Die Hansel Claus Schwörer (links) und Reiner Wolff lesen ihre Sprüchle vor dem Fasnetbaum. Lucia Fricker moderiert und ist Mitinitiatorin des Fasnetbaumlobens, rechts Monika Friedl. Foto: Roger Müller

Narren in Donaueschingen huldigen bunter Tanne vor dem Café Reiter. Das Fasnetbaumloben ist eine Idee der Narrenblatt-Redaktion.

Diesen Brauch brachte das Team des Narrenblattes in die Eschinger Fastnachtszeit. Das Baumloben. Und da stand es nun in diesem Jahr, das Prachtstück auf der Terrasse des Cafés Reiter. Ein Weihnachtsbaum wirkt dagegen geradezu schüchtern. Der Fastnachtsbaum fällt ins Auge mit so vielen Farben, als hätte er die fünf Jahreszeiten gleichzeitig durchlebt.

 

Zwischen Luftschlangen, Girlanden, Würsten und ausgedienten Fastnachtsabzeichen hängt alles, was die Fastnacht zu bieten hat. Manche Zweige biegen sich vor Lachen, andere scheinen spontan tanzen zu wollen. Bevor es aber dann richtig losging, huldigte zunächst die Aufener Musik dem Baum. Mit einem Einmarsch nach Maß wurde gleich für die richtige Stimmung gesorgt. Dann begann das eigentliche Schauspiel, nämlich das Loben. Und wer denkt, man könne einen Fastnachtsbaum einfach nur schön nennen, dem sei gesagt, das wäre ein fastnächtlicher Fauxpas! Nein, einem solchen Baum muss man huldigen.

Lobgesang und Huldigung

Er wurde in einer Art und Weise gepriesen, als stünde er kurz davor, zur Galionsfigur des nächsten Umzugs ernannt zu werden. Der Erste, der seinen Lobgesang an den Baum richtete, war der gebürtige Donaueschinger Lothar Wölfle, ehemaliger Bürgermeister von Trossingen und ehemaliger Landrat des Bodenseekreises.

Der Baum kam zwar sehr gut weg, doch er warf dem Frohsinn kulturelle Aneignung vor. „Schließlich ist das ein Brauch aus Oberschwaben“, so Wölfle, allerdings mit einem kräftigen Augenzwinkern. Die Nächste, die dem Baum huldigte, war das Obergretle a. D. Edelgard Wullich. Sie hatte die grandiose Idee, dem Baum einen Namen zu geben und ihn gleichzeitig auch noch an Ort und Stelle zu taufen. Kasimir – warum auch immer – soll er künftig heißen. Mit drei kräftigen Narro wurde das dann so besiegelt.

Kasimir getauft

Es ging mit dem Loben munter weiter auf der gut gefüllten Terrasse. Die Narrenblattlehrlinge Markus Friedl und Alexander Jerlitschka stellten mit ihren Reimen unter Beweis, dass sie in der Narrenblattredaktion ganz gut aufgehoben sind. Markus Friedl war es zudem, der mit seiner Frau Monika das Prachtexemplar schmückte. Oberhansel Mathias Prosch und der frisch gebackene Zeremonienmeister Markus Dörle folgten, zwischendurch sorgte die Aufener Musik immer wieder für die musikalische Umrahmung.

Übrigens: Mitchefredakteurin Lucia Fricker demonstrierte, dass sie nicht nur eine spitze Feder in Schriftform hat, sondern auch mit Wortwitz durch den Nachmittag moderieren kann.

Nach dem Lob das Bier

Mit Claus Schwörer und Reiner Wolff kamen dann auch noch zwei waschechte Hansel zum Baumloben. Sie nutzten die Bühne, um auch gleich noch einmal ihre Strählverse an die vermeintlichen Verfehlungen der Stadtverwaltung zu richten. Und wie es wohl Tradition ist, geht es nach dem Lob weiter mit dem wichtigsten Teil – der Bewirtung.

Hier ist allerdings Kreativität keine Pflicht, wie beim Baum selbst, denn von nebenan – die Brauerei liegt ja nur einen Steinwurf vom Café Reiter entfernt – kam das gute Fürstenberg-Bier.

Tolle Stimmung auf der Terrasse des Cafés Reiter. Die Narrenblatt-Redaktion empfängt ihre Gäste zum ersten Fasnetbaumloben. Foto: Roger Müller

Und das ist deswegen erwähnenswert, weil die Brauerei sogleich von der Idee des Narrenbaumlobens begeistert war und spontan erklärte, die Getränke zu sponsern. Und am Ende zeigt sich, so ein Fastnachtsbaum ist eben kein bisschen Tannengrün mit Deko, sondern ein echtes närrisches Original. Kasimir hat seinen Platz in der Eschinger Fastnacht mit Bravour erobert, und spätestens beim nächsten dreifachen Narro steht fest, der darf wieder ran.