Pyrotechnik und Gewalt sollen aus den Stadien verbannt werden. Foto: dpa

Der Landtag debattiert über den Umgang mit Fußballfans. Dabei werden viele Nebelkerzen gezündet – und ein Innenminister wird überrascht.

Aktueller kann eine aktuelle Stunde nicht sein, sollte man meinen. Da beantragt die AFD ein Gespräch im Landtag über den Umgang mit Fußballfans, und dann steht es wenige Stunden vor dem Anpfiff der Europa League Begegnung des VfB gegen Tel Aviv auf der Tagesordnung. Kleiner Schönheitsfehler: um dieses Spiel ging es gar nicht, sondern um Vorschläge der Innenministerkonferenz, wie gegen Gewalt in den Stadien vorgegangen werden sollte.

 

Proteste aus der Fanszene zeitigen Wirkung

Noch ein Schönheitsfehler: Die AfD wettert gegen Kontrollfantasien der Minister, gegen personalisierte Tickets im Stadion und gegen automatisierte Gesichtserkennung bei Fußballfans. Alles Dinge, über welche sich die Innenminister der Länder ausgetauscht hatten. Allerdings sind die meisten dieser Ideen nach heftigen Protesten aus der Fanszene schon längst wieder kassiert. Zugegeben, das erwähnt die AfD – es ist aber nur ein kurzer Satz in zehn Minuten Redezeit.

Der AfD-Abgeordnete Ruben Rupp lobt Fans und seine eigene Partei Foto: dpa

Nun ist es das Recht der Opposition, der Regierung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die Leviten zu lesen, auch wenn das Ereignis schon vorbei ist. Wäre da nicht der dritte Schönheitsfehler. Im Stuttgarter Landtag sollte die baden-württembergische Politik besprochen werden. Die umstrittenen, größtenteils bereits wieder einkassierten Vorschläge der Innenminister, kamen aber gerade nicht aus dem Südwesten. Er habe sich immer dagegen ausgesprochen, sagt Ressortchef Thomas Strobl.

Strobl sieht Ostern und Weihnachten beieinander

Strobl ist es denn auch, der sich als Gewinner der Debatte fühlen darf. Dass ihm die Regierungsparteien Grüne und CDU zur Seite springen – geschenkt. Dass es auch von der SPD Lob und von der FDP die Erklärung gibt, dass einer nicht schuld sei an all der Aufregung, „nämlich unser Innenminister“, dass ließ diesen im Gefühl schwelgen, Weihnachten und Ostern in einem zu erleben.

Dass sich sowohl SPD als auch FDP vorstellen können, nach dem 8. März viel häufiger die CDU zu loben, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Und in einem anderen Stream wird zu sehen sein, was die AfD aus der Debatte macht. Dass der „Dank an Fans und die AFD“, so vorgetragen seitens der AfD, ganz vorne mit dabei sein werden, ist zu vermuten. Und somit lässt sich auch vermuten, was der Anlass der aktuellen Stunde war.