Schräge Kostüme sind Trumpf bei der Kultveranstaltung im Bregtäler: Seit 50 Jahren gibt es den Rieswelleball. (Archivfoto) Foto: Dagobert Maier

Die Kultfete im Bregtäler in Bräunlingen feiert Jubiläumsausgabe. Vor der Premiere 1976 gab es heftige Diskussionen.

Eine große närrische Kultveranstaltung in Bräunlingen, der Rieswelleball im Bregtäler, kann auf 50 Jahre zurückblicken. Am Samstag, 17. Januar, wird mit vielen auf die Historie blickenden Programmpunkten das Jubiläum närrisch gefeiert.

 

„Am Samstag ist Rieswelleball, da gehen wir hin“, ist wie zu jedem Jahresbeginn auch 2026 im alten Zähringerstädtchen zu hören. Doch Eintrittskarten sind für dieses sehr beliebte närrische Event nur schwer zu bekommen, denn die Tickets sind im Vorverkauf schnell vergeben. Eine Abendkasse gibt es für den Kultball 2026 der Rieswellemacher nicht mehr.

Mitte der 1970er-Jahre kam bei den Urhexen der Bräunlinger Narrenzunft Eintracht die Idee auf, einen Fasnetball in eigener Regie anzubieten. In den Jahren zuvor hatten in der Festhalle, im Grafensaal, der Fortuna und in der Waldrast Fasnetveranstaltungen zu närrischem Treiben eingeladen. Mit einem kostenpflichtigen Fasnetbändel war für alle vier Angebote der Eintritt mit dabei. So wechselten damals viele Gruppen und auch Paare von der einen zur anderen närrischen Veranstaltung.

Volle Zustimmung

1976 gab es bei den Urhexen noch weniger Hästräger als aktuell, denn die Zahl 16 und zwei Springerhexen wurde erst in den achtziger Jahren erreicht. Manfred Dold war 1975 Hexenmeister und fand damals innerhalb der Urhexengruppe, darunter Karl-Heinz Hofacker, Udo Baumeister und Rudi Schmid, sofort volle Zustimmung, einen eigenen närrischen Fasnetball anzubieten und durchzuführen. Auch die damalige Grafenbräubetreiberin Erika Staller als Nachfolgerin von Karl Walch sowie die Besitzerfamilie Saier gaben von ihrer Seite grünes Licht für ein spezielles Event im Grafensaal.

Doch der Narrenrat der Narrenzunft war damals von dieser Idee nicht begeistert, denn die Urhexen seien historische Figuren, die an der Fastnacht für närrische Unruhe sorgen und nicht als Veranstalter eines Fasnetballs auftreten sollten, so die Meinung des Rates. Ein wichtiger Hintergrund für die Entscheidung waren Bedenken bezüglich noch mehr Veranstaltungen anderer Gruppen. „Wenn die Urhexen einen Ball anbieten, dann könnten auch andere historische Figuren wie die Hansel, die Stadtwehr, Trommler und so weiter einen Fasnetball anbieten, das sei nicht im Sinn des Narrenrates“, diese Meinung war damals oft zu hören. Nach einigen Überlegungen und Diskussionen wurde das Abbrennen des Hexenfeuers, früher in der Blaumeerstraße und der Sommergasse, heute auf dem Kelnhofplatz, als wichtige Rolle der Urhexen definiert.

In den Wald

Doch wer kam sonst in Frage? Bis zum heutigen Tag fahren die Rieswellemacher jedes Jahr mit einem Traktor und verschiedenen Holzwerkzeugen in den Wald, um dort für die Hexenfeuer bei der Hexenlauferöffnung und am Hexensonntag genügend trockenes Reisig, die Rieswellen, zu holen.

Die Gruppe der Rieswellemacher übernahm es, einen Rieswellefasnetball zu organisieren, und startete 1976 mit dem ersten Ball im Bregtäler/Grafensaal. Der Zuspruch war schon in den ersten Jahren überwältigend, so dass schon damals der Entschluss gefasst wurde, dass die Rieswellemacher ihren eigenen Fasnetball für die breite Öffentlichkeit im Bregtälersaal anbieten. Schon zu Beginn der 1980er Jahre wurde klar, dass der Rieswelleball als närrischer Eröffnungsabend noch vor dem Sprung der Urhexe aus dem Druidenstein die Narren zu einem abwechslungsreichen Fasnetabend einlädt.

Fester Termin

Inzwischen gehört der nun ein halbes Jahrhundert alte Rieswelleball mit Kultstatus zum festen Veranstaltungsprogramm in der Narrenhochburg Bräunlingen während der Fasnetzeit. „Der Rieswelleball gehört in Bräunlingen mit zur Narretei dazu und steht sogar in unserem Vereinsjahreskalender mit drin. Die Narrenzunft steht zum Ball“, sagte Zunftmeister Christian Müller zum Stellenwert des Balls.

Im Wald und in der Stadt

Die Rieswellemacher
sehen als gemeinsames Ziel die Geselligkeit und die Freude am gemeinsamen Tun. Eines der Höhepunkte ist das „Rieswellemachen“ im Sommer, bei dem im Wald dünnes Holz für die Hexenfeuer über die Narrentage, mit Traktor und Anhänger gesammelt wird. Aktive und Ausgeschiedene der Urhexen gehören mit zu den Holzmachern. Die 18 Mitglieder starke Hexenmännergruppe zeigt nicht nur über die närrischen Tage, sondern auch das Jahr über unter anderem bei der Kilbig, sowie bei Mehrtageswanderungen Aktivität. Sie beleben die närrischen Tage auf besondere Weise. Für alle Mitglieder haben die Geselligkeit, eine gute Kameradschaft und die Freude an gemeinsamen Aktionen, mitunter verbunden mit Spenden an soziale Institutionen, einen hohen Stellenwert.