Achim Gack kommt aus Herrenberg und ist seit 2020 Obmann der Schiedsrichtergruppe Böblingen. Foto: Harald Rommel

Die Frustration von Vincent Schöller könne er verstehen, akzeptiere aber auch die Entscheidungen des Verbandsschiedsrichterausschusses – sagt Achim Gack, Obmann der Schiedsrichtergruppe Böblingen, zur Klage gegen den WFV. Um so etwas künftig zu vermeiden, hat er einen ganz pragmatischen Vorschlag.

Der Fall Vincent Schöller beschäftigt die Schiedsrichter aus ganz Württemberg. Der 29-jährige Referee vom TSV Haiterbach zieht gegen den WFV vor Gericht, um weiterhin die Möglichkeit zu haben, in die Regionalliga aufzusteigen. Nun hat sich auch Achim Gack, Obmann der Schiedsrichtergruppe Böblingen, zu Wort gemeldet. Er sagt: „Das ist eine brenzlige Situation für alle Schiedsrichter, weil richtig Feuer im Busch ist.“

 

Beobachtung ausgesetzt

Schöller ist aktuell der notenbeste Schiedsrichter der Oberliga Baden-Württemberg, soll aber dennoch nicht am 30. April vom WFV für den Aufstieg in die Regionalliga nominiert werden. Der Verband hat seine Beobachtung sogar ausgesetzt. Damit ist der Aufstieg verbaut. Schöller vorgezogen wird dagegen Jonathan Woldai, der sogar vier Jahre älter, aber als Mitglied des Verbandsschiedsrichterausschusses ein Mann des WFV ist. Eben dieser Ausschuss entscheidet über die Nominierungen. Das ist Vetterleswirtschaft – sagen Schöller und sein Anwalt Sascha Wirth, der zugleich Obmann der Schiedsrichtergruppe Kocher/Jagst ist. Mit einer einstweiligen Verfügung wollen sie am Amtsgericht Stuttgart durchsetzen, dass der WFV Schöller weiter beobachtet. Auch die Schiedsrichtergruppe Calw steht mit ihrem Obmann Benjamin Haug demonstrativ hinter Schöller.

Gute, ehrenamtliche Arbeit

„Es ist verständlich, dass er sich so für ihn einsetzt“, sagt Gack über den Calwer Obmann. Beide waren bis zur vergangenen Saison, als es noch den im Rahmen der WFV-Reform aufgelösten Bezirk Böblingen/Calw gab, gemeinsam Bezirksobmänner. Auch die Klage Schöllers könne Gack verstehen, weil „das alles für hohe Frustration bei ihm sorgt“. Allerdings sei der Böblinger Obmann zwiegespalten, weil er auch die Entscheidung des Verbandsschiedsrichterausschusses akzeptiere: „Die erledigen grundsätzlich gute, ehrenamtliche Arbeit, obwohl sie manchmal schwierige Dinge beschließen müssen. Auch in diesem Fall haben sie sich viele Gedanken gemacht und ihre Argumente in der Obleute-Tagung erläutert.“

Ganz normales Politikum

Der Aufstieg von Schiedsrichtern sei laut Gack „ein ganz normales Politikum“. Es gebe Aspekte, die nicht immer nachvollziehbar sind. „Es ist auch bei uns in der Gruppe Böblingen schon vorgekommen, dass ein besser Platzierter nicht nach oben durfte.“ Es würde aus Gacks Sicht aber eine ganz einfache Möglichkeit geben, solche Diskussionen in Zukunft zu vermeiden: „Es wäre am leichtesten, wenn sich die punktbesten Schiedsrichter tatsächlich für die höhere Liga qualifizieren.“

Die Zeit läuft

Genau das würde sich auch Schöller wünschen. Sein Prozess gegen den WFV sollte eigentlich an diesem Donnerstag stattfinden, aufgrund eines Zustellungsfehlers des Amtsgerichts konnte der Verband jedoch eine Verschiebung durchsetzen – vermutlich auf kommende Woche. Die Zeit arbeitet jedoch gegen Schöller, weil bis zum 30. April nur noch sechs Wochenenden bleiben, an denen er bei Spielen beobachtet werden kann.