Sie bringt frischen Wind in die Weiler Fasnacht: Sarah Himmelsbach, Zunftmeisteranwärterin der Narrenzunft Wiler Zipfel. Foto: Veronika Zettler

In der Weiler Fasnacht hat sich eine kleine Revolution vollzogen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Narrenzunft Wiler Zipfel könnte eine Frau Zunftmeisterin werden.

Seit der Fasnachtseröffnung am „Ölfde-Ölfde“ geht Sarah Himmelsbach durch eine Art närrische Bewährungsphase, die „Stiftzeit“, die sich über fünf Jahre ziehen kann.

 

Die 24‑Jährige ist in dieser Zeit offiziell Zunftmeisteranwärterin – und sie steckt viel Herzblut in ihre neue Rolle.

Denn Sarah lebt und liebt die Weiler Fasnacht von Kindesbeinen an. Selbst notorische Fasnachtsmuffel lässt ihre Leidenschaft für die fünfte Jahreszeit nicht ganz kalt.

Seit ihrem neunten Lebensjahr ist Sarah Mitglied der Wiler Mooswaldsiechä. Schon ihr Opa war im Vorstand der Clique und auch Mutter, Onkel, Tante und Cousins sind dort seit vielen Jahren aktiv.

Was sie an der Fasnacht so schön findet? „Den Zusammenhalt und das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Familiäre und Freundschaftliche“, sagt die Studentin. Eine Fasnachtsclique sei wie ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt und sich alle gegenseitig unterstützen.

Die Idee, Zunftmeisterin zu werden, kam ihr ausgerechnet während eines Zunftabends: In einem Sketch hatten sich die männlichen Darsteller einmal mehr als Frauen verkleidet – und zwar als Bewerberinnen für ein Zunftmeisterinnenamt.

Zunächst stoßen sie in der Szene auf Ablehnung, dann auf immer offenere Ohren. So sprang der Funke über: „Ich dachte, ich probier’s einfach mal“, erzählt Sarah. Sie schrieb eine Mail an Oberzunftmeister Dietmar Fuchs und wurde prompt zu einer Sitzung eingeladen.

Keine Widerstände

Widerstände habe sie bislang keine erlebt, im Gegenteil: Nach ihrem Auftritt als Zunftmeisterin in spe erreichte sie eine „große Welle an Zuspruch“ aus Zunft und Publikum, mit vielen Gratulationswünschen und Komplimenten. Ohnehin gebe es inzwischen auch andernorts vermehrt weibliche Anwärterinnen in den männerdominierten Narrenzünften. Und Sarah hofft, dass sich auch in Weil noch weitere Kandidatinnen melden werden.

Im Häs der Wiler Mooswalsiechä: Sarah Himmelsbach Foto: zVg/Sarah Himmelsbach

Als Zunftmeisteranwärterin kommen zwar viele neue Termine auf sie zu, doch das schreckt sie nicht, denn zwischen Narrentreffen und Fasnachtsumzügen fühlt sich die Weilerin zu Hause. Vor allem steht sie bei den kommenden vier Zunftabenden selbst als Schauspielerin auf der Bühne. Theatererfahrung hat sie reichlich gesammelt, sie spielte schon in der Theater‑AG am Gymnasium gern. Auch die Zunftabendbühne ist ihr nicht fremd, denn dort gastierte sie mehrfach als Mitglied der Tanzgruppe des TV Weil, dem sie ebenfalls seit vielen Jahren angehört. „Ich bin halt ein Vereinsmensch“, sagt sie lachend.

In Sketche eingebracht

Wenn sie nicht gerade im Häs steckt oder für die Zunft probt, schreibt Sarah Himmelsbach an ihrer Masterarbeit an der Uni Freiburg. Und weil sie als Germanistin gute Geschichten liebt, tragen auch zwei Sketche beim Zunftabend ihre Handschrift. Im November war sie mit den Zunftmeistern auf einem Klausurwochenende in Neuenburg, wo alle an den Texten gearbeitet haben.

Bis zur Premiere am 30. Januar bleiben die Beiträge natürlich streng geheim, doch so viel verrät Sarah Himmelsbach: Beide Nummern seien nah am Alltag, jede Altersgruppe könne etwas damit anfangen. Dass es „tolle Zunftabende“ werden, davon ist sie ohnehin überzeugt: „Das Programm ist spannend, schön und bunt gemischt.“

Karten gibt es aktuell im Vorverkauf über die Homepage, bei René Winzer unter Tel. 07621/77224 und per E-Mail an narrenzunft.wiler-zipfel@t-online.de.