Die Düpflischisser mit Dietmar Fuchs und Andreas Kiesewetter (rechts) am ersten Schnitzelbangg-Abend Foto: Monika Merstetter

Die erste der drei Touren des Weiler Schnitzelbangg-Singens ging am Samstag über die Bühne. Traditionell ziehen die zehn Gruppen von Beiz zu Beiz.

Auch wenn es eng wird, zwängen sie sich in ihren Kostümen und mit den Helgen durch das Publikum – und ernten sogar Applaus, wenn die eine oder andere fasnächtliche Dekoration beim Umschlagen des Banggs von der Decke fällt, als gehöre auch das zum Programm.

 

Im fasnächtlich dekorierten Vereinsheim des Spielmannszugs überreichten der Vorsitzende der Narrenzunft Wiler Zipfel, Dietmar Fuchs, und der Vorsitzende der IG Straßenfasnacht, Andreas Kiesewetter, die Jahresorden an alle agierenden Teilnehmer. Letzterem wurde anlässlich seines Geburtstags gleich zu Beginn ein Ständchen gesungen. Dem wurde sogar noch eins draufgesetzt, als sein Bruder Dominik von den Bacchusbuebe auftrat.

Eine steile Vorlage hat natürlich die Lörracher Querele um die Fasnacht geliefert, ebenso die Genehmigung für ein Bordell. Das Thema Trump wurde, bis auf verschiedene lustige Vorschläge zu Grönland, zurückhaltend verwendet. Ansonsten waren die Themen erfrischend sehr breit gefächert – von regional bis international.

Dr Schnurefridli un si Knecht brachten das Publikum gleich mit ihrem Gute-Laune-Auftritt auf Touren. Vorne, hinten, rechts, links und überall, das Publikum machte begeistert mit. Die beiden „Gopfedeggel, mir sin scho verrugti Seggel“ waren im deutschen Zug zu Fuß unterwegs und kamen nur 70 Meter vorwärts. Viel Applaus gab es für den Nikolaus, der durch den Kamin, aber nicht durch die Wärmepumpe passt, und den Vorschlag zur Bekämpfung der Tigermücken und Japankäfer. Mit Carpendales „Hello again“ freuten sie sich schon aufs nächste Jahr.

Neues Kostüm

D‘ Düpflischisser im stetigen Wandel überraschten mit neuem farbfrohen Kostüm. Dazu lieferten sie einen „Gangsta Rap“, der „Hey Braa – daaas crazy“ voll rüberkam. Dramatisch zur Melodie „Rider’s on the storm“ präsentiert, war zu befürchten, dass nach der Veggie-Wurscht auch d‘ Fleischtomate verboten werden. Genauso dramatisch sahen sie die Aufnahme einer Frau bei der Narrenzunft. Ob die sich noch Wiler Zipfel nennen dürfen? Bei aller Tragik brachten sie jedoch auch mit der Gute-Laune-Übung vorne, hinten… das Publikum zum begeisterten Mitmachen.

Blick nach Lörrach

Sehr gut aufeinander eingespielt war das Trio der Mooswaldsiechä. Welches Lied eignet sich besser als Lili Marlen zur Einrichtung an der Lörracher Wiesentalstraße mit ausführlicher Beschreibung, wie es darin zugeht: „Rubble, schrubbe, bürschte, es sprützt un es isch nass…“ Egal, was in den Köpfen für Vorstellungen waren, „es isch numme eine si Karre wäsche gsi“. Ein absoluter Höhepunkt war die Beschreibung des neuen Arkadien River Gate in Friedlingen. Ausführlich ließen sie sich über das Exposé aus und empfahlen dringend, da mal zu googlen. „Des Filmli zeigt, wie me Fremdi verseggle cha.“

Andreas Kiesewetter mit Geburtstagskuchen und den zu vergebenen Jahresorden Foto: Monika Merstetter

Seit 20 Jahren drücken die drei Riisneegel ihre spitzen Zwecken gnadenlos in offene Wunden. Die passenden Masken und die Erkennungsmelodie nach dem WM-Hit 2006 der Sportfreunde Stiller sind bis heute unverkennbare Markenzeichen. „Jo dr Röne und dr Däni und dr Markus – sit 20 Johr debi un so stimmet alli i…“ – lautstark sang das Publikum mit. Präzise eingeübt, gab es kaum Striche für ein Hängenbleiben, was traditionsgemäß eine Runde Campari-Soda bedeuten würde. Wie gewohnt, aber jetzt neu mit Smartphone, beackerten sie hauptsächlich lokale Themen und landeten einen Volltreffer nach dem anderen. Sie warfen mit Schweizer Franken um sich und gaben gratis den Tipp, dass sie nur bei einer Probe auch 350 Menschen in die Halle bringen würden, wie beim ESC-Event „für e bizzli Friede“, wofür 1100 Besucher beim Kino-Open-air zum Opfer fielen.

