In den Ortsteilen von VS haben die Narren die Macht übernommen. So in Pfaffenweiler, Herzogenweiler, Tannheim, Obereschach und Weilersbach.
Und einfach hatten es die Narren nicht.
Pfaffenweiler
Ortsvorsteher Martin Straßacker aus Pfaffenweiler war irritiert, hatte er im vergangenen Jahr aus mehr oder weniger närrischen Gazetten erfahren, wann der hochnärrische Besuch ansteht, dieses Jahr erfuhr er die vorgezogene Uhrzeit der Schlüsselübergabe erst kurz vorher. Ansonsten: In Pfaffenweiler sei alles am Laufen, auch wenn es den Narren nicht schnell genug geht. Das neue Feuerwehrhaus komme, ob die Narren dann aber wie angestrebt mit ihrem Fuhrpark ins Alte Feuerwehrhaus einziehen können, da habe man die Rechnung wohl eher ohne den Gemeindearbeiter gemacht, war er skeptisch. Was die Bauplätze anbetreffe, es stimme, als die Leute bauen wollten, hatte man keine, und jetzt, wo man welche hat, will keiner mehr bauen. Aber, „auch ohne Bauplätze stehen hier viele Wolfbach-Rolli, ganz munter“.
Herzogenweiler
„Hurra, Hurra, die Glaser die sind da“, schallte Pumuckl beim Glaserempfang im Rathaus von Herzogenweiler nicht nur aus dem Ghetto-Blaster, sondern auch aus dem Munde von Ortsvorsteher Andreas Neininger. Dass jetzt der Ortsvorsteher in die Rolle des Kobolds geschlüpft ist, und der neue Glaser-Chef Daniel Hessenius als Meister Eder, der Vergleich hinkt zwar etwas, aber sie ergänzten sich bestens. Hessenius war es saukalt, brauchte Schal und Strickmütze, wenn er an das diskutierte mögliche Nahwärmenetz für Herzogenweiler denkt, das sei riesig kompliziert.
Zum Aufwärmen geht er denn gern spazieren, da sehe er was im Örtle tut gastieren. Er sehe da wie der Tourismus blüht, viele Leute fragen ihn in fremden Zungen und suchen nach Lost Places. Gemeint sei das ehemalige Glaserbüro, das ohne Dach dasteht. Und dem Ortsvorsteher standen die roten Haare zu Berge, wenn er an das Zustandekommen der E-Ladestelle denkt.
Tannheim
Mach du des, ich bin hit nit do. Wenn die kommen, drück ihnen de Schlüssel in d’ Händ, es Vesper isch gricht. So oder ähnlich hätte die Anweisung von Ortsvorsteherin Anja Keller an ihren Stellvertreter Bernd Hafner sein können zur Schlüsselübergabe, als die närrischen Formationen der Osemali mit Musik, Grundschule und Kindergarten vor dem Rathaus aufkreuzten.
Aber auch Bernd Hafner kennt seine Tannheimer Pappenheimer und nahm den auf den Ratssaaltisch anscheinend so herrenlos herumliegenden Schlüssel gerade noch schnell an sich. Eine närrische Beflaggung des Rathauses war nicht auffällig, den Schalter für die Sturmglocke auf dem Rathausdach zur Verkündigung der neuen Zeit, den haben die Narren gefunden, dank der guten dienstbaren Geistern des Rathauses.
Obereschach
Jetzt ist Obereschach für einige Tage wieder in Narrenhand, nachdem Ortsvorsteher Klaus Martin und seine Ortschaftsräte den Rathausschlüssel der Gayser-Gilde mit Patrick Fleig, Matthias Zimmermann und Belinda Doering an der Spitze überlassen mussten. Bevor es jedoch so weit war, stimmten sich die Gayser vor dem Vereinshaus Alte Schule auf die Erstürmung des Rathauses ein und zogen, angeführt durch die Gayser-Musikanten, vor das Rathaus, wo sich der Ortsvorsteher mit seinen Räten verschanzt, die Eingangstüre unter Strom gesetzt und den Rathausschlüssel mit einem starken Seil abgesichert hatten.
Nur widerwillig ließen sich die Ortschaftsräte aus dem Rathaus locken und wollten den Schlüssel nur gegen einige richtige Antworten zur Obereschacher Geschichte seitens der Gayser herausrücken.
Doch diese wollten es nicht darauf ankommen lassen und knackten mittels eines Bolzenschneiders das Seil und gelangten so an den Schlüssel. Anschließend marschierten die Gayser und ihre Musikanten wieder zur Alten Schule zurück, wo dann bei den Gaysern, aber auch bei der Frauengemeinschaft kräftig gefeiert wurde.
Weilersbach
In Weilersbach stürmten die Epfelschittler mit den Ammelbachhexen am Donnerstagabend das Rathaus. Die Narrenzunft eroberte den Rathausschlüssel, den Ortsvorsteherin Silke Lorke für die kommenden Tage bereitwillig herausrückte. An der Party in der Glökenberghalle feierte die Ortsvorsteherin begeistert mit.
Letztlich hatten ihr die Narren ein paar Tage verwaltungsfreie Zeit beschert. Die Stadtmusik Willersbach stimmte das Publikum auf den Abend ein. Zunftmeister Tobias Hirt freute sich derweil auf das Gastspiel der Zunft am Ball der Narrenzunft Seitingen, an dem das Damenballett seine Auswärtspremiere feiert.