Begeisterung pur erfuhr der Zeller Fanfarenzug bei der Musikreise nach Tunesien. Doch große Probleme bei der Einreise eines Musikers trübten die Stimmung.
Sie waren wie Exoten in einem fremden Land – erzählt Vorsitzender Frank Rutschenreuter im Gespräch mit unserer Redaktion. „Unsere Kleidung, aber auch unsere Art Musik zu machen, kennt man dort so nicht“, sagt er. Der Fanfarenzug Zell war eine Woche in Tunesien und nahm beim elften Internationalen Karneval von Yasmine Hammamet teil. Die große Veranstaltung mit fast 800 Teilnehmern markiert die touristische Saison-Eröffnung in dem Badeort.
„Jeder musste ein Selfie machen“
„Eine total andere Welt“, sei es dort, sagt Hutschenreuter. Aber auch die 42 Zeller, darunter 36 Musiker, fielen auf und sorgten für Begeisterung. Vor allem Kinder hätten aufgeregt und begeistert auf die Fanfarenzügler aus Zell reagiert. „Jeder von uns musste mindestens ein Selfie mit Zuschauern machen“, erzählt der Vorsitzende.
Und sogar mit einer Hochzeitsgesellschaft „durfte“ sich der Verein fotografieren lassen. Ein algerischer Junge sei so begeistert von den Musikern gewesen, dass er am Abend im Hotel bei ihnen am Tisch saß und nicht bei seinen Eltern.
Doch nicht nur die Zeller fielen auf: „Die Veranstalter gaben sich Mühe, dass alle sehr auffielen“. 18 Gruppen aus Europa und viele einheimischen waren bei der Parade dabei. Hutschenreuter schwärmt von einer Showband aus Polen, einer Folkloregruppe aus Rumänien und anderen Trommelgruppen – „das war ein breitgefächertes Repertoire.“ S
Vor dem tunesischen Präsidenten aufgetreten
Einer der „Wow-Effekte“ bei der großen Parade sei es gewesen, als den Zellern klar wurde, dass sie sogar direkt vor dem tunesischen Präsidenten spielen.
Nach der großen Parade hatten die Musiker abends in verschiedenen Hotels gespielt. „Dort haben wir auch Fasnachtsstücke gespielt und sogar auf Deutsch gesungen – anfangs waren die Zuschauer erst noch erstaunt, dann aber haben sie sogar mitgemacht.“ Einen kleinen Bonus für die Einheimischen brachten die Zeller mit: Die rot-weißen Farben des Fanfarenzugs sind auch noch die Nationalfarben von Tunesien.
Wie die Zeller zu dieser Reise kamen
Der befreundete Verein „Pifferi e Tamburi di Baio Dora“ aus Italien fragte in diesem Jahr die Zeller, ob sie gemeinsam nach Tunesien reisen wollen. Das war quasi eine Revanche: Denn vor zwei Jahren hatten die Zeller die Italiener mit zur Basel-Tattoo-Parade genommen.
So konnte man jetzt erneut eine Woche lang zusammen eine schöne Zeit verbringen und feiern, erzählt Hutschenreuter. „Das war ein sehr besonderes Erlebnis und sehr eindrücklich.“ Die Reis an sich seine „eine tolle schöne Erfahrung“ gewesen. „Wir werden viele Geschichte noch in vielen Jahren erzählen.“
Einreise für einen Musiker zuerst verweigert
Doch auch eine negative Geschichte bleibt unvergessen. Die Ohnmacht, die man bei der Einreise eines Musikers erfuhr, habe die gute Laune gedämpft. Der Musiker hatte zufällig den gleichen Namen wie eine Person, die in Tunesien polizeilich gesucht werde. „Das hat die Beamten dazu veranlasst, ein Riesenfass aufzumachen, die Wahnsinns-Bürokratie hat papiermäßig dann ganz schön zugeschlagen“, erzählt Hutschenreuter. Nach sehr langen Verhandlungen am Flughafen – die dank eines tunesischen Taxifahrers dazu führten, dass endlich klar wurde, dass der Zeller nicht der Gesuchte ist, durfte dieser endlich einreisen.
Und die Ausreise? Dort sei man extra einen Tag zuvor zum Flughafen und hätte stundenlang alles geklärt. Und dennoch: „Am Tag der Ausreise ging das ganze Theater wieder von vorne los“, erzählt der Vorsitzende hörbar aufgebracht. 20 Minuten vor Gateschließung schaffte der Musiker es dann doch noch in den Flieger nach Hause.
Eine abenteuerliche Reise hat auch jener Musiker hinter sich, der mit dem Transporter die Instrumente nach Tunesien brachte – ab Baio Dora dann zusammen mit dem befreundeten italienischen Musiker. „Er musste jedes einzelne Instrument auspacken bei der Einreise“, erzählt Hutschenreuter.
Immer gerne in der Welt unterwegs
Der Zeller Fanfarenzug ist dafür bekannt, gerne in der Welt unterwegs zu sein. Im Juni spielen sie auch wieder bei der Basel-Tattoo-Parade mit.
„Solche Erlebnisse hat man alleine nicht“, sagt der Vorsitzende. „Es ist unser Ziel, neue Menschen und Vereine kennenzulernen.“ Und dieses Ziel haben die Zeller in Tunesien erreicht. Neue Kontakte hätten sie zu u Fahnenschwingern aus Florenz und Dudelsackspielern aus Schottland geknüpft. Vor allem mit den Schotten hätten die jüngeren Musiker bereits Kontakt. „Die nächste Reise könnte dort hingehen“, sagt der Vorsitzende schmunzelnd. Die Vorfreude hört man ihm an.
Neue Mitglieder willkommen
Verstärkung gesucht
„Wir würden gerne mehr Zulauf von Musikern in jeglichem Alter haben“, sagt Vorsitzender Frank Hutschenreuter. Verstärkung ist also willkommen beim Zeller Fanfarenzug. Probe ist immer freitagabends. Weitere Infos und Kontakt unter: https://fanfarenzug-zell.de/