Was macht die Villinger Hexenzunft bei Nacht und strömendem Regen? „Hexen taufen“, was denn sonst.
Es war Montagabend, der sechste Januar, an die Stadtmauer rund um den Romäusturm hatten sich die Hexen, hochverdiente und zukünftige Hexen, geklemmt, denn in den strömenden Regen mussten sie noch früh genug.
Die Zunft hatte angerichtet: Auf einem langen Tisch entlang der Mauer lagen 74 nummerierte Hexenschemen, das würde noch heiter werden für die Neuhexen, ihre Nummer zu finden.
Auf der Wiese waren Übungen, auch Hindernisse genannt, aufgestellt, die mussten die Täuflinge bewältigen, wobei von dem Hexenmeister und den ehrwürdigen Hexen keine Hilfe zu erwarten war.
Meik Gildner, erster Zunftmeister, und Ratsmitglieder, waren mit Schirmen ausgerüstet und hatten es gut, waren sie doch die Beobachter der feierlichen Zeremonie samt Prüfungen der Täuflinge. Pünktlich um 19.30 Uhr erschienen im feierlichen Gleichschritt Hexenmeister und Ansager Tobias Kratt, gefolgt von strammen Hexen, Dominik Falk, Brauchtumsvorsitzender und Taufbeauftragter, hatte sich viel für die Hexentaufe einfallen lassen, war natürlich auch dabei.
74 Täuflinge
Dann ging es los: Wabernde Nebel, schaurige Musik, dröhnende Worte des Hexenmeisters und 74 Täuflinge, die sich von der Mauer lösten und auf den Rasen flitzten, im Rücken noch die Warnungen: „Schneller, zack zack“. Der Hexenmeister hielt eine feierliche Rede, die Worte kamen wie Donnergrollen.
Und dann hatten die Täuflinge, die während der Ansprache ihre Hindernisse stumm beäugt hatten, die Ohren anzulegen und tapfer zu sein. Rein in die Kotztrommel, die sich rasend drehte. Wer da herausgelassen wurde, hatte selbst den Drehwurm und Sternchen vor den Augen.
Ins Höllenschiff
Weiter ging es in ein Höllenschiff. Schön nass und matschig. Da musste man durch und wurde durch die Besen der Hexen noch behindert. Dann auf einen Wagen mit Stroh, der natürlich ein Loch hatte, in das jeder erst einmal hineinstolperte, erst dann torkelten die erschöpften Täuflinge zu dem Schemenlager, um sich ihre Hexenscheme zu suchen.
Die Stadtmauer und der Romäusturm waren angeleuchtet, die begeisterten Zuschauer am Rand der Wiese hielten eisern durch. Und auch Oberbürgermeister Jürgen Roth bestaunte ehrfürchtig das Prozedere und die tapferen Täuflinge.
Im Anschluss an die Taufe marschierten alle erleichtert und durchweicht im Stechschritt zur Stübleeröffnung in der Turmgasse im Rietviertel.