Auftakt der Fünften Jahreszeit in Burladingen – als erste wurden die Ortsvorsteherinnen von Hausen und Gauselfingen entmachtet.
Die Fasnet, die richtige, ist ausgebrochen. Am Donnerstag wurden die Ortsvorsteher in den Burladinger Stadtteilen von den dort ansässigen Narrenzünften und Lumpenkapellen und viel begleitendem Volk entmachtet. Schon morgens an der Reihe waren die Amtskolleginnen Corinna Egle (Hausen) und Silvia Roos (Gauselfingen).
In Hausen hatte sich nicht nur eine gut gestimmte – und ansehnliche – Menge von Närrischen aus dem Dorf versammelt, auch Mitglieder der Starzelner Zunft „Hailix Blechle“ waren dabei. Corinna Egle beklagte die schlechte Stromversorgung im Ort – viele Straßenlampen brennen immer wieder nicht -, außerdem monierte sie den allzu schleichenden Ausbau des schnellen Internets, in den die Pfarrkirche St. Nikolaus gar nicht erst eingebunden ist.
Durchaus ernste Themen
Auch die Zukunft des Nikolausheims, für das es keinen konkreten Plan gibt, ist in ihren Augen eine Katastrophe. Was wird aus der Gemeindehalle, die auch von Starzeln genutzt wird? Wer saniert, wer übernimmt das Gebäude? Die Stadt oder weiterhin die Kirchenverwaltung? Insgesamt scheint Hausen mit seinem neu eingerichteten Spielplatz und seiner funktionierenden Dorfgemeinschaft dennoch ein lebenswertes Fleckchen Erde zu sein. Den Refrain ihrer hervorragend gereimten Rede skandierte die Menge begeistert mit: „An Macka hier, an Macka dort: Herzlich willkomma bei ons em Ort!“ Etwa zeitgleich suchte Ortsvorsteherin Silvia Roos verzweifelt den Rathausschlüssel – nein, das war keine Inszenierung. Der Schlüssel befand sich noch vom letzten Jahr in der Hand des Narrenvereins „Schnägäg“.
Als die Närrischen unter Begleitung der Schlösslesband und der Kindergartenkinder den Amtssitz gestürmt hatten, zog Roos den stellvertretenden Zunftmeister Markus Eisele zur Rechenschaft. Er musste sich Leibesübungen unterziehen und zahlreiche Spritzen kosten. Zur Erklärung. Roos, acht weitere Gauselfingerinnen sowie die Landtagsabgeordnete Cindy Holmberg (Grüne) hatten sich als Verteidigerinnen des Amtssitzes als Schwester Hannelore aus der Fernsehreihe Schwarzwaldklinik (jetzt Schwabenklinik) kostümiert. Die Verteidigung gelang den Krankenpflegerinnen nicht.
Roos musste ihre eigenen Medikamente schlucken
Und Eroberer Eisele zahlte nach der doch noch gelungenen Schlüsselübergabe gleich einmal mit gleicher Münze zurück. Roos musste unter dem Beifall des Publikums ihre eigenen Medikamente schlucken, die hatte zuvor er selbst kosten müssen. Der nach jeder Spritze geschluckte Inhalt zauberte indessen ein zunehmendes Lächeln auf das Antlitz der Amtschefin. So schlimm können die Mixturen demnach nicht gemundet haben. Hingenommen wurde auch die Verunglimpfung des Dorfrathauses als „Vorglühtempel“, ebenso die Bezeichnung des Rathausteams als „Ortsverstand“ – der wohl aus Schnägäg-Sicht nicht immer funktioniert.
Noch lange erklangen Fasnetslieder der Schlösslesband und hallte „Ujalee“ durchs Rathaus, so wie in Hausen die „Gillabomper“ aufspielten und es immer wieder durch die Räume und Hallen tönte: „Baise?“ – „Weiber!“ oder auch „Hailix?“ – „Blechle“.