Bürgermeister Roman Waizenegger huldigte den Narren und lobte zugleich drastische Sparmaßnahmen aus, denn: Bisingen braucht Geld, muss jede Ausgabe künftig dreimal abwägen.
Das rituelle „Mausrausheka“ am Bisinger Rathaus durch die Nichthuldiger und Kirchamäus war am Schmotziga schnell erledigt – flott setzte sich der närrische Zug dann in Richtung Marktplatz in Bewegung. Dort wurde der Bürgermeister bereits ungeduldig zum Huldigen erwartet.
„D’r Jung von da Märie“ (O-Ton Roman Waizenegger), Jonas Ott, nutzte seine Premiere als Narrenvater auf der Marktplatz-Bühne, um dem Rathauschef gehörig die Leviten zu lesen – und trat damit nahtlos in die Fußstapfen seiner Vorgängerin, der „Narramuadr“ Rosi Schmidt. Ob er, so kurz vor der Huldigung, noch online oder doch schon offline sei? Gedanklich sicher offline! Nicht mitgedacht habe er, der Schultes, beispielsweise beim Spatenstich für den neuen Kindergarten auf „Reute“. In großer Runde sei man da unter der Baggerschaufel gestanden – „ond koaner hot an Helm uff“. Wenn da was passiert wäre! „’s Rothaus wär uff ewig zu gsai.“ Passieren könnte das trotzdem noch, denn: „Deine Leit friaret em Rothaus.“
Wie es beim Schultes zuhause aussieht? Warum „send do ällaweil dia Rolläda dona?“ Etwa, damit keiner sieht, dass er „bis am Zwölfe“ in der „Kischt“ liegt? Und weshalb hat des Bürgermeisters Haus noch immer keine Hausnummer? Die Narren machen Druck: Sie stellen Pinsel und Farbe bereit – denn: Am „Fasnetszeischdig beim Sechsewecka“ wollen sie zum Kontrollieren kommen! Mit dem Rasenmähen habe es das Gemeindeoberhaupt auch nicht so – oder weshalb haben all seine frisch gepflanzten Obstbäume „Macka“?
Zu guter Letzt hatte der Narrenvater für Waizenegger einen „Schultes-Drinkbecher“ mit einem „Nichthuldigeradler druff“ mitgebracht – wenn er schon abdanken müsse bis Aschermittwoch, solle er doch wenigstens angemessen auf die Fasnet anstoßen können.
Bürgermeister Roman Waizenegger, schon von Amts wegen ein politischer Mensch, sparte, bevor er Narrenvater Jonas Ott die Regentschaft überließ, auch in diesem närrischen Moment nicht mit meinungsstarken Stichen in Richtung „Große Politik“. Deutschland befinde sich in der Krise, „nach mir die Sintflut“ laute die Devise. Selbst „Kapitän Winnie“ (Kretschmann) verlasse das Schiff, bevor es aufs Schulden-Riff auflaufe. Ja, sogar bei unserem „Muster-Ländle“ sei der Lack ab – und das Geld verbrannt.
Einstmals, erinnerte sich der Schultes, „konnten wir lesen, schreiben, dividieren – heute heißt es nur noch sparen und sanieren“. Ein Trick solle den Haushalt retten, 1440 Lehrerstellen, „darauf könnt’ ich wetten“. Dieser „Schildbürgerstreich“, schob Waizenegger nach, sei aufgeflogen, „wir Bürger fühlen uns nicht nur angelogen“. Auch die Kommunen hätten unter dieser Politik zu leiden: „Wir sollen kürzen, sparen und vermeiden.“ Manche Gemeinde werde da kreativ – zum Beispiel Rangendingen: „Die Hundesteuer angepasst, 100 Prozent mehr – was erzürnt und erblasst.“ Nein, das Leben sei langsam wirklich nicht mehr wunderbar – „das Sterben in Haigerloch gar unbezahlbar“. Und: „Wenn selbst die letzte Ruhe zum Kostenfaktor wird, dann sieht man, wie Vertrauen langsam stirbt.“ Auch Hechingen sei beim Thema Geld kreativ, suche nach neuen Einnahmen, ganz offensiv: „Von uns wollen sie Geld für die Realschule, greifen dafür in unsere Schatztruhe.“ Also müsse sich auch Bisingen etwas überlegen, jeden Euro künftig dreimal abwägen.
Wie wäre es beispielsweise mit einer Fitness-Steuer? „Künftig hat jeder 10 000 Schritte zu leisten, wer das nicht schafft, zahlt extra – also die meisten.“ Ein Stadion dafür werde zurzeit extra gebaut… wer sein Soll erfülle, dürfen zufrieden nach Haus‘ – „wer’s nicht schafft, ist arm wie ’ne Kirchenmaus“. Für ein Gläschen Sekt im Narrendorf reichte es danach aber schon noch! Die Närrinnen und Narren feierten die Fünfte Jahreszeit ausgelassen – bis spät in die Nacht.