Der Güggel, eine Symbolfigur der Lörracher Fasnacht (Symbolfoto), deren Zukunft derzeit unsicher scheint. Foto: Adrian Steineck

In einer Stellungnahme äußern sich Stadträte kritisch zur Absage der Straßenfasnacht.

Die SPD-Fraktion, die Fraktion der Grünen sowie die Fraktion der CDU (ohne Stadtrat Escher) und Brombachs Ortsvorsteherin Silke Herzog (Freie Wähler) äußern sich in dem Schreiben gemeinsam „zur Absage der Fasnacht durch Obergildenmeister Michael Lindemer“, wie es wörtlich heißt.

 

Die Stadträte seien „von der durch den Obergildenmeister (OMG) gegenüber allen Ratsmitgliedern und der Verwaltungsspitze verkündeten Absage der Fasnacht 2026 zutiefst verwundert und enttäuscht“.

Die Pressemitteilung der Stadt vom 19. September sei ein wichtiger Schritt zur Klarstellung der Verantwortlichkeiten. „Trotz der stetig wachsenden Forderungen des OGM war es uns wichtig, eine Lösung zu finden, die sowohl den finanziellen Bedürfnissen der Straßenfasnacht als auch der angespannten städtischen Haushaltslage gerecht wird, damit die Fasnacht in gewohntem Rahmen stattfinden kann“, so die Kommunalpolitiker.

Dass Michael Lindemer den begonnenen Prozess durch seine Absage beendet habe, „sehen wir ausdrücklich als Fehler. Mit diesem Vorgehen gefährde er auf dem Rücken der knapp 1000 aktiven Narren sowie aller Freunde der Lörracher Fasnacht das Zustandekommen einer traditionsreichen Fasnachtssaison“, kritisieren die Verfasser. Eine „ehrliche, faire und auf Kompromiss ausgerichtete Diskussion“ erscheine ihnen als der einzige Weg, um eine Einigung zu erzielen.

Forderung unangemessen

Den Stadträten sei bewusst, dass die Straßenfasnacht eine angemessene Finanzierung benötige. Gleichzeitig sei eine faire Behandlung aller Lörracher Vereine wichtig. In Anbetracht der aktuellen Haushaltslage seien Maximalforderungen nicht vertretbar: „Eine Vervielfachung des bisherigen Zuschusses zu fordern, empfinden wir als unangemessen.“

Entgegen den schriftlichen Aussagen Lindemers, seine Anliegen seien „gekonnt ignoriert“ worden, hätten die Mitglieder des Gemeinderats jedes Gesprächsangebot genutzt, um Brücken zu bauen und ihre Kompromissbereitschaft deutlich zu machen: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, die Stadtverwaltung wolle die Fasnacht nicht unterstützen. Im Gegenteil: Persönliche Empfindlichkeiten dürfen nicht auf Kosten des Festwesens in Lörrach ausgetragen und damit die gesamte Stadtgesellschaft in Mitleidenschaft gezogen werden“, erklären die Unterzeichner.

Ihr Appell: „ Wir fordern daher alle Mitglieder der Narrengilde sowie die Mitglieder der der NGL angeschlossenen Cliquen und Guggenmusiken auf, die weiterhin eine Fasnacht in der Lörracher Innenstadt feiern wollen, mit ihrem Vorsitzenden, Michael Lindemer, ins Gespräch zu gehen“, damit die Fasnacht im kommenden Jahr in gewohnter Form stattfinden könne.

Freie Wähler verständig

Die Stadträte Matthias Lindemer und Jörg Müller (Freie Wähler) zeigen dagegen Verständnis „für die Entscheidung der Narrengilde, die Großveranstaltungen der Lörracher Fasnacht 2026 abzusagen“. „Dieser Schritt kommt nicht überraschend“, erklären sie in einer Stellungnahme.

Die beiden Freien Wähler kritisieren, dass Gemeinderat und Verwaltung die Entscheidungen über finanzielle Unterstützung für Einrichtungen, Vereine und Veranstaltungen zu lange verschleppt hätten. „Nun nimmt uns die Realität die Entscheidung ab – und die Konsequenzen sind schmerzhaft.“ Die Narrengilde habe frühzeitig darauf hingewiesen, dass ohne eine Erhöhung des Zuschusses die Durchführung der Großveranstaltungen gefährdet sei. Steigende Auflagen, verschärfte Sicherheitsanforderungen und wachsende Kosten hätten die Lage zusätzlich verschärft. „Doch statt konstruktiver Unterstützung erlebte die Gilde Misstrauen, hohe Auflagen und bürokratische Hürden“, kritisieren Müller und Lindemer. Besonders heben die beiden Stadträte hervor, dass die Straßenfasnacht komplett ehrenamtlich organisiert wird. Die Absage sei daher nachvollziehbar, schreiben die Freien Wähler in ihrer Stellungnahme.