Im September soll der Vater seinen achtjährigen Sohn und sich selbst getötet haben. Um die Beerdigung des Jungen zu finanzieren wurde eine Spendenaktion gestartet.
„Überwältig.“ So beschreibt Sarah-Marie das Gefühl, wenn sie die Zahl 11 650 auf der Spendenplattform Gofundme aufruft. Ursprünglich war das Ziel der 28-Jährigen, die nicht mit Nachnamen genannt werden will, dass 10 000 Euro zusammenkommen, um Milan eine ganz besondere Beerdigung zu ermöglichen.
Zur Erinnerung: der 42-jährige Vater und sein achtjähriger Sohn sind am Nachmittag des 12. Septembers tot in der Wohnung des Mannes aufgefunden worden. Ein Angehöriger hatte die Polizei eingeschaltet, weil er den 42-Jährigen nicht wie gewohnt erreichen konnte. Die Beamten verschafften sich Zugang zu der Wohnung in Bisingen und fanden die beiden Leichen.
Finanzielles soll keine Rolle spielen
Wie es der Mutter und den Geschwistern des kleinen Milan geht, das kann Sarah-Marie nur erahnen. Sie ist selbst Mutter, ihr Sohn ging in die selbe Klasse wie Milan. Ihr war klar: In dieser Situation, für die es keine Worte gibt, sollen finanzielle Belastungen keine Rolle spielen. Sie startete den Spendenaufruf.
Unter der Überschrift „Wir trauern – Fly high kleiner Milan“ bat die Bisingerin bis zum vergangenen Sonntag um Spenden. 440 Menschen haben sich an der Aktion beteiligt. Viele spendeten anonym, so auch Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger, wie Sarah-Marie berichtet. Eine Spende in Höhe von 100 Euro kam aus Balingen – von Oberbürgermeister Dirk Abel. der höchste Einzelbetrag kam vom Verein „Wir im Ländle“, 500 Euro nämlich.
Manche Nachrichten waren böse
„Reicht es denn nicht bald?“ Mit diesen Worten hatte sich eine Person bei Sarah-Marie gemeldet, erzählt sie. So teuer könne eine Beerdigung ja gar nicht sein, habe jener Mensch gemeint.
„Ich musste mir viel Böses anhören.“ Sarah-Marie ist hörbar sprachlos beim Telefonat mit unserer Redaktion. So habe sie beispielsweise den Vorwurf bekommen, dass die im Spendenaufruf genannten Verbindlichkeiten des toten Vaters wohl keine Rolle spielen könnten. „Der Mensch hat gesagt, dass doch dessen Eltern die Bestattungskosten tragen sollen“, berichtet die 28-Jährige.
Vier Geschwister trauern um Milan
Dem ist übrigens nicht so: Das Paar lebte zwar in Trennung, war aber noch nicht geschieden. Somit ist Milans Mutter in der Pflicht, erklärt Sarah-Marie.
Unsere Redaktion erreichte indes eine Email, in der eine Person schreibt: „Es gibt keine verwaisten Geschwister. Die beiden Kinder der Mutter stammen aus erster Ehe und waren nicht die leiblichen Kinder des verstorbenen Mannes.“ Darauf angesprochen ist Sarah-Marie entsetzt: „Natürlich sind das die Geschwister, sie sind doch zusammen aufgewachsen.“
Vier Geschwisternamen stehen unter der Todesanzeige, die ein Foto des lachenden Milan zeigt. Zwei Kinder stammten aus erster Ehe der Mutter, die beiden anderen aus der ersten Beziehung des neuen Lebensgefährten, erklärt die Bisingerin. Und sagt noch einmal mit Vehemenz: „Sie sind Geschwister.“
Die Familie soll zur Ruhe kommen
Kurz nach dem Telefonat mit unserer Redaktion meldet sich Sarah-Marie erneut telefonisch. Sie habe die Mutter gefragt, ob ihr der Name der oder des Email-Absenders etwas sage. „Nein, sie kennt niemanden, der so heißt.“
Die Familie solle zur Ruhe kommen und ein Milan würdiges Begräbnis ermöglichen. So etwas wie Normalität werde es nie wieder geben in der Familie, denkt Sarah-Marie. Aber da seien noch die vier anderen Kinder. Für sie wolle die Mutter stark sein.