Ein Banner der Narren erinnert daran, dass Fasnet ist. Foto: Beyer

Die Narren haben in dieser Fasnet all ihre Veranstaltungen ausfallen lassen und stattdessen mehrere Videos ins Internet gestellt. Welche Schwierigkeiten es dabei gab? Wir haben nachgefragt. 

Alpirsbach - Rote Rauchschwaden quillen aus dem Virus-Modell aus Pappmaché hervor, das Betina Rock, Vorsitzende der Alpirsbacher Narrenzunft, auf ihrem heimischen Grill platziert und anschließend entzündet hat. Das Video der Aktion hat die Narrenzunft auf ihre Facebook-Seite gestellt, sodass die ganze Gemeinde daran teilhaben kann.

Die traditionelle Verbrennung des Narrenbaums konnte dieses Jahr nicht stattfinden. "Dafür hätten wir zu viele Leute gebraucht. Außerdem hätte es einen Menschenauflauf angezogen", erklärt Rock. Stattdessen wird nun symbolisch das Corona-Virus verbrannt.

Schon das Narrenbaumstellen verlief anders als gewohnt. Denn um einen Baum vor dem Rasthaus aufrichten zu können, wären zu viele Helfer notwendig gewesen. Stattdessen wurde der Weihnachtsbaum vor dem Haus des Gastes umfunktioniert. Dafür brauchte es nur "zwei Jungs und eine große Leiter." Die sägten die unteren Äste ab und schmückten den Baum mit einer Hexen-Puppe und Bändern in drei Farben. "Blau und Gelb als Farben des Vereins und Schwarz für die Trauer, weil die Fasnet ausgefallen ist", erläutert Rock. Daneben wurde dann ein weiterer kleiner Narrenbaum aufgestellt, um dem Ritual des Narrenbaumstellens genüge zu tun. Und auch diese Aktion wurde gefilmt und auf der Internet- und Facebook-Seite des Vereins veröffentlicht.

Doch davor waren erst einige technische Hürden zu nehmen. Denn Rocks Ansprache war auf dem Video kaum zu hören, die angrenzende Straße war zu laut. "Man soll kaum glauben, wie viel Verkehr an einem Sonntag ist", wundert sich Rock.

Vor lauter Autos war nichts zu hören

So musste die Aufnahme nachsynchronisiert werden. Dazu ließ Rock das Video laufen und nahm gleichzeitig ihre Rede mit dem Handy auf. Dabei musste sie versuchen, möglichst synchron zu den Lippenbewegungen zu sprechen. Keine einfache Aufgabe: "Ein paar versuche habe ich gebraucht", erzählt Rock. Zusammengeschnitten wurde das ganze dann von Vereinsmitglied Markus Steffens.

Auch die anderen Videos wurden von Steffens geschnitten und mit Musik unterlegt. So auch das Maskenabstauben. Hierbei haben sich die Narren selbst gefilmt, wie sie ihr Häs mit einem Handbesen reinigen. Anschließend wurde der Besen aus dem Bildausschnitt hinausgeworfen und scheinbar vom Narren in der nächsten Szene aufgegangen. Obwohl so jeder für sich das Ritual beging, entstand der Eindruck einer gemeinsamen Aktion.

Auf die gleiche Weise machte im aktuellen Video ein Kästchen "Impfstoff" die Runde. Geimpft wurde dabei mit einem kleinen Fläschchen Schnaps. Anschließend verbrannte jeder Narr seinen Mund-Nasen-Schutz.

Bei der Bevölkerung kamen die Aktionen gut an. So berichtet Rock von "Unmengen" an Likes und Kommentaren. Auch seien viele dem Aufruf gefolgt, sich zu Hause zu verkleiden und das Bild dann ins Netz zu stellen. Eine Alpirsbacherin, die sich gerade in der Reha befinde, habe sich besonders gefreut: "Jeden Tag habe ich etwas von der Heimat gehabt."

An fast jeder Laterne ein bunter Kranz

Doch die Fasnet fand nicht nur online statt. Auch in der Stadt war närrischer Schmuck zu erkennen. So wurden Masken und Narrenkleider im Handwerkerforum und im Schaufenster des Rathauses ausgestellt. Auch sind einige Anwohner und Ladenbesitzer der bitte der Narrenzunft gefolgt, Häuser und Schaufenster zu schmücken, wie Rock freudig festgestellt. Und an vielen Bäumen und Laternenmasten hängen Kränze in den Farben der Fasnet.

Dazu wurden in Kooperation mit dem Handels- und Gewerbeverein Adventskränze närrisch umgeschmückt. "Die Not macht erfinderisch", meint Rock. Geschmückt wurde auch der Brunnen und das alles von nur zwei Frauen, sodass die Hygienevorschriften eingehalten wurden.

Die Fasnetsbändel hingegen konnten diesmal nicht aufgehängt werden, denn dafür sind sonst zwei Gruppen mit jeweils sechs Personen unterwegs. "Es muss der Verkehr gesperrt werden, denn die Bänder werden von Haus zu Haus gespannt. Dann muss jemand die Leiter halten, einer muss die Rolle mit den Fähnle halten und so weiter", beschreibt Rock den Aufwand. Deshalb hat sie dafür Verständnis, dass die Fasnetsbändle nicht aufgehängt werden durften. Wenig Verständnis hingegen hat sie für jene Narren, die am Montag trotz Verbots durch die Rottweiler Innenstadt zogen. "Ich finde das unverantwortlich."

Nun bleibt zu hoffen, dass nach der hochprozentigen Impfung der Narren bald die richtige Impfung folgt, sodass im nächsten Jahr wieder alles ganz nach Tradition ablaufen kann.

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