Ein 49 Jahre alter Mann hat am Dienstag seinen 15-jährigen Sohn getötet und sich dann vom Körschtalviadukt in den Tod gestürzt. An der Brücke bei Ostfildern ist erst vor wenigen Wochen ein extra hoher Geländerzaun angebracht worden, weil dort häufig Menschen in den Tod springen.

Ein 49 Jahre alter Mann hat am Dienstag seinen 15-jährigen Sohn getötet und sich dann vom Körschtalviadukt in den Tod gestürzt. An der Brücke bei Ostfildern ist erst vor wenigen Wochen ein extra hoher Geländerzaun angebracht worden, weil dort häufig Menschen in den Tod springen.

Ostfildern - Über Motiv und Ursache, warum der Mann seinen Sohn getötet hat, hüllt sich die Polizei in Schweigen. „Zum Schutz der Familie“, wie Polizeisprecher Michael Schaal sagt. Ein Verkehrsteilnehmer hatte der Polizei am Dienstag gegen 3 Uhr ein vermeintlich liegen gebliebenes Fahrzeug auf der Landesstraße 1202 auf dem Körschtalviadukt zwischen Neuhausen und Ostfildern-Nellingen gemeldet. Eine Polizeistreife entdeckte den 49-jährigen Mann anschließend tot unter der Brücke.

Als noch in der Nacht die Angehörigen des Mannes verständigt wurden, fanden die Beamten einen der Söhne tot in seinem Bett. „Es gab keine äußeren Verletzungen, aber Anzeichen, dass der 15-Jährige getötet wurde“, so Schaal. Ob die Mutter und der andere Sohn, 16 Jahre alt, davon etwas mitbekommen haben, wollte Schaal nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft überprüft die Umstände des Familiendramas, vor allem wie der 15-Jährige ums Leben kam und das Motiv des Vaters. Ein klassisches Ermittlungsverfahren werde aber nicht eingeleitet: „Wir haben ja keinen Beschuldigten mehr und können niemanden bestrafen“, sagt Claudia Krauth, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Bislang ist auch vollkommen unklar, warum der 49-Jährige sich das Leben durch einen Todessturz nahm. Brücken wie das bis zu 55 Meter hohe Körschtalviadukt oder die fast ebenso hohe Aichtalbrücke der Bundesstraße 27 zwischen Stuttgart und Tübingen werden jedoch besonders häufig von Menschen genutzt, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Eine Statistik darüber führen aber weder das Landeskriminalamt noch die Polizeipräsidien.

Michael Schaal hat allerdings noch während seiner Zeit im Streifendienst der Polizei Esslingen allein auf dem Körschtalviadukt zweimal erleben müssen, wie sich Menschen vor seinen Augen in die Tiefe stürzten. In einem Fall habe wenige Minuten später die Frau des Toten im auf der Brücke abgestellten Firmenwagen angerufen. Schaal erinnert sich, dass das 1995 fertig gestellte Viadukt noch kaum fertig war, als schon der erste Mensch sich dort das Leben nahm. Bis heute springen dort immer wieder Menschen in den Tod. Die Behörden unterrichten die Öffentlichkeit davon nicht – um niemanden zur Nachahmung zu motivieren.

Obwohl solche Viadukte auf Menschen mit Selbsttötungsabsicht offenbar eine große Anziehungskraft haben, werden sie nicht generell durch Absperrzäune gesichert. Robert Hamm, Sprecher des Regierungspräsidiums (RP), sagt, solche Sicherheitsmaßnahmen würden „nur in besonderen Ausnahmesituationen“ getroffen. Das gelte für Bereiche, „wo man nicht möchte, dass jemand aufschlägt“. Bei der Aichtalbrücke ist das die Straße zwischen Aichtal-Neuenhaus und Aichtal-Aich, die gesichert werden soll, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Dort wurden deshalb die Geländer erhöht.

Auch die Stadt Ostfildern beantragte beim Regierungspräsidium, das bestehende Geländer zu erhöhen. „Es ging um Mitarbeiterschutz’“, sagt Sprecherin Andrea Wangner. Weil sich direkt unter der Brücke eine Kläranlage befindet, wurden die Mitarbeiter der Anlage dort schon mehrmals mit einem Leichnam konfrontiert, ein sehr belastendes Erlebnis. Und auch die Taucher der Polizei kostete es Überwindung, die leblosen Körper in der Fäkalienbrühe zu suchen. So wurden im Januar „480 laufende Meter Geländer an beiden Brückenseiten“ angebracht, wie RP-Sprecher Hamm sagt. 100.000 Euro seien investiert worden. Dass sich die Stadt Ostfildern an den Kosten beteiligt habe, wird dort aber bestritten: „Wir haben nur um ein höheres Geländer gebeten“, so Andrea Wangner.

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