Mit einem Gläschen Sekt für die Kunden zur Fasnet fing es an. Rasch entwickelte sich eine nicht mehr wegzudenkende Tradition in Aichhalden.
Am Fasnetsfreitag geht es für viele Aichhalder„zur Moni“. Zum 30. Mal hatte sie jüngst ihren Laden für Post, Toto-Lotto, Schreibwaren und Zeitschriften in der Winkelgasse in einen Fasnetsbesen umgewandelt. Doch dabei gab es eine traurige Nachricht: „Das ist das letzte Mal“, sagte Monika Lehrer.
„Der Aufwand ist einfach enorm. Wir waren zu viert zwei Abende dran mit dekorieren“, so die Ladenchefin. Anfangs war es noch mit ein paar Bändeln getan. Im Laufe der Jahre wurde die Dekoration aber immer detailverliebter und professioneller.
Nicht nur Briefmarken
Die Kunden wurden so rasch zu Fasnetsnarren und blieben nicht nur wegen Briefmarken oder einem Lottoschein. „Das hat sich im Laufe der Jahre immer mehr hochgeschaukelt“, sagt Monika Lehrer. Eigentlich schließt sie ihren Laden um 18 Uhr. Aber die Leute blieben gerne noch länger, hielten ein Schwätzchen oder feierten die Fasnet. Manche bereiteten sich auch auf den Altweiberball vor, der am Fasnetsfreitag in der Aichhalder Halle steigt.
Party zieht Kreise
War es früher noch Mund-zu-Mund-Propaganda, dass im Laden bei Monika Lehrer etwas geboten ist, läuft es heutzutage anders: Die Menschen teilen das per Statusmitteilung in ihrem Handy – und so zieht die Party in der Winkelgasse immer weitere Kreise. „Kommt ihr auch noch?“, lautet so eine oft gestellte Frage, die fast immer mit Ja beantwortet wird.
„Jetzt muss ich einfach einen Schnitt machen“, sagt Monika Lehrer mit einem Bedauern. Viele rauschende Partys wurden in den vergangenen 30 Jahren gefeiert. Erst wurde Fasnetsmusik aufgelegt. Gegen später liefen dann beispielsweise die Hits von ABBA. Aufgelegt wurde mit fein säuberlich beschrifteten CDs.
Viele Stammbesucher
Es blieb dabei stets fröhlich und friedlich. Nur einmal musste Monika Lehrer einen Gast rausschmeißen – weil er eine „bleede Gosch“ hatte. Sonst seien aber immer alle anständig geblieben. Die vielen Stammbesucher kamen gerne in gleich verkleideten Gruppen. Auch die Erzknabberteufel, der Elferrat oder die Hansel kamen gerne vorbei. Bürgermeister Michael Lehrer lobte: „Die Fasnet lebt von genau solchen Besenwirtschaften“. Er kam als Sherlock Holmes vorbei und hatte Bernhard Blaffert als Dr. Watson dabei.
Narren geben Pakete durch
Im Laden wird es bei einer großen Besucherzahl schnell „kuschlig“. Als der Postle einmal Pakete holen wollte, gab es kein Durchkommen. Die Narren bildeten eine Kette und gaben die Pakete durch. Das strahlende Gesicht des Postboten war ihnen sicher. Zeitweise mussten die Besucher gar auf die Terrasse oder ins Wohnhaus ausweichen.
Für einen guten Zweck
Die närrischen Feiern haben aber auch einen sozialen Aspekt. Das Geld, das durch ein Spendenkässle eingenommen wird, wird stets an den Kindergarten und die Schule in Aichhalden gespendet. An den Kindergarten gingen exakt 13 126,71 Euro. Die Schule kam vor vier Jahren dazu und hier waren es 1950 Euro.
Der Narrenbaum ist übrigens ein umfunktionierter Christbaum. „Wir sind selbst fast alle narret“, sagt Monika Lehrer über ihre Familie. So gibt es stets am 6. Januar eine Hausfasnet im Hause Lehrer. Für diesen Anlass wird der vorige Christbaum umgeschmückt und er wird dann ebenfalls narret.
Edgar Wilhelm von der Narrenzunft Aichhalden hofft darauf, dass es mit dem Fasnetsbesen doch irgendwie weitergeht – und damit ist er nicht der Einzige.