Hexenlaufen am Schmutzige Dunschtig: Die Aufnahme datiert auf Mitte der 1930er-Jahre. Über die Geschichte des Hexenlaufens informiert derzeit eine Schaufensterausstellung in der Bräunlinger Altstadt. Foto: Narrenzunft Bräunlingen

Die Bräunlinger Narrenzunft informiert in den Schaufenstern der Altstadt über Geschichtliches zu Hexengruppen und Hexenlaufen.

(pm/wur)

Bräunlinger Fasnettradition und moderne Medien verbinden sich aktuell in einer Installation in der Altstadt. In sieben Schaufenstern wird das Hexenlaufen thematisiert. Teilweise mit Miniaturumzügen, teilweise mit Exponaten, die die Ausrüstung Hexen zeigen und teils auch mit lebensgroßen Hexenpuppen. An allen Schaufenstern sind QR-Codes angebracht. Via Handy lassen sich darüber Filme über die verschiedenen Hexen in Bräunlingen abrufen.

 

Pünktlich zum Hexensonntag am 12. Februar

Der Hexenpfad Brilingä 2023 mit den sieben Standorten sei anlässlich eines Jubiläums entstanden, sagt Wolfgang Kropfreiter, der die Aktion im Auftrag der Narrenzunft Eintracht koordiniert.

Genau 200 Jahre ist es her, dass eine behördliche Anordnung wegen des Maskenlaufens indirekt auf die Existenz der Fasnet in Bräunlingen hinweist. Heute soll die Schaufensteraktion vor allem Kinder ansprechen. Gerade vor dem Hexensonntag am 12. Februar können auch sie ihr Wissen um die unterschiedlichen Hexen-Gruppen erweitern.

Der mutige Sprung durchs Feuer.

Um die Umsetzung der Aktion hat sich ein kleines Team gekümmert. Neben Kropfreiter waren dies der Gildemeister Stefan Hummel, Boris Dold von den Urhexen, Christoph Bayerle von Narrenzunft und Krummen Hexen, Mathias Schmid von den Urhexen sowie Stefan Knappe, nicht mehr aktive Hexe, der sich um die Verbindung zwischen QR-Code und den dazu hinterlegten Filmen gekümmert hat. „Jede Gruppe hatte dabei die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren“, sagt Kropfreiter. So zeigt ein Film das Hexenlaufen, andere das Hexenfeuer, die Trommelhexen oder die Wilden Hexen.

Spaziergang beginnt bei der Post

Der kurzweilige Spaziergang beginnt bei der Post, wo sich die Urhexen darstellen, bei Blumen Woll sind die Wilden Hexen stationiert, ein Urhexen-Umzug kann bei der Stadtapotheke bewundert werden, die Krummen Hexen ziehen bei „Bi’s Kächelies, Zähringer Straße 11, durchs Schaufenster. Bei Mantel Steff, Blaumeerstraße 25, stellt ich das Handwerk mit Hexenrequisiten dar. Das Hexenlaufen wird beim Zunfthaus thematisiert, während es am Spitalplatz 2 um die Krummen Hexen geht.

Historie reicht zurück bis 1663

Was die Geschichte des Hexenlaufens anlangt, reichen die von Wolfgang Kropfreiter recherchierten Quellen weit zurück. Demnach beschwerte sich 1663 der Lehensträger Christian Weißer, im Einverständnis mit dem Hause Fürstenberg, bei der Regierung in Freiburg über die Bräunlinger, „die sich das Vermummen als altes Weib, das Brauchtum der Obrigkeit von Lichtmess bis Aschermittwoch die Wahrheit zu sagen, sowie das Hecheln und Strehlen nicht nehmen lassen“.

Eine behördliche Anordnung vom elften Hornung (Februar) 1823 trifft Regelungen für das Maskenlaufen. Es durfte erst nach dem Spätgottesdienst beginnen, und nach dem Läuten der Betzeitglocke hatte es zu enden. Das abendliche Betglockenläuten ordnete im Volksglauben die Einhaltung der guten Sitte an. Die Geister hatten danach bis zum morgendlichen Betzeitläuten das Recht aufs offene Land, Wiesen, Äcker und in die Wälder, nicht aber auf Straßen und in der Stadt hervorzukommen. Das Hexenlaufen hat sich bis heute gehalten, auch wenn bei der Gründung der Narrenzunft Eintracht 1890 die Fasnetschauspiele im Vordergrund standen. Die Historische Fasnet wurde mit der Gründung der Gilde 1936 wiederbelebt. Bis Ende der 1940er-Jahre sind es Wilde Hexen, die das Fasnetbild prägen.

Beschränkung auf 16 Urhexen

Die Vereinheitlichung der Hexen mit Häs und Holzmaske führt zur Gründung der Urhexen, Ideengeber sind hier Valentin Hofacker und sein Lehrerkollege Beilich. Man startete zunächst mit fünf, dann mit sieben, heute ist die Anzahl auf 16 beschränkt. 1954 treten die Krummen Hexen, der zweite Fasnetverein, in Erscheinung, die sich ganz dem Hexenlaufen verschreiben.

QR-Code