Jubiläumsauftritt zum 66. Geburtstag am Ölfte Ölfte vergangenen Jahres: Ein imposantes Bild bot der Fanfarenzug mit knapp 80 ehemaligen und aktuellen Akteuren. Foto: zVg/Gabi Decker

Der Fanfarenzug Zell ist seit 66 Jahren Botschafter der Zeller Fasnacht und der Stadt.

Beeindruckend zelebriert und ausgiebig gefeiert hat der Zeller Fanfarenzug sein Jubiläum zum 66-jährigen Bestehen bereits am Ölfte Ölfte: Annähernd 80 Akteure aus der gesamten Vereinsgeschichte, darunter zwei Gründungsmitglieder, brachte der Fanfarenzug auf die Bühne. An Fasnacht selbst sind keine weiteren Aktivitäten zum Jubiläum angedacht. Natürlich wird er, wie gewohnt, die Zeller Fasnacht auch in diesem Jahr musikalisch und optisch bereichern.

 

Kalter Probeort im Wald

Wer hätte sich diese Entwicklung des Fanfarenzugs Anfang des Jahres 1959 vorstellen können? Damals trafen sich die ersten Bläser und Trommler hinten im Kühloch, um zu proben. Der kalte Probeort im Wald hatte den Vorteil, dass man im Städtli nichts von den ersten Versuchen hörte, den Instrumenten Töne zu entlocken. Der eigentliche Grund war allerdings, dass man kein geeignetes Probelokal fand. Schon in den Jahren zuvor, kam bei der Fastnachtsgesellschaft der Wunsch auf, einen Fanfarenzug zu gründen und dafür Musiker zu suchen. Zu den ersten Proben im Kühloch kamen bereits acht Fanfarenbläser und acht Trommler zusammen und der Fanfarenzug Zell wurde, als Abteilung der Fastnachtsgesellschaft, gegründet.

Erster Auftritt des neuen Zeller Fanfarenzugs am Ölfte Ölfte 1959 im Löwensaal Foto: zVg/Fanfarenzug Zell

Der erste Auftritt wurde am Ölfte Ölfte 1959 im Löwensaal gemeistert. Ein Kostüm gab es noch nicht, so trat man in schwarzer Hose, weißem Hemd und roter Fliege auf.

Landsknechtuniform

Das bekannte und bis heute unveränderte Kostüm wurde erst 1964 angeschafft. Der Entwurf stammt vom Zeller Künstler Kurt Winkler und ist der Uniform eines Landknechts nachempfunden. Schon bald nach der Gründung fand man zum Proben Möglichkeiten in der Gresger Halle und in den Sälen vom Kranz und Löwen. 1967 konnte der Fanfarenzug einen eigenen Vereinsraum beziehen. Der sogenannte „Fanfarenzug-Keller“ wurde von Herbert Kummle in seinem Haus in der Schönauer Straße zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahr 2001 nutzt der Fanfarenzug als Vereinsheim das ehemalige Turbinenhaus der Firma Schappe am Todtnauerliweg.

Seit 1991 eigenständig

1991 wurde der Fanfarenzug Zell ein selbstständiger Verein und ist seitdem keine Abteilung der Fastnachtsgesellschaft mehr. Ob Teil der Fastnachtsgesellschaft oder als eigenständiger Verein, der Fanfarenzug ist seit 66 Jahren ein selbstverständlicher und fester Bestandteil der Zeller Fasnacht. Eine Fasnacht in Zell ohne Fanfarenzug ist undenkbar. Aber auch für die Stadt Zell ist der Fanfarenzug ein wichtiges Aushängeschild und ein Botschafter seiner Heimatstadt

Der Fanfarenzug pflegt gute und kameradschaftliche Beziehungen fast auf der ganzen Welt. Da sind beispielsweise die engen Freundschaften zu den Musikerkollegen im italienischen Piemont „Pfifferi e Tamburi“ und „J’Amis d’Albian“. Gegenseitige Besuche, Konzerte und Feste der Vereine haben inzwischen schon Tradition. Seit mehreren Jahren ist der Fanfarenzug auch gern gesehener Teilnehmer an der Basel Tattoo Parade. Auch in diesem Jahr wird er die Stadt Zell bei der Parade des zweitgrößten Open Air Tattoo der Welt im Juli in Basel repräsentieren.

Weltweite Auftritte

Viele größere Reisen mit Auftritten in andern Ländern hat der Fanfarenzug bereits unternommen. Beim Gespräch spult der ehemalige Vorsitzende und Vereinschronist Bernd Leimgruber wie selbstverständlich ein paar Orte auf, an denen der Fanfarenzug gespielt hat: vor dem Weißen Haus in Washington, am Deutschen Eck in Koblenz, in Zells Partnerstadt Embrun, in Shanghai, bei den Niagara-Fällen, an der Steuben-Parade in New York, in Rio de Janeiro, … – die Liste lässt sich fast unendlich fortsetzen.

Der Fanfarenzug beim Fasnachtsumzug in Zell Foto: zVg/Fanfarenzug Zell

Der Fanfarenzug wird seit dem Jahr 2011 von Frank Hutschenreuter als Ersten Vorsitzenden geführt. Tambourmajor ist Raimund Götz. Momentan besteht der Stamm aus 35 aktiven Musikern und Musikerinnen. Gerne würden die Verantwortlichen weitere Bläser und Trommler aufnehmen und sind deshalb auf der Suche nach neuen Aktivmitgliedern. Interessierte können gerne jeden Fanfarenzügler ansprechen, um weitere Informationen zu erhalten. Dabei geht es auch in Zukunft nicht nur alleine um das Musizieren, sondern auch die Geselligkeit und das Reisen werden beim Fanfarenzug weiterhin groß geschrieben.

Fasnacht in Hammamet

Auf die Frage, ob in diesem Jahr noch eine größere Reise geplant ist, geben sich sowohl Bernd Leimgruber als auch Raimund Götz zuerst etwas zugeknöpft. Dann lassen sie die Katze aus dem Sack: Im Frühjahr geht es nach Tunesien – zum Karneval in Hammamet. Nach dem ungläubigen Blick des Fragenden erklärt Bernd Leimgruber, dass es in dem nordafrikanischen Land eine größere Bevölkerungsgruppe von Italienern gibt. Deren Vorfahren sind vor über 200 Jahren, hauptsächlich aus Sizilien, eingewandert und neben der Religion auch Fasnachtsbräuche mitgebracht haben. Speziell in der Stadt Hammamet hat sich der „Internationale Karneval Yasmine Hammamet“ zu einem Touristenmagneten entwickelt, bei dessen Umzug Gruppen aus zehn Nationen teilnehmen. Dort werden die Zeller wieder auf ihre italienischen Freunde der „Pfifferi e Tamburi“ treffen. Man darf davon ausgehen, dass es auch dort ein spontanes Konzert beider Musiken geben wird, so wie schon öfters in Zell auf dem Latschariplatz. Bestimmt findet sich auch in Hammamet schnell ein Platz für ein solches Konzert. So festigen sich die Freundschaften zwischen Musikern weltweit.