Die Maskenpflicht ist an Waldorfschulen besonders umstritten. Foto: dpa/Matthias Balk

Im Fall falscher Maskenatteste an einer Freiburger Waldorfschule melden sich jetzt die Schüler selbst zu Wort. Derweil erhöht die Schulbehörde ihren Druck auf die freien Träger.

Freiburg - Nach dem Skandal um unberechtigte Maskenatteste an der Waldorfschule im Freiburger Stadtteil St. Georgen überprüft die Staatliche Schulaufsicht jetzt auch Maskenatteste aus weiteren Schulen freier Träger. Zu drei Schulen habe es entsprechende Hinweise aus der Elternschaft gegeben, sagte die Sprecherin des Freiburger Regierungspräsidiums, Heike Spannagel. Zwei der Schulen hätten der Behörde mittlerweile jeweils 30 Atteste vorgelegt, bei der dritten Schule gehe es sogar um 52 solcher Papiere. Abgeschlossen ist das Thema damit nicht. Am Freitag habe man von einer vierten freien Schule die Atteste angefordert. Auch hier sei eine entsprechende Beschwerde eingegangen.

 

Alle Schulen in freier Trägerschaft wurden inzwischen nochmals angeschrieben, um sie auf die Pflicht zur Umsetzung der Coronaverordnung hinzuweisen. Das Angebot, die Schulen dabei zu beraten, werde rege angenommen, sagte Spannagel. Eine freie Schule legte der Schulaufsicht mittlerweile von sich aus 24 Atteste zur Prüfung vor. Die Namen der betroffenen Schulen nannte die Behörde aus Datenschutzgründen nicht. Es dürfte sich allerdings auch hier vor allem um Waldorfschulen handeln.

„Generalangriff gegen Waldorfpädagogik“

Nach einem heftigen Coronaausbruch an der Waldorfschule im Freiburger Stadtteil Sankt Georgen hatte die Schulaufsicht dort alle 55 von Schülern und Lehrern vorgelegten Atteste zur Befreiung vor der Maskenpflicht geprüft und für ungültig erklärt. Insgesamt zählt die Schule 600 Schüler. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der Ausstellung von Gefälligkeitsgutachten gegen verschiedene Mediziner. Ähnliches droht nun auch an den anderen Schulen. „Ein Großteil der zwischenzeitlich überprüften Atteste entsprach nicht den Voraussetzungen der Coronaverordnung“, sagte Spannagel.

Derweil warnten Schüler der betroffenen Waldorfschule vor einem „vorurteilsgeprägten Generalangriff gegen die Waldorfpädagogik“. Es sei unbestritten, dass im Bereich der Waldorfschulen überproportional viele Impfgegner, Maskenverweigerer und Verschwörungstheoretiker zu finden seien. Die „weit überwiegende Mehrheit der Oberstufenschüler“ distanziere sich aber davon. „Wir lassen uns ungern in die Ecke verschwurbelter, esoterisch angehauchter, weltfremder und gesellschaftsunfähiger ,Spinner’ stellen“, heißt es in einem offenen Brief. Das Bild in der Öffentlichkeit von den Waldorfschulen sei überzeichnet und undifferenziert.

Zwei Schulen sind weitgehend geschlossen

Landesweit sind gegenwärtig drei Schulen pandemiebedingt geschlossen. Zwei davon zählen zu den 59 freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg: die Waldorfschule in Emmendingen ist dicht. An der Waldorfschule im Freiburger Stadtteil Wiehre sind wegen des hohen Krankenstands nur noch die Grundschüler im Präsenzunterricht.