Ein entspannter Obergildenmeister, Zehntausende begeisterte Besucher am Straßenrand und eine unerwartete Einstimmung auf das Stimmen-Festival: Willkommen am Lörracher Fasnachtsumzug.
Selbstverständlich ist gar nichts. Das mag wie eine Binsenweisheit klingen. Aber der Lörracher Fasnachtsumzug im Jahr 2026 beweist dies wieder einmal eindrucksvoll.
Zur Erinnerung: Im vergangenen September hatte Obergildenmeister Michael Lindemer die Lörracher Straßenfasnacht bereits abgesagt.
Das Verhältnis zwischen der Stadt Lörrach und der Narrengilde geriet in Schieflage – des Geldes wegen. Später aber bewegten sich beide Parteien wieder aufeinander zu. Schließlich stand fest: Der Fasnachtsumzug findet statt. Aber eben: Selbstverständlich ist dies nicht – just im 90. Jahr des Bestehens der Narrengilde Lörrach.
An diesem Sonntag aber ist all dies weit weg. Gefragt, wie seine Stimmung sei, antwortet Lindemer kurz vor Beginn des Umzugs knapp, aber gelassen: „Fasnächtlich.“
Allerdings, das räumt er ein, wäre er gerne bereits zwei Stunden älter.
In diesem Jahr sind 2400 Teilnehmer in 118 Cliquen und Formationen in Lörrach dabei. Der Umzug verläuft erstmals zweigeteilt: Gestartet wird am Sonntag an gleich zwei Standorten – gleichzeitig: in der Palmstraße und auf dem Neuen Marktplatz. Dies soll verhindern, dass Lücken im Umzug entstehen.
Den Auftakt machen die Lokalmatadoren: Die Guggemusik ’53 am Bahnhofsplatz, die Oktave Chratzer aus Brombach an der Spitalstraße. Güggel (aus Tumringen), Frösch (aus Stetten) und Schnägge (aus Tüllingen, die Symboltiere der Lörracher Fasnacht, dürfen ebenfalls nicht fehlen. Viele teilnehmenden Gugge treten teilweise spontan auf, etwa auf dem Marktplatz, wo unter anderem „Juke Box Hero“ von Foreigner geschränzt wird – ein Vorgeschmack auf den Sommer, wenn Foreigner beim Stimmen-Festival auf dem Marktplatz auftritt.
Die Steinegghöfler Rüttehof kommen mit einem Ziegengespann. Aus Basel sind etwa die Rhy-Pirate, aus dem Elsass unter anderem die Safti Waggis Mulhouse. Alle Generationen und Nationalitäten feiern einträchtig. Die Fasnacht bringt die Menschen zusammen – und das ist nicht selbstverständlich.