Der Urviecherball in Bad Dürrheim ist ein Magnet und Selbstläufer. Die Sause in der „Siedepfanne“ war erneut ausverkauft, wer wollte, konnte die Nacht zum Tag machen.
„Siedepfanne“ ist die Mundart-Bezeichnung für das Haus des Bürgers. Der architektonisch interessant gezeichnete Bau im Herzen der Kur- und Bäderstadt ist zur Fasnet schlicht und ergreifend ein Fixpunkt, die Urviecher verstehen es, ihre Hauptveranstaltung in Balance zu halten. Ausfransend und derb einerseits, seriös andererseits.
Die Ausgabe 2026 umfasste satte 23 Programmpunkte, die Ansagen und Pausenfüller eingerechnet. Die Urviecher-Vorsitzende Daniela Schwarz begrüßte die Gekommenen herzlich, selbstverständlich sollte die „Chefin“ im Verlauf auch wieder zur Gitarre greifen. Schwarz: „Wir liefern heute nicht nur zweieinhalb Stunden Programm. Alles hier ist von uns allein gestemmt – alles. Wir Urviecher stehen auf Fasnet mit Herzblut. Herzlich willkommen!“
Willkommen war auch wieder die „Stimme des Volkes“, unter anderem wurde in der Siedepfanne sehr deutlich, dass die Bad Dürrheimer mit dem Rückbau ihres Minara-Bades keineswegs zufrieden sind.
Wie Sand durch die Finger
Das Geld rinnt den Einheimischen derzeit wie Sand durch die Finger, noch allerdings zeigt sich Bürgermeister Jonathan Berggötz relativ häufig lächelnd. Spitzen freilich hatte das Stadtoberhaupt beim Urviecherball zu ertragen. Gemünzt auf seine Person: „Unter den Blinden ist der Einäugige eben doch König“, war beispielsweise zu hören.
Barber ohne Papiere
Kritik gehört zur Fasnet, an den wenigen närrischen Tagen darf zudem freier formuliert werden. Das Trio Marian, Moritz und Mara Nann traute sich auf den besonderen Brettern erneut, Papa Matthias, der Vorgänger von Schwarz, lauschte eine Etage tiefer aber ganz vorn. „Wenn Du bist ein Barber, brauchst Du keine Papiere. Darf dann eigentlich auch ein Metzger Haare schneiden?“
„An der Friedrichstraße ist langsam so viel los wie auf dem Friedhof, jetzt kommt noch ein Beerdigungsinstitut hinzu.“ Mit den Nanns wäre fortzufahren, selbstverständlich hatte der Urviecherball jedoch noch andere Facetten.
Auch Bambini dabei
Im Lauf des Abends waren die Urviecher-Bambini, die Urviecher Dance-Kids, die Schorle-Girls, die Ur-Youngsters, die Ur-Grölis, die Zuckerpuppen, die Big Hegi-Beats, die Ur-Dancers, der Bad Dürrheimer Fanfarenzug und das kommunale Blasorchester zu sehen und zu hören – für jeden also dürfte in der Siedepfanne etwas dabei gewesen zu sein.
Lautstarke Guggä
Wie gewohnt beschloss die Urviecher-Guggä lautstark und impulsiv das Programm, per Schallwellen wurde quasi und nebenbei die Statik des Gebäudes geprüft.
Für einzelne noch einigermaßen standsichere Fasnetmenschen ging es wieder auf die Bänke.