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Fantastische Vier in Freiburg DJ statt Vorband, Ohropax statt Krach

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Ich stehe in der Menschenmenge, vor mir wackeln zwei Frauen Ü-40 wild hin und her. Sie haben eindeutig viel Spaß an dem Konzert von "Fanta Vier" in Freiburg. Ich - mit meinen jungen 27 - fühle mich indes im falschen Film.

Der Abend begann schon sehr enttäuschend. Statt einer fetzigen Vorband betritt ein DJ die Bühne. DJ Thomilla steht immer wieder auf dem Bildschirm seines Mischpult-Tisches, damit auch der letzte Mensch im Publikum mitkriegt, wer denn hier auflegt. Was ich am Anfang als Warm-Up für die eigentliche Vorband gehalten habe, dauert dann eine gute Stunde: Lieder vom „Tonband“. Wer will bei einem Konzert auch schon Live-Musik hören?

Als dann endlich die Fantastischen Vier auf die Bühne kommen, ist meine Erwartungshaltung schon drastisch gesunken. Das Konzert beginnt. Mit ohrenbetäubendem Krach. Musik kann man das wirklich kaum nennen, was hier fabriziert wird. Der Sound ist so übertrieben laut und so schlecht abgemischt, dass ich von den Liedtexten rein gar nichts verstehe. Aber bei Hip-Hop spielen die Lyrics ja auch keine Rolle. Hauptsache fetter Beat, zu dem zumindestens meine Vorderfrauen mächtig abhotten können. Ich stecke meine Ohropax - die ich freundlicherweise vor dem Konzert von einem Promo-Team zugesteckt bekommen habe - in die Ohren. Trotzdem bleibt der Geräuschpegel überwältigend. Die Halle scheint regelrecht zu vibrieren. Wozu sind die Dinger so weich, denk ich, nehme die Ohrteile noch Mal raus und presse sie zu zwei kleinen Massen zusammen. Dann geht‘s zurück in die Gehörgänge. Und da geschieht das Wunder. „Ist es die da, die da am Eingang steht?“, hör ich plötzlich klar verständlich. „Ist es die da die da die da die...“ Meine Laune steigt schlagartig. Ich verstehe tatsächlich die Sänger. Wahnsinn.

Den Rest des Konzertes genieße ich mit den zwei grünen Dingern im Ohr. Die Vier haben es nämlich noch drauf. Sie fegen über die Bühne, jede Songzeile sitzt. Bloß als Smudo von der Bühne kommt und durchs Publikum läuft, wage ich es, die Lärmschützer kurz rauszunehmen. Schließlich will ich mir nicht die Blöße geben, einer Berühmtheit mit Stöpseln im Ohr zu begegnen. Als er dann wenige Meter neben mir vorbeigezogen ist, wandern sie allerdings wieder flugs ins Ohr.

Nach dem Konzert summt die ganze Halle. Die Welt kommt mir ohne Ohropax seltsam intensiv vor. „War es für dich auch so laut?“, frage ich meine Begleitung, die ebenfalls 27 Jahre alt ist. Ich bekomme Zustimmung. Liegt unsere Sensibilität im Alter begründet? Oder liegt es daran, dass zwei Schwaben in Baden unterwegs sind? Am Ende des Abends bleiben Fragen. (Oh, die letzten Sätze reimen sich ja. Aber wen interessieren bei einem Hip-Hop-Konzert schon die Texte...)

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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