Im Wagenbau-Schopf der Kulturfabrik in Schopfheim wird seit Ende November eifrig gewerkelt. Die Wagenbauer sind dreimal wöchentlich zugange.
„Mach mir bitte noch einen Stuhl ohne Männle“, sagt Frank Hobucher zu Silke Bolz, die gerade mit einer Handvoll Mini-Stühlchen um die Ecke kommt. Den passenden Tisch dazu wolle er später selbst zimmern, meint der Vize-Vogt des Städtlizinkens – die Garnitur werde eine kleine Schlüsselrolle bei „unserem diesjährigen Thema spielen“.
Seit Ende November wird im Wagenbau-Schopf der Kulturfabrik wieder emsig gehämmert, gestrichen, geklebt und gewerkelt. Dreimal pro Woche finden sich Wagenbauer des Auma-, Sternen- und Städtlizinkens ein. Die Kollegen vom Hexenzinken bauen auf dem Vereinsareal in Gündenhausen, und der Schlattholzzinken sei in Eichen zugange, erklärt Hobucher.
Arbeiten laufen auf Hochtouren
Seine Truppe um Zinkenvogt Markus Weiß war an diesem Morgen als erste da. Um 10 Uhr liefen die Arbeiten an jedem Wagen auf Hochtouren, bis zum Mittag wurde viel geschafft. Der Städtlizinken werde am Umzug mit zwei Wagen vertreten sein, gibt Hobucher bekannt. Schließlich hat der Zinken angesichts bester Prämierungen in der Vergangenheit einen Ruf zu verteidigen. In manchen Jahren, wie 2025, gebe es indes nur einen. Zwei Wagen bedeuten, gebaut wird ein Vogt-Wagen und ein Motto-Wagen. Das neue Motto war eine klare Sache.
Statthalter als Fleischkäs- und Stichwortlieferant
Ein Stichwortlieferant sei in gewisser Hinsicht der diesjährige Statthalter „Max vom Viehmärt“ gewesen. Der neue Regent sei an diesem Vormittag bereits vorstellig geworden, um die Arbeiter mit Fleischkäs-Weckle zu versorgen, heißt es. Die Tatsache, dass nicht jedem – und den Narren schon gar nicht – die ein oder andere Entwicklung und Nicht-Entwicklung im Städtle gefällt – gilt bekanntlich als fantasie-anregende Angelegenheit. Folglich werde die bunte Wagenkolonne viel Stoff in Sachen Meinungsfreiheit aufweisen. Die Stühlchen nun sehen aus, als ob sie eine Menge mitgemacht haben.
Hobucher weist auf den ökologischen Aspekt. Alles, was Wiederverwendung finden könnte, werde aufgehoben. So kam das Mini-Sitzmöbel bereits beim letztjährigen Verwaltungszirkus und früher beim WM-Stadion zum Einsatz. Noch sind sie gelb, rot und blau. Die neue Farbe werde auf ein dunkles Grün rauslaufen, mutmaßt der Vize-Chef.
Handfeste Wegzehrung fürs Publikum
Auch Zinkenvogt Weiß steuert ein Indiz für die stets spannenden Auftritte am Umzug bei: Es werde nämlich Essen geben. Eine handfeste Wegzehrung fürs Publikum. Und er spreche nicht von irgendwelchen Knabbereien.
Andreas Gsell eilt vorbei, macht sich nützlich, bietet Besuchern Kuchen an. Hungern müsse niemand beim Wagenbau. Passivmitglieder bringen etwa Gebackenes vorbei, auch die Anwesenden selbst, denn die gesellige Note spiele eine Rolle, sagt Hobucher. Die Tür der Halle steht immer offen. Im Prinzip kann jeder einen Blick riskieren, aber das komme eigentlich nicht mehr vor. „Früher war der Aspekt der Geheimhaltung viel extremer“. Die Anwesenden wissen natürlich Bescheid. Man helfe sich auch mit Material. „Die Kameradschaft ist groß“.
Los gehts nach der Mottobekanntgabe
Die ersten Gedanken zum Wagenbau entstehen nach Bekanntgabe des Mottos. Von da ab stellen die Zinken ihre Ideen in ein Portal der Narrenzunft. Um doppelte Themen zu vermeiden. Die vielfältigen Geschehnisse lassen jedoch Spielraum. Am Wagen des Auma-Zinkens heißt es, weil die Obrigkeit bei Sitzungen in den heiligen Gemächern derzeit mal wieder zu lange auf einem Vorhaben herumkaue, biete man plastische Entscheidungshilfen. Dafür plünderten die Wagenbauer sogar den Wald – also den an der Kulturfabrik. Fünf weibliche Wagenbauer gibt es im Auma-Zinken, wie überall Damen und Herren anpacken. Auch Kinder sind vor Ort. Zwei kleine Jungs in Eins-A-Arbeitshosen flitzen durch die Gänge. „Die gehören zu mir“, sagt Matthias Stradinger. Auch die Tochter sei dabei, und alle drei besitzen Arbeitskleidung. Ob er Handwerker sei? „Nein, ein Koch“, lacht er. Groß und Klein sind auch am 15. Februar gefragt – zum großen Fasnachtsumzug mit neuen Wagen, die viel zu erzählen haben.