Donaueschinger essen am Fasnet-Zischtig Kutteln. In Versen wird die Lokalpolitik aufs Korn genommen.
Selbstverständlich ist es nicht, dass die Eschinger Narren am Fasnet-Zischtig vor den Mittagsstunden in großer Zahl energiegeladen auf den Beinen sind. Hinter ihnen liegen einige anstrengende Tage mit Umzügen, Zunftabenden und Bällen. Dennoch strömten die Narren zahlreich ins Restaurant Ochsen zum traditionellen Strählen und Kutteln Essen.
Nur wenige Plätze blieben frei, was Frohsinn-Ehrenzeremonienmeister Thomas Gantert nach einem etwas schwächeren Besuch im vergangenen Jahr, besonders freut: „So viele waren schon lange nicht mehr beim Kutteln essen“, sagte Gantert zu den närrischen Gästen. Zielscheibe vieler Verse beim Strählen war die Lokalpolitik, die sich in Form von Oberbürgermeister Erik Pauly, Bürgermeister Severin Graf sowie den Gemeinderäten Marcus Greiner (CDU), Marcus Milbradt (GUB) und Jens Reinbolz (SPD) an vorderster Front den Spitzen der Narren mit viel Humor stellen mussten.
Viele Fehler
„Die Politik muss halt dran glauben. Zum Glück macht ihr viele Fehler“, sagte Thomas Gantert unter tosendem Gelächter der anwesenden Narren im Ochsen, wo das Strählen nun im zweiten Jahr in Folge stattfindet, nachdem der Frohsinn die Veranstaltung nicht mehr im Hirschen ausrichten konnte.
Den Anfang machten die Frohsinn-Hansel, die vor dem Hintergrund der anstehenden Umbaumaßnahmen am Hindenburgring mit möglicherweise weiteren Ampeln, die dort dann schalten und walten, schwarz sehen für den Verkehr auf dem City-Ring. „Der Stau geht dann bis Wolterdingen“, lautet die Prognose der Hansel. Gute Planung soll gelernt sein. Ob sich die Verwaltung bei Bauprojekten vielleicht die falsche Inspiration holt? Mit Blick auf Großprojekte wie den Berliner Flughafen BER und Stuttgart 21 braucht sich der marode Siedlersteg nicht zu verstecken. „Wundert euch nicht, wenn ihn jetzt jeder den Siedlersteg 31 nennt!“
Auch die Landtagswahl wirft beim Strählen bereits Schatten voraus. Nach der Absage des CHI-Reitturniers trumpft „der schöne Niko“ (Niko Reith, Landtagsabgeordneter und Fraktionssprecher der FDP im Gemeinderat, Anm. d. Red.) beim verbliebenen Pferde-Highlight, dem Steckenpferd-Polo, auf. Die nächste Hürde für Reith und seine FDP laute nun fünf Prozent. Die Sparhosen in der Stadt sind allgemein eng geschnürt, stellen die Belzä Buabä fest. Sie trauen besonders um den städtischen Weihnachtsmarkt, der den wirtschaftlichen Engpässen zum Opfer fiel. „Ein paar Bude für Glühwein sind da schon z‘viel“, stellen sie fest.
Trauer um den Weihnachtsmarkt
Und auch vor der Tageszeitung machen die Narren nicht Halt. Büttenredner Thomas Binder, Ehrenvorsitzender des Musikvereins Aufen, besteht weiter auf die gedruckte Variante. Denn Binder hat während Corona und den Engpässen beim Toilettenpapier gelernt: Mit der digitalen Zeitung auf dem Tablet kann man sich den Hintern nicht abwischen.
Binder, der seit einigen Jahren im Ruhestand ist, hat mittlerweile festgestellt: „Der Beruf des Rentners endet tödlich!“ Mit einigen lustigen Anekdoten vom Leben im Ruhestand, von körperlichem Gebrechen und merkwürdigen Veränderungen bringt er die Narrenschar im Ochsen zum Lachen. Nur eines bleibt für ihn immer gleich: „Für mich ist meine Frau immer noch die Schönste von der ganzen Welt“.
Wahlwerbung für „seine“ Grünen macht zudem Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dargestellt von Wolfgang Gut. Wie effektiv die Kampagne bei den Donaueschinger Narren zündet, wird sich wohl erst am Wahlabend der Landtagswahl zeigen. Musikalisch heizen die Stumpäkapelle Armbruster sowie die Kueseckel Musik den Narren am Dienstag ein. „Was Familie Armbruster zur Fasnet und davor leistet, ist Wahnsinn“, sagt Narrenrat Thomas Gantert nach deren Auftritt. Generell freut sich Gantert nicht nur über den Besuch, sondern auch über die starke Beteiligung am Programm beim Strählen. Für ihn und die anwesenden Narren ist klar: Das war ein gebührendes Ende der Fasnet 2026.