Neben einer Prinzessin, doppeltem Start und Konfetti erwartet die Zuschauer am Sonntag so einiges. Der Obergildemeister sagt, was beim Umzug in Lörrach gar nicht geht.
Die beste Nachricht zuerst: Es gibt einen Fasnachtsumzug in Lörrach. Was zwischenzeitlich keine Selbstverständlichkeit war.
Die zweite gute Nachricht: Es gibt hohen, adligen Besuch in der Lerchenstadt. Denn auf dem ersten Wagen wird Prinzessin Tiffany I. huldvoll winken. Die 32-jährige Italienerin ist die gewählte europäische Karnevalsprinzessin. „Und die gibt uns zu unserem 90. die Ehre“, freut sich Obergildenmeister Michael Lindemer gegenüber unserer Redaktion.
Der Mann scheint sowieso aufgeräumt und mit sich im Reinen. Denn jetzt gehen sie los: Die für ihn schönsten Tage in Lörrach: nach dem Dällerschlägg (wir berichteten) stehen jetzt Guggeexplosion, Umzug, Party und Bälle an. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt er.
Es ist seine 18. Fasnachtssaison im Vorstand. Und trotz all seiner Erfahrung herrscht im Vorfeld des großen Umzugs ein wenig Anspannung: Liegen die Stromkabel? Passen die Wasserschläuche? Klappt es mit der Neuerung des Umzugsstarts? Denn die Gilde probiert zum 90. Bestehen ein neues Konzept aus: Gestartet wird am Sonntag an gleich zwei Standorten – gleichzeitig: in der Palmstraße und auf dem Neuen Marktplatz. „Wir probieren das mal aus. Wir sind ja immer für Neues offen.“ Durch diese doppelte Startformation sollen „Löcher“ im Umzug vermieden werden. Und die Teilnehmer hätten eine kleine Pause, bevor sie in den zweiten Umzugsblock wechseln. „Die können sich dann mal ein Päusle gönnen“, erklärt Lindemer.
Warum es beim Umzug zu „Löchern“ kommt
Apropos Pausen: Warum kommt es beim Umzug immer mal wieder zu Verzögerungen, wollen wir vom Experten wissen.
Viele Cliquen hätten ihre fest einstudierte Laufgeschwindigkeit. Wenn es dann beispielsweise durch längeren Hexen-Schabernack mit den Zuschauern zu längeren Stops komme, holten die das nicht wieder ein. Ebenso müssten die Wägen je nach Enge der Strecke ihr Tempo drosseln– und könnten danach nicht Vollgas geben.
Durch die Umzugsneuerung hofft Lindemer aber, ungeliebte überlange Pausen in den Griff zu bekommen.
Wie man sich am Umzug verhalten sollte
„Wir sind eine lebendige Stadt“, sagt Lindemer, der sich über das bunt gemischte Publikum an der Strecke freut. Wie aber verhält man sich eigentlich richtig beim Umzug? Besonders freuen sich alle Aktiven, wenn auch das Publikum schön kostümiert ist. „Damit zeigen die Menschen ja, dass sie für unsere Fasnacht etwas übrig haben. Das ist eine tolle Sache.“
Lindemer sieht Lörrach da auf einem guten Standard – „ein bissl mehr dürften es aber gerne sein.“ Doch er zeigt Verständnis. In Lörrach gebe es viele Zugezogene, die mit den hiesigen Fasnachtsbräuchen nicht vertraut seien. Die müssten erst das richtige närrische Gefühl entwickeln. „Angesichts der kulturellen Vielfalt der Lörracher wird ja nicht in jedem Elternhaus Fasnacht praktiziert.“
Ein Ärgernis seien indes Zuschauer, die Absperrungen und Anweisungen ignorierten. Klar, dass manche Kinder auf Bonbonjagd im Eifer des Gefechts auf die Strecke liefen. Aber: „Die Eltern geben ihre Sorgfaltspflicht an der Umzugsstrecke nicht ab“, mahnt er. Es wäre ein Drama, wenn jemals ein Besucher beim Lörracher Umzug zu schaden käme – wie vor vielen Jahren in Basel. Sein Appell: „Halten Sie sich bitte an die Anweisungen des Umzugpersonals!“
Und da wäre dann noch das leidige Thema Pin. Für den Obergildenmeister ist es ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung, einen solchen zu erwerben.
Fasnachts-Pin: Bitte mit fünf Euro dabei
„Für die fünf Euro bekommt man schließlich tagelang unglaublich viel geboten. Das sollte drin sein.“ Damit finanziere man schließlich das Brauchtum, das Vereinsleben, die Geselligkeit. Ausreden bei fehlendem Pin hört das Personal an dem Eingängen viele – die meisten wenig überzeugend.
Keine harten Alkoholika, keine Glasflaschen
Auch Umzugsteilnehmer, die rucksackweise harte Alkoholika mit zum Umzug nehmen, sind ihm ein Dorn im Auge. Nichts gegen ein „Streckenbierchen“ – aber die Gastronomie und die Standbetreiber an der Strecke engagierten sich schließlich für das Großereignis. Und Glasflaschen seien sowie ein „No Go“.
Weit vorne – und das schon seit Jahren – sei man in Lörrach beim Thema Sicherheit. An den Eingängen gibt es Security, wie in Weil gebe es Terrorsperren. „Lörrach ist in puncto Sicherheit Vorreiter.“
Eine Frage des Respekts
In Michael Lindemers Augen eine Selbstverständlichkeit ist das Thema Respekt. Wer es klar ablehne, von Hexen oder Teufeln mitgeschleift zu werden, dem werde das auch zugestanden. „Von Schuheklauen halte ich nichts“, bekennt er. Ein Schuhbändel dürfe es aber schon mal sein. Oder eine Gesichtsbemalung. Und natürlich: die Konfettidusche.
Respekt ist Selbstverständlichkeit
„Das alles hat sich seit ,Me too’ deutlich positiv entwickelt“, bilanziert er. Ein klares Nein bedeute auch nein. Es gebe natürlich auch immer Teilnehmer, die es gerne darauf anlegen, dass mit ihnen Spaß gemacht werde. „Das spüren die Aktiven meist auch gut heraus“, weiß er aus Erfahrung. Sein Motto: „Man sollte sich am nächsten Tag auch ohne Maske gegenseitig in die Augen schauen können.“ Die Vorfreude des Obergildenmeisters steigt. Mit Blick auf das eher feuchte Wetter am Wochenende bleibt sein Humor knochentrocken. Schließlich lautet ja das Motto: „Kei Zyt zuem Jomere.“
Info: Umzug: Sonntag, 15. Februar, 13.30 Uhr
Auf einen Blick
Der Busverkehr
ist vom Lörracher Fasnachtsumzug betroffen: Die Haltestellen Senser Platz und Grabenstraße sowie Turmstraße und Palmstraße werden bereits ab Samstag nicht angefahren. Die Haltestellen in der Fußgängerzone Basler Straße – Herrenstraße, sowie am Senigallia Platz in der Spitalstraße und Weinbrennerstraße werden ab 10 Uhr nicht mehr angefahren. Der Buslinien fahren jeweils direkt zum Busbahnhof. Der Buslinienverkehr soll ab 20 Uhr wieder aufgenommen werden.