Geburtstagskinder Plääri (links) und Kueseckel (Zweiter von rechts) werden von Oberhansel Mathias Prosch (rechts) geehrt. Foto: Roger Müller

Jubiläen und Zunftgeburtstage wie 75 Jahre Kueseckel, 90 Jahre Plääri und 50 Jahre Hansel & Gretle wurden bei der Veranstaltung feierlich begangen. Der Knaller kam aus Bräunlingen.

Die Blauhemdsitzung der Narrenzunft Frohsinn ist eigentlich ein Selbstläufer im närrischen Kalender. Auch in diesem Jahr traf man sich im Aufener Probenlokal, aber der eine oder andere leere Stuhl erinnerte dezent daran, dass noch Luft nach oben gewesen wäre.

 

Doch wer da war, der war unbestreitbar richtig. Blaue Hemden bestimmten das Bild, die Gläser waren selten leer, und das Lachen kam schneller als der nächste Tusch – ganz so, wie es sich für den traditionellen Hausball des Frohsinns gehört. Für die musikalische Dauerbeschallung sorgte einmal mehr die Aufener Musik, die mit Schwung und Ausdauer bewies, dass sie nicht nur Noten, sondern auch Stimmung kann.

Gleich zu Beginn wurden närrische Jubiläen gefeiert, die Kueseckel tragen heuer 75 Jahre auf dem Buckel, die Plääri sogar stattliche 90. Ein weiterer Höhepunkt war das goldene Fasnet-Jubiläum von Thomas Kopp und seinem Gretle Heidi Kuttler, die seit 50 Jahren als Hansel und Gretle gemeinsam durch die närrischen Tage ziehen. Da blieb kein Auge trocken – vor Lachen oder Rührung. Als Thomas Tröndle und Thomas Binder zwischen den Musikstücken zur Bütt schritten, war endgültig klar, jetzt ist Blauhemdsitzung.

Scharfer Witz

Mit scharfem Witz und sicherem Gespür für lokale Befindlichkeiten verteilten sie treffsicher ihre närrischen Seitenhiebe. Donaueschingen bekam dabei sein Fett weg – liebevoll, aber bestimmt. Vom Stadtdschungel, der dieses Mal aus Umleitungs- und Baustellenschildern bestand, bis hin zum Blitzermarathon in der Innenstadt, der dann so manchem Führerschein einen Urlaub in Flensburg bescherte. Durch das mehr als zweistündige Programm führte Oberhansel Mathias Prosch gewohnt souverän.

Thomas Kopp und Heidi Kuttler sind schon seit 50 Jahren ein Paar als Hansel und Gretle. Foto: Roger Müller

Reiner Wolff war es dann, der in voller Hanselmontur den Abend beschloss. Er las auf der Bühne Fasnetsprüchle vor – kleine Wortraketen der närrischen Tage, und schon lachte das Publikum im Saal. Kaum hat der Hansel seine Pritsche geschultert, fliegen die Sprüchle durch die Luft wie Konfetti. Mal frech, mal charmant, mal so ehrlich, dass man kurz überlegt, ob man getroffen oder gekitzelt wurde. Unterm Strich war die Blauhemdsitzung ein bissiger, lauter und ehrlicher Auftakt in die heiße Phase der Fasnet. Wer nicht da war, hat eindeutig etwas verpasst.

Nachbarschaftshilfe

Der heimliche Abräumer
des Abends kam allerdings aus Bräunlingen: Das Duo Laktosefrei bewies, dass man auch über Kugelschreiber, Hochzeiten mit sofortiger Scheidung und andere Alltagskatastrophen singen kann. Norbert Staller und Bernfried Häßler trafen mit ihren mundartlichen Texten einen Nerv, den viele vorher gar nicht kannten.