Bei der Rotsuppe im Engelisaal im Gasthaus „Schwanen“ begeisterte die Narrenzunft Wiler Zipfel mit Witz und Humor, aber auch mit Vorträgen, die nachdenklich stimmten.
Unter den Besuchern war viel Prominenz auszumachen.
Oberbürgermeisterin Diana Stöcker, Bürgermeister Lorenz Wehrle, Alt-OB Wolfgang Dietz und Kanderns früherer Bürgermeister Bernhard Winterhalter sowie die Leiterin des Rechts- und Ordnungsamts, Ellen Nonnenmacher, und der Kulturamtsleiter Peter Spörrer waren unter den Gästen.
Die Gäste waren gespannt, wer wohl den Fuchsorden überreicht bekommen würde? Des Rätsels Lösung folgte kurz darauf: Zur Trägerin des Fuchsordens 2026 wurde Ellen Nonnenmacher gekürt.
Die frisch ernannte Füchsin (Fähe) schlug sich mit ihrem Beitrag wacker, was ihr viel Applaus einbrachte. Das Programm eröffnete Oberzunftmeister Dietmar Fuchs, der als „Ä Bsuech us Köln“, gewappnet mit einem Glas Bier im Lachefass auftrat.
Sein Karnevalsverein habe sich auf die Fahne geschrieben, die Wirtschaft zu stärken. Genau genommen war die Gastwirtschaft gemeint.
Von der Zugfahrt nach Weil am Rhein und dem „unverbindlichen Fahrplan mit Abfahrtsempfehlung und Gleisvorschlag“, berichtete der leicht angesäuselte Jeck. Für die kommende Landtagswahl empfahl er, sich einen Spaß zu erlauben und aus der Wahlkabine heraus neues Klopapier zu verlangen.
Im Stadtbild deplatziert
Die Fastentage nach Aschermittwoch, wenn kein Alkohol mehr getrunken werden dürfe, könne sehr gut mit Mon Cheri überstanden werden. Für seinen gekonnten, witzigen Auftritt erhielt Fuchs viel Applaus.
Sehr gut, kritisch und mit dem Finger auf die Wunden dieser Welt zeigend, war der Vortrag von Zunftmeister Peter Guggenbühler.
Mit der alemannischen Sprache käme man sich im Stadtbild völlig deplatziert vor, stellte Guggenbühler fest. Ob Politiker, denen er bis zur Wahl empfahl gemäß dem Motto: „d’ Schnurre z’halte“ oder der kritische Blick auf die Sondervermögen des Bundes und die Stadt Weil am Rhein, der Vortrag stimmte nachdenklich.
Die Schweiz sollte in ein großes Meer verwandelt werden und Lörrach dazu, das sei möglich, wenn die OB das Sondervermögen in die Umleitung des Rheins nach Süden stecken würde. Und, natürlich, kein Vortrag ohne einen kleinen Seitenhieb auf die Weiblichkeit. „Frauen sind die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert“. Dass dieser Spruch angesichts der Mehrzahl der Männer im Saal ankam, war klar.
Frauen im Lachefass
Erstmals im Lachefass stand Gabi Eberhardt, die von ihrem Erlebnis im Garten berichtete.
Eine Überraschung hatte die Oberbürgermeisterin mitgebracht. In wohl gesetzten Worten, begleitet von sehr schönen Helgen, zeigte Diana Stöcker auf, was passiert, wenn das Geld, die Knete, das Moos in der Stadtkasse fehlt. „Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld?“, begeistert sangen die Gäste im Saal den Refrain mit.
Da im Betriebshof das Personal fehle, putze sie nun selbst. Bürgermeister Wehrle packe beim Graben an Baustellen mit an. Die überfüllten Altkleidercontainer könnten vermieden werden, wenn die Leute weniger kauften.
