Bisher galt für den Betrieb der Betreuungseinrichtungen eine Mindestzahl, sonst kam es zur Schließung. Diesen Beschluss hob der Gemeinderat nun auf.
Für kleine Kindergärten gibt es jetzt in Hüfingen mehr Sicherheit. Denn der Gemeinderat hat jüngst einstimmig beschlossen, den Grundsatzbeschluss, die Ortsteilkindergärten bei einer Unterschreitung von zwölf Kindern zu schließen, aufzuheben.
Neun Jahre schwebte die Gefahr einer Schließung wie ein Damoklesschwert über den Ortsteilen, die nach dem aus der Bildungseinrichtungen in Hausen vor Wald und Sumpfohren jedes Jahr aufs Neue für Unruhe gesorgt hatte.
Bürgermeister Patrick Haas bezeichnete die Kindergärten als einen wichtigen Standortfaktor der Ortsteile und verwies in Bezug auf die Kinderzahlen auf eine Trendumkehr gegenüber den einstigen Prognosen. Zudem betonte er, dass die Plätze in den Ortsteilen helfen, die Kernstadt zu entlasten.
Gewinn für Gesamtstadt
Haas ergänzte, grundsätzlich ein Freund dezentraler Angebote zu sein. „Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass dieser Beschluss für die Ortsteilkindergärten keine Garantie für alle Zeiten beinhaltet“, gab er aber zu bedenken. Haas erinnerte daran, dass der Erhalt der aktuellen Kindergartenlandschaft einem Luxus entspricht, den sich die Stadt auch mit Blick auf die immer noch gute Finanzlage gerne leiste. Zudem sprach es von einem unschätzbaren Gewinn für die Gesamtstadt. Dennoch mahnte er im Wissen, dass eingruppige Kindergärten teuer sind, den Haushalt stets im Blick zu behalten.
Prognosen können sich rasch ändern
SPD-Fraktionssprecherin Kerstin Skodell schloss sich der Aussage ihres Vorredners an. Sie stufte den Beschluss von einst als ein Beispiel dafür ein, wie rasch sich Prognosen ändern können. Dennoch habe er eine Entwicklung eingeleitet, die für Hüfingen in der Gegenwart zu einem deutlich besseren Kindergartenangebot verholfen habe. „Die Individualität der Ortsteilkindergärten müssen wird erhalten. Wir können sie uns finanziell noch leisten und sollten sie so lange wie möglich beibehalten.“
Michael Steinemann, Fraktionssprecher des Freien Forums, bemängelte, dass vor acht Jahren die Weitsicht für die Empfindlichkeit der Betroffenen und die mit dem Beschluss einhergehenden Folgekosten gefehlt habe. Bürgermeister Haas rief die Räte in diesem Zusammenhang dazu auf, vorwärtszublicken.
Veränderte Situation
Reinhard Isak, SPD, störte sich ebenfalls daran, sich mit der damaligen Zeit zu beschäftigen. „Die Entscheidung vor neun Jahren war auf Grundlage der damaligen Ausgangssituation richtig. Der Kindergarten Behla wäre ohne den einstigen Beschluss nie in dieser Form entstanden. Doch wir entscheiden heute auf Basis der aktuellen Situation, und die ist eine vollkommen andere.“
Ratsmitglied Peter Albert von der Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz (LBU) begrüßte die Aufhebung der Mindestanzahl an Kindern. Er forderte, in Zukunft vorschnelle Schließungen von Einrichtungen zu vermeiden. „Was haben wir nicht alles unternommen, um eine Schließung zu verhindern.“
Sumpfohrens Ortsvorsteherin Ancilla Batsching sagte, dass die Schließung des einst preisgekrönten Kindergartenbaus in Sumpfohren bis zum heutigen Tag tiefe Spuren hinterlassen habe.
Wichtiger Standortfaktor
Erleichtert reagierte Fürstenbergs Ortsvorsteher Volker Gut auf den Beschluss. Er bezeichnete Kindergärten hinsichtlich der Weiterentwicklung eines Ortes als einen wichtigen Standortfaktor. Mit Blick auf das Neubaugebiet sei er zudem zuversichtlich, dass die Kinderzahlen in Fürstenberg in Zukunft wieder deutlich ansteigen.
Großes Angebot
Zahl der Gruppen
In Hüfingen bieten sieben Kindertagesstätten und Kindergärten die unterschiedlichsten Angebotsformen an. Die Kindertagesstätte St. Georg in Behla zählt fünf Gruppen, St. Theresia in Mundelfingen zwei Gruppen. Die Einrichtungen St. Maria in Fürstenberg, der Naturkindergarten in Hausen vor Wald und die interkommunal betriebene Kindertagesstätte Felix in Allmendshofen sind eingruppig. Mit den Einrichtungen St. Verena und Luise-Scheppler sind zwei weitere Kindertagesstätten in der Kernstadt beheimatet.