Die Kinderbetreuung war jüngst im Gemeinderat ein Thema. (Symbolfoto) Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Gespannt verfolgt Leserin Sabrina Hipp aus Albstadt die Entscheidung des Gemeinderates zur Ganztagesbetreuung. Eine Reduzierung versteht sie nicht.

Mehr Flexibilität für Ganztag

 

Mit großem Erstaunen verfolge ich die jüngsten Entscheidungen des Albstädter Gemeinderats. So soll die Ganztagesbetreuung auf lediglich drei städtische Kitas reduziert werden.

Das Einsparpotenzial beträgt rund 40.000 Euro jährlich. In der gleichen Sitzung beschloss dieselbe Mehrheit jedoch, 623.000 Euro für das Citymanagement bereitzustellen. Dieser Kontrast wirft Fragen zur Prioritätensetzung auf – insbesondere für Familien, Frauen und Kinder.

Anstatt Ganztagsplätze zu streichen, wäre es viel sinnvoller, endlich die Möglichkeit zu schaffen, diese flexibel für einzelne Wochentage zu buchen und sie somit bezahlbar zu machen. Andere Gemeinden praktizieren dies schon lange, was für Familien eine große Erleichterung im Alltag bedeutet.

Eltern müssen künftig Umwege in Kauf nehmen

Durch den Wegfall der Ganztagsplätze wird es in Zukunft in einzelnen Stadtteilen kein Ganztagsangebot mehr geben. Eltern, die auf eine Betreuung nach 13.30 oder 14 Uhr angewiesen sind, werden künftig Umwege in Kauf nehmen müssen. Zum Beispiel dürfen nun Onstmettinger Eltern über die Langenwand fahren, um dort ihr Kind in die Betreuung zu geben. Für viele Eltern bedeutet das: Arbeiten ist nur noch am Vormittag möglich. Offenbar geht man in Albstadt davon aus, dass es keinen Fachkräftemangel gibt und dass geringe Teilzeitarbeit von Arbeitgeberseite gerne gesehen wird.

Diese Reduzierung der Betreuungszeiten wird einmal mehr den Frauen auf die Füße fallen, wie die Care-Arbeit insgesamt. Ungleichheit, Altersarmut und Mental Load sind nur einige Stichworte, die damit verbunden sind. Gleichzeitig wird Bildungsgerechtigkeit verhindert und Armut gefördert. Frühe Investitionen in Bildung prägen Lebenswege und machen eine Gesellschaft widerstandsfähiger und stabiler.

Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird – im Sinne der Familien und der Kinder.

Sabrina Hipp, Albstadt

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