Bunte Fingernägel

Die Rhy-Deufel Schnitzelbangg versprühte Lebensfreude pur. Mit Leierkastenbegleitung beackerten sie Themen von der Umbenennung der Spielplätze in Aktionsfläche und traten selbst mit bunt bemalten Fingernägeln auf, da es „im schöne Wiil am Rhy ä großi Vylfalt an Manikür-Schuppe gitt, bis zur Happy-End Massage“. Nicht zum Ziel führte „Hey Mr. Präsident… Grönland isch not for Money z’ha. We have checkt, es isch uns klar, nidmol you wotsch Lörrach ha.“

Tierisch gut

Das Chörli vermutete, dass nun, nach der Veggie-Wurst, Brüssel auch den Schnitzelbängg an den Kragen will. Doch den könnten die nichts anhaben, die seien alle tierisch gut. Dass sie erst aufgrund derselben Software, die auch Stuttgart verwendet, gemerkt haben, dass sie nur zu zweit und nicht zu viert unterwegs sind, erntete Lacher. Genauso wie, dass nachdem die Spanferkelgaudi beim Schliengener Hieber „d‘ Basler Tierli Safe Aktiviste“ zum Opfer fiel, auch „d‘ Entli von de Ente-Regatte“ gerettet werden.

Einen guten Einstand gaben die drei Bacchus-Buebe bei ihrem ersten Auftritt. Sie nahmen sich den Strafzetteln in Birsfelden an, die ausgestellt werden, wenn weniger als 15 Minuten geparkt wird. Sie empfahlen für Weil, „die Regle umzudrülle“ und die Schweizer zur Kasse zu bitten, „do chönnt m’r Kasse fülle“. Neben der Verballhornung des Hobby-Horsings, erntete die „Liebelei zwischen Lindemer und Lutz“ genauso viele Lacher. Der Refrain „Jetz trink mr no e Gläsli Wii…“ kam sehr gut an.

Die Getto Singers im 50. Jahr zeigten sich mit ausgefeilten Reimen und außergewöhnlichen Helgen. Wer möchte nicht das Geld bei ihnen statt in den unsicheren Safes von Banken lagern, auch wenn es auf Nimmerwiedersehen weg ist. Herrlich war das neue „Dänkmol wie bim Tell im Hebelpark – Herr L un L vo L“. Dass der Reim auf den Hund, der alleine im Zug von Haltingen nach Freiburg fuhr, gerade im „Vogtskeller“ für große Lacher sorgte, da man dort den Fall kannte, war ein Volltreffer. Den meisten Beifall gab es für die Großbaustelle Vitra, wo ein Teich entsteht, der eigens als Laguna für Eidechsen gebaut werde.

Papagei trägt die Helge

„Nämmet euch doch jetzt e klei weng Ziit für d‘ Rhy-Pirate“ – dem folgten die Gäste gerne. Auch beim „Weisch du wie das isch“ folgten sie gerne durch Weils Schlagloch-City, auch wenn es an Weihnachten dunkel ist. Wohl weniger werden sie den beiden nach Anblick der Helge auf die Laguna-Rutsche folgen. Heftigen Applaus gab es für die Feststellung: „Es duet sich wieder richtig lohne, im sichere Friedlinge z‘ wohne.“ Auf die diesjährige Fasnachtslosig „Eifach emol d‘ Schnure halte“ gingen fast alle Gruppen ein. Von den Rhy-Pirate explizit vom helgentragenden Papagei „luege, lose, Schnure halte“ hervorragend zelebriert.

Geflüchteter Pinguin

Gut vorbereitet unterbreiteten die Quärulante ihren Bangg. Über Alltagsprobleme müsse endlich mal geredet werden, wie den Elektroroller-Goof, von dem sie auf der Anfahrt geschnitten wurden. Und als sie ihm zuriefen „Mensch, fahr zur Hölle“, meldete sich das Navi, ob sie wirklich auf Lörrach wollten. Genauso zogen sie über die Politik her: Die AfD wolle die Frauen wieder hinter dem Herd sehen, „das isch echt biireweich, wenn d‘ Schalter vorne sinn“. „Bi de Narrezunft, au bi de dütsche Bahn, sorgt e Frau jetzt für d’Züekunft“ – das wäre gefährlich aufgrund der Vogelgrippe. Und dass jetzt auch noch ein Pinguin als erster Flüchtling aus Grönland auf einer heimischen Terrasse auftauchte, setzte allem eine Krone auf.