Alemannisch für Anfänger
Das Sparen, der Klimawandel, Sanieren statt Neu bauen und schließlich Trump, der die „Schnurre halten und aufhören zu spalten“ solle, waren Themen des OB-Vortrags. „Weniger Worte, mehr Verstand, dann kann man auch hier sparen, ganz elegant“, stellte Stöcker fest. Mit Blick auf den Zunftmeisterauftritt in Frauenkleidern , lobte Stöcker die „junge Gesellin“. Auf diese Art würde auch an Schminke für den „Zunftmeistermann“ gespart werden können.
Was man im Ruhestand so alles anstellt, das wusste Bernd Winterhalter, der „Vogt vo Chander“, zu berichten. Einen Alemannischkurs für Neubürger und seine Folge präsentierte Winterhalter mit seinen unvergleichlichen trockenen Humor.
Nach dem Kurs hätte der Mann aus dem Norden immerhin ein Viertele Glas von einer Maggi Flasche unterscheiden können.
Lörracher bekamen ihr Fett weg
Und dann bekamen die Lörracher noch ihr Fett weg. „Siehst Du einen Lörracher am Boden liegen, blas ihn auf, und lass ihn fliegen“. Damit hatte Winterhalter einmal mehr die Lacher auf seiner Seite.
Analog oder digital? In ihrem Sketch nahmen Christian Olivieri und Dietmar Fuchs die sich verändernde Zeit auf die Schippe. Da wollte Olivieri eine alte Schreibmaschine reparieren lassen, dass der Zugang zur digitalen Welt hier nicht mehr möglich ist, wurde spätestens im Vergleich klar.
Auf jeden Fall stellten sie am Ende fest, mehrere Dutzend Computer seien verschlissen worden während das alte Schreibgerät noch immer funktioniere.
Susann und Jäggi aus der Schweiz, wer kennt sie nicht? Spätestens nach den Zunftabenden weiß jeder, mit wie viel Witz und Humor René Winzer als Susann und Hans-Rudi Lienin als Jäggi zur besten Unterhaltung beitragen.
Einen Jodlerlehrgang, Bingo, bei dem Parkplätze in Weil gewonnen werden konnten – die zwei Akteure sprühten nur so vor Einfällen. So gab es beispielsweise auch eine Privataudienz bei der OB mit Kaffee und Kuchen zu gewinnen.
Die erstmals in diesem Jahr am Zunftabend aufgetretenen „3-Länder-Laferi“ machten mit ihrem Vortrag den Schlusspunkt bei der Rotsuppe. Auch dieser Vortrag kam sehr gut an und wurde mit Applaus belohnt.
Verdiente Fuchsorden-Trägerin
An der Rotsuppe wurde der Fuchsorden an Ellen Nonnenmacher vom Rechts- und Ordnungsamt verliehen. Damit ist Nonnenmacher eine der wenigen Fähen seit der Verleihung des Fuchsordens. Die Laudatio verkündete Zunftmeister Kurt Ruser, bekannt für seine treffenden, gereimten Worte. Ruser ließ es sich nicht nehmen, vor der Verleihung noch einen Blick in Reime aus der Vergangenheit vorzutragen, die noch heute zutreffend sind.
So waren die Bahn und ihre Pünktlichkeit oder die bevorstehenden Wahlen, verbal witzig verpackt, in seinem Vortrag Thema. Dann war es soweit, die Laudatio zum Fuchsorden wurde verlesen.
Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Kompetenz bescheinigte Ruser der neuen Ordensträgerin, Ellen Nonnenmacher.
Für eine Schwäbin und dazu noch aus der Verwaltung sei dies eine besondere Ehre, sagte die neue Fähe.
Kurz und bündig, aber treffend
Dieser Orden sei nicht alleine ihr Verdienst. Vielmehr träfe das Motto zu „das Beste ist, wenn man miteinander schwätzt“. Und so werde sie jetzt ihre „Schnurre“ halte, bevor sie am Ende noch etwas über Lörrach sage. Kurz, bündig und dennoch vom Inhalt treffend war die Rede von Ellen Nonnenmacher. Sie ist eben keine Frau der großen Worte sondern eine Frau, die Taten sprechen lässt. Das verdient den Fuchsorden, so die Meinung der Gäste.