Der Zeller Hürus schreibt eine fasnächtliche Familiengeschichte fort, deren Anfänge mehr als hundert Jahre zurückliegen.
Dass der Zeller Hürus ein Edelmann ist, das weiß jedes Kind. Blaublütig wird er ab dem Moment, in dem er am Ölfte Ölfte ganz oben auf der Treppe steht. Bei „Hürus Axel vo edlem Bluet“ liegt die Sache etwas anders. Er entstammt einem alten Geschlecht, das bereits zwei Hürusse, einen „doppelten“ Prinzen und Gründungsmitglieder der Fastnachtsgesellschaft hervorgebracht hat. Hürus Axel schreibt also eine fasnächtliche Familiengeschichte fort, deren Anfänge mehr als hundert Jahre zurückliegen.
Axel Umber, wie der Hürus mit profanem Namen heißt, erblickte vor 48 Jahren das Licht der Welt, just in dem Jahr als sein Vater „Hürus Klaus vom Chuehloch“ in Zell die Narrengewalt inne hatte. Bereits 1970 schwang sein Onkel „Hürus Gerd vom Kalten Bühl“ das Hüruszepter. Sein Opa Max Umber sollte 1937 Prinz Karneval werden. Dieser rebellierte allerdings, weil er der Meinung war, dass ein Prinz Karneval in Zell nichts zu suchen habe und regierte deshalb die Fasnacht im selben Jahr als „Burgherr Maximilian von Zell“. Damals ein kühner Gedanke, doch das Zeller Narrenvolk war noch nicht bereit, eine solche Veränderung wirklich anzunehmen und pochte auf einen Prinzen. Deshalb wurde Max Umber im Jahr danach einfach nochmal zum Prinzen Karneval von Zell gekürt. Ob Prinz oder Burgherr, eines war bei Opa Max ganz klar: Als eingefleischter Grönländer trug er das Wappen der Talvogtei Grönland bei beiden Regentschaftsjahren stolz auf seiner Brust. Zwei weitere Vorfahren von Hürus Axel waren bereits seit der Gründung der Fastnachtsgesellschaft in den 1920-er Jahren im FGZ-Präsidium aktiv.
Hürus Axel wohnt seit vier Jahren in seinem Haus auf dem hügeligen Terrain der Vogtei Sunneland, direkt unterhalb des Gotterölls. Von dort genießt der alleinstehende Hürus nicht nur das sonnige Kima dieser Vogtei, sondern auch den großartigen Ausblick weit über die ehemalige vorderösterreichische Grenze hinweg ins Wiesental bis hin zu den Berner Alpen. Die weite Sicht passt zu seiner Weitsicht, die er beruflich braucht. Beim Besuch unserer Zeitung kommt er gerade von einer Geschäftsreise aus Taiwan zurück. Als Mitarbeiter der international tätigen Firma Busch, ist er für die weltweite Einführung einer firmengruppenspezifischen Software zuständig. Auch in Taiwan hatte sich zuvor herumgesprochen, wer in Zell Hürus ist und so wurde Hürus Axel dort nicht nur als Softwarespezialist, sondern auch als Hürus empfangen.
Axel Umber hat, zusammen mit seinem Mittelstädter Freund Daniel Greiner Maschinenbau studiert und arbeitete danach als Vertriebsingenieur. Seit 2017 ist Axel Umber in den einzelnen Landesgesellschaften seines Arbeitgebers weltweit für die Implantierung verschiedener Softwares verantwortlich. Im Obertal aufgewachsen kam er durch die Freundschaft zu Daniel Greiner zum Fasnachtmachen und in die Fastnachtsgemeinde Mittelstadt, wo er seit 2003 aktiv ist. Kurz nach seinem Eintritt in die Mittelstadt wurde er dort auch zum „Gmeirot“ gewählt. Seit über zehn Jahren ist er zudem Vizevogt der Mittelstädter.
Talentierter Schauspieler
Vielen Zellern dürfte Axel Umber auch als Schauspieler bekannt sein. Bereits beim ersten Freilichtspiel „Ein Tag im April“ im Jahr 1996 war er als Statist dabei. Mit den Jahren wurden seine Rollen größer. Nach mehreren Freilichtspielen folgten Theaterdinner und zuletzt sah man ihn 2017 in der Komödie „Verliebt, verlobt, verheiratet“ in seiner Paraderolle als Stanley Gardner. Das Stück wurde mit dem Landespreis Baden-Württemberg für Laientheater ausgezeichnet. Außerdem ist Axel Umber seit 15 Jahren im Vorstand des Wiesentäler Textilmuseums tätig und hat den Posten des Schriftführers inne.
Ein weiteres Hobby ist das Kochen und Grillen, das er fast schon professionell betreibt. Die Konsequenz daraus ist, dass er regelmäßig und mit eiserner Disziplin seine Trainingseinheiten im Fitnessstudio absolviert – denn, wer gern kocht, isst auch gern.
Axel Umber liebt Spielfilme, eine Leidenschaft, die wohl daher stammt, dass seine Eltern ein paar Jahre das Schopfheimer Kino betrieben und er als Jugendlicher an einem Wochenende denselben Film gleich mehrmals hintereinander sah. Um die 2000 Spielfilme aller Genres hat er in seinem Heimkino gesammelt und gespeichert.
Wie wird nun jemand Hürus, dem, rein fasnächtlich gesehen, bereits edles Blut durch die Adern fließt? Bei Axel Umber klingelte kurz vor Chilbi das Smartphone und auf dem Display leuchtete ihm der Name „Peter Mauthe“ entgegen. Da andere Personen in seiner Nähe eventuell mithören könnten, drückte er das ankommende Gespräch einfach weg. Er suchte sich einen Ort, wo er ungehört sprechen konnte und rief den FGZ-Präsidenten Mauthe zurück. Der sagte nur: „Du chasch dr denke, warum i agruefe ha?“. Ja, das konnte er sehr wohl. „Und, dätsch es mache?“ war die zweite Frage von Peter Mauthe. Die knappe Antwort war: „Jo!“. Selbst für den erfahrenen „Hürusmacher“ Peter Mauthe kam diese Antwort überraschend schnell. So wurde aus Axel Umber „Hürus Axel vo edlem Bluet“.
Da der so auserkorene Hürus alleinstehend ist, konnte er sich in den Wochen vor dem Ölfte Ölfte mit niemandem austauschen. Denn, wer Hürus wird, ist das strengst gehütete Geheimnis in Zell. Aber Hürus Axel war sich sicher, dass er mit der Mittelstadt eine Vogtei hinter sich hat, die ihn in jeglicher Hinsicht unterstützen wird. Vor allem die Familie um seinen Freund Daniel Greiner, der selbst auch schon Hürus war, steht voll und ganz hinter ihm. So endeten die stillen Wochen des Schweigens und der Geheimniskrämerei am Ölfte Ölfte mit einem fulminanten Empfang von „Hürus Axel vo edlem Bluet“ und Mittelstädtern, die sofort und freudig in die Startlöcher gingen, um „ihren“ Hürus zu unterstützen.
Start mit „Doppel-Wumms“
Die vorbereitenden Arbeiten sind inzwischen weitestgehend beendet, so dass die heiße Phase seiner Regentschaft beginnen kann. Der offizielle Auftakt startet für ihn gleich mit einem „Doppel-Wumms“ am Samstag, 17. Januar: Da wird er am Bunten Abend der Narrenzunftt Atzenbach und am Chappeobe der Vogtei Paradies empfangen werden.