Beim Werkeln am Kranz des Narrenbaums in luftiger Höhe stellte Zsolt Istenes von den Altwiler Räbbuure seine Kletterkünste unter Beweis. Foto: Anita Indri-Werner

Am Samstag wurde der Narrenbaum auf dem Altweiler Lindenplatz gesetzt, begleitet von einer großen Schar Fasnachtsbegeisterter und Bürgermeister Lorenz Wehrle.

Seit 45 Jahren ist das Narrenbaumsetzen eine schöne Tradition, mit der die Weiler Buurefasnacht eröffnet wird.

 

Zeugen des Geschehens waren neben Bürgermeister Lorenz Wehrle Alt-Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, Oberzunftmeister Dietmar Fuchs, Narrenvogt Oliver Brüderle sowie der Lörracher Obergildemeister Michael Lindemer.

Vor Ort war auch Ellen Nonnenmacher vom Ordnungsamt, welche die Narren bei allen Belangen verlässlich unterstützt, wie allseits zu hören war.

Bevor es losging, lag ein ordentliches Stück Arbeit vor Narrenbaumbammert Max Nordmann und seinen Helfern. Im Einsatz waren die Altwiler Räbbuure, der Spielmannszug, die Rhy-Waggis und viele Freiwillige.

Hästräger der Weiler Fasnachtscliquen, Narrenfreunde und Schaulustige fanden sich schon lange vor Beginn ein, um einen guten Platz zu ergattern.

Zu Guggen-Klängen wird die Tanne auf den Platz getragen

Dann war es soweit: Die Guggemusik Notehobler zog mit fetzigen Klängen als Vorhut auf den Platz. Dahinter folgten etwa 30 Männer, die die 23 Meter lange und 690 Kilogramm schwere Weißtanne auf den Platz trugen.

Unter den Augen vieler Zuschauer wird die 23 Meter lange Weißtanne auf den Platz getragen. Foto: Anita Indri-Werner

Einfach gestaltete sich dies jedoch nicht, da der respektable Baum wegen des Brunnens erst einmal in die richtige Position getragen werden musste. Dass die Last schwer war, war den Trägern anzusehen.

Nach zwei komplizierten Wendemanövern, konnte die mit bunten Bändern geschmückte Tanne endlich auf einem Träger abgelegt werden.

Nun wurden Seile befestigt, die von verschiedenen Seiten während dem Setzen den Baum fixierten.

Unter den Augen des Narrenbaumbammerts werden die Stickel angesetzt

Die ersten Stickel, das sind Holzstangen, die an der Spitze durch eine Kette miteinander verbunden und am unteren Ende mit Haltegriffen versehen sind, wurden angelegt. Insgesamt kamen sechs unterschiedlich starke Stickel nacheinander in den Einsatz.

Mit Stickeln wird die Tanne in Position gebracht. Foto: Anita Indri-Werner

Der Narrenbaumbammert hatte stets ein Auge darauf, dass der Stamm in die richtige Richtung, nämlich in das vorgesehene Loch, rutscht.

Die Basler Guggenmusik Räpplischpalter, die den Baum gespendet hatte, unterhielt derweil das Publikum mit stimmig-schrägen Blechbläser-Klängen.

Gespannt beobachteten die Zuschauer jeden Ruck, der den Baum nach und nach in die Senkrechte brachte.

100 gebratene Spiegeleier kamen unter die Leute

Hartmut Dauter und Hans-Peter Bader brieten inzwischen in einer gusseisernen Pfanne über dem Feuer Spiegeleier. Diese wurden an die Zuschauer verteilt, was sehr gefragt war – 100 Eier kamen so unter die Leute.

Währenddessen ging Nordmann immer wieder die Hebestrecke ab. Dabei wurde er von einigen erfahrenen Narrenbaumstellern auf das eine oder andere sich möglicherweise ergebende Risiko hingewiesen. Allerdings: Die Last der Verantwortung und die letzte Entscheidung lag allein bei ihm.

Die Ehrengäste vor dem Museum am Lindenplatz Foto: Anita Indri-Werner

„Achtung“ – bei diesem Ausruf richtete sich die ganze Aufmerksamkeit der Helfer auf Nordmann. Mit „Hau ruck“ stieg der Stamm ein bisschen höher.

Mit zwei Eisenstangen, die an der Spitze so geformt waren, dass sie die Stickel stützen konnten, wurden die Holzstangen zusätzlich fixiert.

Die Spannung steigt bis zum befreienden Applaus

Der Stamm stand schon fast senkrecht, zum zweiten Mal: „Hau ruck“ – ein Raunen ging durch die Reihen der Zuschauer. Aber, nein, noch hatte es nicht geklappt. Drei Mal „Hau ruck“ waren nötig, die Zuschauer fieberten mit, dann endlich rutschte der Narrenbaum in die richtige Position, der befreiende Applaus erscholl.

Unterdessen spielte die Guggemusik Notehobler kräftig auf und sorgte so für beste Stimmung auf dem Lindenplatz.

Die Guggemusik Räpplischpalter aus Basel, die den Baum gespendet hat Foto: Anita Indri-Werner

Als nächster Schritt galt es, mit Keilen den Stamm so zu sichern, dass er fest im Boden stand. Nun fehlte noch der Kranz, an dem die verschiedenen Weiler Cliquen zu sehen sind. Gebunden wurde er wie jedes Jahr von der Gärtnerei Bache.

Nun folgte „Istis“ – gemeint ist Zsolt Istenes von den Altwiler Räbbuure – Einsatz. Bereits im achten Jahr stellte er seine Künste als behänder Baumkletterer unter Beweis.

Am schmalen Stamm emporgeklettert

Flink kletterte „Isti“ den spiralförmig geschälten Stamm mit 28 Zentimetern Durchmesser hinauf. Nach und nach fielen alle Seile zu Boden. Der Kranz hing gesichert am Stamm und für seine Leistung erhielt der Baumkletterer großen Applaus aus den Reihen der Zuschauer.

Die Mannschaft der Narrenbaum-Steller (kniend Zsolt Istenes, der den Kranz befestigte, dahinter im Zimmermannsgewand stehend Max Nordmann der Narrenbaumbammert) Foto: Anita Indri-Werner

Andreas Kiesewetter, Vorsitzender der IG Straßenfasnacht, dankte allen Beteiligten, die sich mit dieser gelungenen Aktion erneut um das Brauchtum der Wiler Buurefasnacht verdient gemacht haben. Anschließend wurde kräftig gefeiert, denn ein Narrenbaum wird nur einmal im Jahr gestellt.

Ehrungen vom Narrenverband

Noch bevor der Narrenbaum auf dem Lindenplatz gesetzt wurde, fanden Ehrungen verdienter und engagierter Narren durch den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte statt. Eine besondere und seltene Ehrung wurde Hans-Peter Tretter von den Wiler Rhy-Waggis ausgesprochen. Tretter, der 1982 zu den Wiler Rhy-Waggis kam und sich dort im Vorstand verdient gemacht hat, erhielt den Orden „E halbes Läbe“, die höchste Ehrung durch den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte. Den Orden in Gold verlieh Narrenvogt Oliver Brüderlin an Frank Schaller, Hansjörg Hurst, Karin Hurst, Claudia Dreher, Peter Dreher, Andreas Keßle und Beate Motz . Silber gab es für Linda Hallbaur, Nicole Kupfer, Hildegard Kreßler, Jürgen Eberhardt, Claudia Baum und Michaela Rosentretter.