe.

 

Erwartungsgemäß ließ sich der Dornhaner Schultes die Schlüsselgewalt jedoch nicht so einfach aus der Hand reißen. Zunftmeister Björn Burkhardt und Markus Huber lieferten sich wie gewohnt einen unterhaltsamen Schlagabtausch in Reimform.

„Schultes, komm jetzt raus!“

Trotz frostiger Temperaturen hatten sich viele Schaulustige versammelt, um das Spektakel zu verfolgen. Zunächst marschierte die Dornhaner Zunft mit Narrenräten, Garde, Lausern und Spaltbergmännle zu den Klängen der Narrenkapelle ein. Begleitet vom Narrenmarsch durfte die Freiwillige Feuerwehr Dornhan den Narrenbaum aufstellen.

Zunftmeister Björn Burkhardt fackelte nicht lange und machte sein Anliegen in Richtung Rathaus deutlich: „Schultes, Schultes, komm jetzt raus! Dei Regierung isch jetzt aus!“

„Regiera machd ned nau Spaß“

Als dieser sich nicht so einfach ergeben wollte, befahl der Zunftmeister kurzerhand: „Auf, ihr Lauser, stürmet in des Rathaus nei. Aber macht ihn bitte ned hei!“ Bevor es verbal zur Sache ging, erhielt Huber ein Lob zum Dienstjubiläum: „Bist jetzt seit 20 Jahre der Kapitän in dem Dornemer Verwaltungsboot.“

Der Schultes wird gefangen aus dem Rathaus geführt. Foto: Stöhr

Eine lange Zeit, die sich unter anderem an ergrautem Haar bemerkbar mache. „Du wondrescht di über meine graue Hoor? Die Stadt regiera machd ned nau Spaß“, rechtfertigte sich der Angeklagte.

Eine Lauser-Wiese

Neben dem Stadtfest und der Städtepartnerschaft kam auch die geplante Erweiterung des Baugebiets „Hungerbühl“ zur Sprache. Vor über fünf Jahren habe der Gemeinderat ein „beschleunigtes Verfahren“ eingeleitet. Doch bisher sei noch kein Haus zu sehen.

Viele Zuschauer verfolgen das Spektakel am Denkmalplatz. Foto: Stöhr

„Pläne sind fertig, also alles auf Papier. Aber irgendwie will des ned mit dem Hungerbühl 4“, wunderte sich der Zunftmeister und schlug vor, die Wiese doch den Dornemer Lausern zu übertragen.

Eine „braune Suppe“

„A Lausergebiet, des kasch ned wella, des miasd mer womöglich onder Quarantäne stella!“, konterte der Bürgermeister. Das wiederum riefe den NABU auf den Plan, was den Baubeginn noch weiter verzögern würde.

Ein anderes Ereignis im Städtle war das Spülen des Wasserleitungsnetzes. Dies brachte unerwünschte Nebenwirkungen für einen Haarschneidesalon in der Teckstraße mit sich. „Eine braune Suppe, na ganz wunderbar. So bekommsch kein Shampo raus aus dene Haar.“

Eine lange Nacht

Kurzerhand wurde die Kundin ins Bürgerbüro verlegt und dort weiterbehandelt. Der Bürgermeister witterte hier sogar eine neue Einnahmequelle („Hoor frisira“) für die Stadt, was in Zeiten von Entbürokratisierung vielleicht irgendwann mal hilfreich sein könnte.

„Schultes, du hasch dich wacker geschlagen“, hieß es am Ende. Der Schlüssel wanderte dennoch in die Hände der Narren, die zusammen mit den alten Weibern noch eine lange Nacht vor sich hatten.