Der Termin für die vorgezogene Bundestagswahl schmeckt den Zünften so gar nicht. Am 23. Februar stehen in der Region Umzüge an. Das sorgt für logistische Probleme, sogar eine Absage steht im Raum.
Am 23. Februar 2025 sitzt Nicole Baur in der Zwickmühle. Die Ortsvorsteherin von Sulz würde gerne im Wahllokal sitzen und bei der Bundestagswahl helfen, doch sie ist auch Närrin. Just an dem Tag soll in Sulz der Jubiläumsumzug 40 Jahre Ranzengarde über die Bühne gehen – und Baur ist als Vorstandsmitglied eingebunden.
„Das ist sehr unpraktisch“, kommentiert sie den Wahltermin. Sie hat Sorgen, dass sich nicht genug Wahlhelfer finden, aber auch Verständnis für jeden, der sich den Höhepunkt der Fasent nicht entgehen lassen will.
Mehr als 80 Zünfte, so Baur, werden an diesem Tag nach Sulz kommen. „Es gibt große Fragezeichen“, sagt die Ortsvorsteherin. „Da muss ein Grundsatzbeschluss her“, fordert sie und kündigt an, dass die Sulzer Zunft auch über den Narrenverband aktiv werden will. Mit der Stadt Lahr sei sie ebenfalls im Gespräch. Zwar brauche die Zunft an dem Wochenende keine Räumlichkeiten, die sonst Wahllokale sind, doch es müsse gewährleistet werden, dass die Sulzer die Lokale erreichen können. „Irgendeine Lösung gibt es immer“, zeigt sich Baur grundsätzlich optimistisch.
Anwohner könnten die Wahllokale nicht erreichen
Die Kollision von Bundestagswahl und Narrenumzug führt auch andernorts zu großen Sorgen – so etwa in Orschweier. Für den 23. Februar steht von 14 bis 18 Uhr der traditionelle Umzug der Narrenzunft Hornig auf dem Plan. „Der Umzug hat seit Jahrzehnten Tradition, es kommen stets viele Menschen“, erklärt Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz.
Die Entscheidung aus Berlin befremdet ihn. „Natürlich kann man bei einem solchen Termin nicht auf alles Rücksicht nehmen“, lenkt er ein. Doch gerade von den Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemberg oder Bayern hätte er sich mehr Sensibilität in Bezug auf die Fasent erhofft. Für die Vereine sei das bedauerlich und schade.
Sollte es beim 23. Februar bleiben, hält Benz eine Absage des Umzugs für nicht ausgeschlossen. Noch gebe es viele offene Fragen. Probleme könnten nicht nur Wahllokale an der Umzugsstrecke machen, Menschen müssten auch ihr Haus zur Wahl ohne Einschränkung verlassen können – was mit der großräumigen Absperrung der Straßen nicht immer machbar ist. Man könne Bürger zwar zur Briefwahl animieren. Aber zwingen kann man hierzu niemanden. Eine zeitliche Verlegung des Umzugs sei per se möglich, jedoch könnte der Umzug dann nicht in gewohntem Umfang laufen.
Abgeordnete sollen Einfluss nehmen
Der Bürgermeister hat sich an die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises gewandt – mit der Bitte, Einfluss auf die Entscheidung in Berlin zu nehmen. Schließlich habe der Bundestag den 23. Februar noch nicht offiziell bestätigt. Zudem hat sich Benz an Gemeindetag und Landratsamt gewandt. Letzteres muss für den Umzug am 23. Februar eine straßenrechtliche Genehmigung aussprechen. „Es sind viele Fragen aufgelaufen, die Drähte laufen heiß“, so Benz.
Achim Metzger, Pressesprecher der Narrenzunft Hornig, beschäftigt das Thema. Man stehe im engen Kontakt mit Stadt, Bürgermeister und Ortsvorsteher Bernd Dosch und habe auch schon im Vorstand Diskussionen geführt. Die Wahl sei natürlich wichtig. Sollte der Umzug aber abgesagt werden, wäre eine Verlegung auf einen anderen Termin definitiv nicht möglich. Zudem wäre es wirtschaftlich ein „herber Einschnitt“.
Potenzielle Auflagen für den Umzug werde man natürlich umsetzen. Es gehe nun darum, eine einvernehmliche Lösung zu finden. „Wir müssen warten, was kommt“, so Metzger. „Wir werden die Entscheidung akzeptieren.“
In Seelbach ist eine Absage des Fasentumzugs, der ebenfalls für den 23. Februar angesetzt ist, kein Thema. „Ich kann die Veranstaltung nicht canceln“, sagt Christiane Kupfer, Vorsitzende der Eulenzunft. Dabei geht es ihr nicht nur um die Emotionen: „Es kommen 2000 Hästräger und noch mehr Zuschauer. Es ist auch einfach eine Einnahmequelle“. Ein großer Diskussionspunkt ist der Zunftabend. Der ist für Samstag angesetzt – und findet traditionell im Bürgerhaus statt. Das war jedoch bei vergangenen Wahlen stets Wahllokal – und müsste am Sonntagmorgen um 8 Uhr hergerichtet sein. „Wir sind da im Austausch mit der Gemeinde“, so Kupfer.
Seelbacher Eulen wollen durchziehen
Sie hofft, dass sich eine Lösung findet, das Wahllokal umzusiedeln. Denn, betont sie, die „Eulen“ wollen die Fasent wie geplant durchziehen. Das Rathaus bestätigte am Mittwoch, dass Gespräche geführt werden. Es sei jedoch zu früh, Auskunft zu geben, welche Lösung man findet, erklärt Elke Albrecht-Pelz, persönliche Mitarbeiterin des Bürgermeisters.
Öffentlich war die Terminkollision bereits Thema im Ringsheimer Gemeinderat. „Wir schaffen das“, erklärte Bürgermeister Pascal Weber. Man habe genug Wahlhelfer. Allerdings sei der Brauchtumsabend der Narrenzunft ein Problem. Dieser wäre am Freitag und Samstag vor dem angesetzten Wahltermin im Bürgerhaus, in dem am Sonntagmorgen gewählt werden solle. „Wir werden mit der Narrenzunft reden, wie wir aneinander vorbeikommen“, so Weber. Das Wahllokal an einem anderen Ort zu verlegen sei möglich, aber er würde es nur ungern tun.
Das sagt der Kreis
Grundsätzlich schließt der Wahltermin eine zeitgleiche Fasnachtsveranstaltung nicht aus, heißt es aus dem Landratsamt auf LZ-Anfrage. Die Wahllokale müssen jedoch frei zugänglich sein, die Neutralitätspflicht eingehalten und der ordnungsgemäße Ablauf nicht gestört werden. Für die verkehrsrechtliche Genehmigung seien keine Probleme zu erkennen. Die Anträge der Veranstalter werden allerdings erst nach Abschluss der Weihnachtsmärkte bearbeitet. Bis dahin wäre geklärt, ob es einschränkende Vorhaben gibt, die es zu beachten gelte.