Irene und Hubert Schneider aus Dauchingen vermieten Bienenvölker. Das Projekt namens „Mybee“ kommt sehr gut an.
Wie wichtig Bienen für die Natur und unsere Ernährung sind, dürfte wohl jedem klar sein. So werden rund 80 Prozent unsere heimischen Pflanzen von Bienen bestäubt. Bienen und Insekten sind also für eine artenreiche Natur unersetzlich. Blühpatenschaften für die wichtige Nahrungskette der Insekten oder auch einen insektenfreundlichen Garten oder Balkon werden von vielen Menschen bereits realisiert. Doch um die Bienen zu retten, kann man noch viel mehr tun. Eine Idee kommt aus Dauchingen. Hier gründeten die Imker und Bienenfreunde Irene und Hubert Schneider die Biomanufaktur Schneider.
Schon als Jugendlicher konnte Hubert Schneider Erfahrung in der Imkerei sammeln, da der Vater auch Bienenvölker hielt. Doch es dauerte einige Jahre bis er und seine Ehefrau den Weg zur eigenen Imkerei fanden. Dabei stand immer das Tierwohl an oberster Stelle und so stellte man sich bereits 2016 den hohen Anforderungen und Richtlinien der Bioland-Zertifizierung.
Idee ist preisgekrönt
Ein Teil der Bioland-Richtlinie ist, dass immer ein Teil des Honigs in den Beuten als Eigenfutter gelassen wird. Das zusätzliche Bienenfutter wird im Herbst aus Bioland-Rübenzucker selbst hergestellt. Als weitere Richtlinie dürfen den Königinnen nicht die Flügel geschnitten werden. Zudem werden nur natürliche Behandlungsmittel zur Bekämpfung der Varroa in einer vorgeschriebenen Zeit eingesetzt. Aufgrund der strengen Richtlinien und Kontrollen muss alles dokumentiert werden. Der Honig, die Blütenpollen und das Wachs werden durch ein unabhängiges Labor geprüft und auch durch die Bio-Kontrolle kontrolliert, erklären die Bienenfreunde.
Die kleine und feine Imkerei im Nebenerwerb war der Grund für die neunmonatige Weiterbildung zur Fachberaterin für Bienenprodukte, welche Irene Schneider im Jahr 2019 absolvierte. Zu dieser Zeit wurde in Dauchingen ein Ideenwettbewerb zur Existenzgründung ausgeschrieben. „Da kam uns die Idee bei diesem Wettbewerb mitzumachen und Bienenvölker zur Vermietung anzubieten. Diese Idee präsentierten wir dann vor einer Jury und wurden mit dem dritten Platz belohnt“, freut sich Irene Schneider noch heute.
Eine einmalige in der Region bisher einzigartige Idee, die für alle Teilnehmer, aber vor allem für die Natur eine Win-Win-Situation ist. Das Projekt Mybee sei vielmehr als Bienen und Honig, es gehe um den Erhalt der Artenvielfalt, um die Insekten und Kleinstlebewesen und um die Ernährung der Menschheit.
Bis zu 50 000 Tiere pro Volk
Die 50 Bienenvölker mit bis zu 50 000 Tieren pro Volk stehen auf zwei großen Obstwiesen mit einer natürlichen Artenvielfalt an Pflanzen als natürliche Nahrungsquelle. Zudem legte Familie Schneider zwei große Blumenwiesen an, damit die Bienen auch im Sommer eine Vielfalt von Blüten haben. Dazu gibt es im Sommer verschiedene Wanderplätze am Kaiserstuhl, auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald. Die Jungvölker haben ihren Standort im eigenen biologisch bewirtschafteten Obstgarten.
Wer Interesse an der Natur und an den Bienen hat und zudem Honig liebt, kann sich ein Volk mieten. Auch für Firmen ist dieses Angebot interessant, bei welchem die Völker direkt auf dem Firmengelände aufgestellt werden können. Damit setzen sie sich aktiv für den Umweltschutz ein und übernehmen langfristig Verantwortung für die heimische Natur. Dank des Engagements von Firmen können neue Bienenvölker geschaffen und Imker unterstützt werden. Auf diese Weise kann ein unmittelbarer Beitrag zum Natur- und Bienenschutz geleistet werden und der Arten- und Umweltschutz zu einem authentischen Teil des Unternehmensbildes gemacht werden.
Auf Wunsch wird der Honig in neutrale Gläser abgefüllt, welche mit dem Firmenlogo versehen werden können. So haben Unternehmen immer eine ganz persönliche und ökologische Aufmerksamkeit für ihre Mitarbeiter und Kunden zur Hand.
Rettung der Bienen
Wer keinen geeigneten Standort hat, aber sich trotzdem ein Volk anmieten möchte, „für den finden wir eine Lösung“, sagt Hubert Schneider. Erfahrungen werden nicht benötigt, da die Betreuung der Völker von den Schneiders übernommen wird. „Auf Wunsch darf jeder Kunde uns über die Schulter schauen.“ Für das Volk bezahlt der Mieter einen monatlichen Beitrag (230 Euro/Monat), erhält dafür die gesamte Honigernte (um die 25 Kilogramm pro Volk), während die Familie Schneider sich um die Gesundheit und Pflege der Bienenvölker, die administrative Arbeit, das Schleudern und Abfüllen des Honigs, kümmert. Der wichtigste Beitrag sei es allerdings, einen Beitrag zur Erhaltung des Ökosystems zu leisten und die Rettung der so wichtigen Bienen.
Honig und mehr
Sortiment
In der Biomanufaktur Schneider gibt es nicht nur Bienen zu mieten, sondern auch verschiedene Honigsorten, Wabenhonig, Spezialitäten-Honige, Bienenwachs, Blütenpollen, Propolis und Met aus eigener Erzeugung. Zusätzliche Produkte aus dem eigenen Obst- und Beerengarten wie Äpfel und Birnen, Beeren, Säfte und Sirup, Apfelessig, Walnüsse und kaltgepresstes Walnussöl runden das Sortiment ab.