Thomas Pfister und Hubert Pfister (r.) kennen sich bei Familien- und Häusernamen aus. Weitere Pfisters, Mauz‘, Grafs oder Baurs erfuhren viel Neues über genealogische Zusammenhänge in der Stadt.  Foto:  

Vortrag Familiengeschichte ist Ortsgeschichte: Hubert Pfister und Thomas Pfister berichteten über „Alt- Burladinga und G´schlechter“. Das Besucherinteresse war gewaltig.

Eine so große Resonanz hatte der Schwäbische Albverein als Veranstalter des Vortrags nicht erwartet: Schon eine Viertelstunde vor Beginn wurden im vollbesetzten Burladinger Bahnhofsaal sogar die Stehplätze knapp.

 

Aber, dass das Thema der beiden Referenten auf so großes Interesse stieß, verwunderte nicht, denn: Wann erhält man schon einmal einen so profunden Einblick in die Heimatgeschichte – und womöglich in die eigene Familiengeschichte und Genealogie?​

Mit Hubert „Hubbe“ Pfister und Thomas Pfister konnte Albvereinsvorsitzender Klaus Denuel, der Initiator des Vortrags, zwei Experten zu den Themen Ortsgeschichte und Familienforschung begrüßen.

Beide hatten die Themenblöcke unter sich aufgeteilt. Während Hubert Pfister die familiären Zusammenhänge und Verbindungen anhand von markanten Gebäuden darstellte (bei denen es sich in erster Linie um die früher zahlreichen Wirtschaften in Burladingen handelte), erwies sich Thomas Pfister als Kenner der Geschlechtergeschichte, gab Einblick in die Möglichkeiten der Ahnenforschung und die Entwicklung der Familiennamen.​

„Ich bin beeindruckt über die Resonanz“, freute sich Hubert Pfister über die zahlreichen Gäste, und er versprach einen tiefen Einblick in die Geschichte der Burladinger Familien: „Die Hälfte von euch geht heute mit neuen Verwandten heim.“ Die weitverzweigten familiären Verbindungen verdeutlichte Thomas Pfister an der Familie Baur-Graf zur Linde. Über Generationen hinweg waren sie die Inhaber des gleichnamigen Gasthauses, lange Jahre auch der zugehörigen Brauerei. „Das ist nicht nur meine Verwandtschaft, sondern auch die von fast jedem von euch Anwesenden“, so Thomas Pfister.​

Aus Gründen der Steuerpflicht

Interessant auch die Ausführungen zur Entwicklung der Familiennamen: Gab es bis ins 12. Jahrhundert keine Familiennamen, so wurden diese danach von der Obrigkeit angeordnet – um die Steuerpflicht beziehungsweise die Leibeigenschaft besser erfassen zu können. Bei über 70 Familien, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Burladingen lebten, stechen fünf Familiennamen besonders hervor.

Und, das leuchtete ein und bestätigte die Aussage Thomas Pfisters: Wer heute noch diesen Familiennamen trägt, der hat eine dieser Familien als Vorfahren. Im Alltagsleben der Vergangenheit, so erfuhr man weiter, spielte der Familienname allerdings keine Rolle. Zur Unterscheidung wurden Alleinstellungsmerkmale verwendet. So die örtliche Herkunft, der Beruf oder, wenn man von da stammte, die Namen einer der zahlreichen Wirtschaften.​

Beide Referenten präsentierten eine Fülle von informativem, digital aufbereitetem Material: Chronologisch geordnete Fotos und alte Landkarten zeigten die Phasen der Ortsentwicklung und das Alltagsleben sowie die einzelnen, markanten Gebäude und erläuternde Texte ergänzten den Vortrag.

Der Umfang des Materials zeigte, dass enorm viel Arbeit geleistet werden musste, bis der Vortrag stand. Dies und den informativen, aber auch unterhaltsamen Vortrag, den die Gäste mit großem Interesse und auch eigenen Anmerkungen verfolgt hatten, belohnten die Anwesenden mit herzlichem und verdientem Applaus.​

„Keine Gewöhnlichen“

Fazit von Thomas Pfister am Ende: „Die Burladinger sind schon etwas Besonderes. Und sie sind keine Gewöhnlichen…“ Mit einigen Feinheiten zum Burladinger Schwäbisch endete ein unterhaltsamer und „guter lebendiger Vortrag, der nach mehr schreit“ – so sagte Klaus Denuel, Vorsitzender des Albvereins.​

Kleiner Nachtrag am Rande: Nicht nur Burladinger waren gekommen, auch aus München waren extra zwei Personen angereist. Auch das spricht für das große Interesse am Thema.

Gedanken an eine Wiederholung

Ein wenig Wasser im Wein eines ansonsten makellosen Vortragsabends war die Tatsache, dass etwa 30 bis 40 Interessierte nicht zum Vortrag zugelassen werden konnten, da der Bahnhofsaal schlichtweg rappelvoll war. Aber ein Lichtblick für die, die beim Vortrag nicht dabei sein konnten: Die Organisatoren überlegen, wegen der großen Resonanz eine Wiederholung anzubieten. Außerdem ist darüber hinaus ohnehin eine Fortsetzung geplant. Man darf gespannt sein!