Punkt Mitternacht zum Dreikönigstag beginnt die Schanzel-Zunft die offizielle närrische Jahreszeit mit der Taufe von neuen aktiven Mitgliedern, im Beisein zahlreicher närrischer Geister aus der ganzen näheren und weiteren Umgebung.
Daran hat sich nichts geändert, das Drumherum aber schon.
Aber kein abendfüllendes buntes Programm mit Ballatmosphäre zum Auftakt mehr, dafür ein Party-Treff in überschaubarer Lokalität mit immer noch sehr zahlreichen Gästen aus Nah und Fern, und das mitten in der Stadt, im Krawazi, in den Räumlichkeiten des Theaters am Turm.
Man stecke in den Nachwehen der Pandemie, erläutert Zunftmeister Andreas Wilhelm die Entwicklung. „Corona hat uns verändert und auch die Fasnet“.
Hohe Kosten
Die Leute sind zwar alle bei der Stange geblieben, verändert hat sich aber die Freizeitgestaltung, dazu andere Interessengewichtungen, auch familiär. Hinzu komme die exorbitante Kostenexplosion für Organisation und Bewirtung, die man so nicht an die Gäste weitergeben möchte. Die Leute wollen fürs Schaffen nicht mehr nur drauflegen müssen.
Auch im Beschaffungswesen seien viele kurze Wege weggebrochen und die Materialkosten explodiert, ergänzt der langjährige Häswart Spigi Banaszek. Ein Beispiel seien die kleinen Glöckchen am Häs, wovon 20 benötigt werden. Sie kosteten einmal rund sechs Euro das Stück. Heute sind es 21 Euro beim gleichen Lieferanten. Ein komplettes Häs beläuft sich mittlerweile auf rund 2000 Euro plus minus.
Manchmal müsse man im Leben einen Schritt zurück gehen, um wieder richtig weitergehen zu können, zog Andreas Wilhelm das Fazit. Die andere Location, und anders als gewohnt, es kam gut an, wurde gut angenommen. Ein gut gefülltes Foyer mit gut gelaunten Gästen, ebenso das Vorzelt mit Glühweinstand, überhaupt der ganze Innenhof neben dem Kaiserturm.
Die Taufzeremonie
Und was war mit der Taufzeremonie, wird man fragen. Das war ein ganz neues Theatergefühl, wie im Amphitheater, alle Plätze belegt, gut zurückgelehnt konnte alles hautnah mitverfolgt werden. Als sportlicher Vorspann der rustikalen Taufprozedur zeigte das Ballett der Narrenzunft Fischbach eine Kostprobe seines Könnens.
Wie den Mienen der Täuflinge anzusehen war, der doch sehr gewöhnungsbedürftige Trank scheint zumindest nicht übel gewesen zu sein. Ob die ziemlich lautstarken Anfeuerungsrufe aus den Zuschauerrängen vielleicht dabei eine gewisse Scheu überspielt haben? Zumindest einige Zuschauer rollten mit den Augen, als der Duft des Zaubertranks in die Reihen schwappte.
Die Täuflinge
Mit der Verkostung des Schanzelsuds haben die Täuflinge Marcel und Martin Bausch, David Durau, Emanuel Löffler sowie Daniel Schwer von nun an das Recht, Häs und Maske zu tragen.
Auf d’ Gass geht die Schanzelschar in diesem Jahr erstmals beim Nachtumzug in Pfaffenweiler am Samstag, 11. Januar. Allerdings richten die Schanzel im Anschluss an den Umzug keine Besenwirtschaft mehr aus. Aufwand und Ertrag stünden im Augenblick in keinem halbwegs vernünftigen Verhältnis, war vom Vorstand zu erfahren.